Klaus-Dieter und Martina John suchen noch Mitarbeiter.
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Klaus-Dieter und Martina John suchen noch Mitarbeiter.

Krankenhaus des Glaubens

Ehemalige Wiesbadener betreiben eine moderne Klinik in den peruanischen Anden

Von Vorn Brigitte Scheiffele

Schon morgens um sieben stehen die Menschen am Stadtrand von Carahuasi/Peru Schlange vor dem Krankenhaus Diospi Suyana. Von überall kommen sie her, oft nach tagelanger Reise. Nur aus Spendengeld, mittlerweile bis zu 20 Millionen US-Dollar, haben Klaus-Dieter und Martina John die Klinik „Diospi Suyana“ in 2650 Metern Höhe aufgebaut. Der Name stammt aus der Sprache der alten Inkas und bedeutet: „Wir vertrauen auf Gott“, denn das Arztehepaar erfuhr immer wieder die Kraft des Glaubens, „ohne die alles nicht möglich gewesen wäre“.

1979 machten die Johns ihr Abitur an der Elli-Heuss-Schule Wiesbaden und studierten in Mainz Medizin. Seit ihrer Jugend wollten sie in einem Entwicklungsland arbeiten. Nach mehrjähriger Tätigkeit in England, den USA, Südafrika und Ecuador wanderten die Kinderärztin und der Chirurg 2003 schließlich mit drei Kindern nach Curahuasi/Peru aus.

„Bis vor wenigen Jahren war die medizinische Versorgung in der Andenregion Abancay, dem Armenhaus Perus, katastrophal. 20000 Menschen leben in Curahuasi und umliegenden Bergdörfern. Die meisten sind Quechua-Indios, Nachfahren der Inkas“, berichtet Klaus-Dieter John.

Die Menschen fristen ein beklagenswertes Dasein und sind sozial deklassiert. In ihren Lehmhütten fehlen Fensterglas, Strom, Wasser und Kanalisation. Trinkwasser fließt über Wasserläufe am Boden und ist mit Parasiten und Wurmeiern verseucht. Landarbeiter verdienen umgerechnet zweieinhalb Euro am Tag und bearbeiten die Felder wie zu biblischen Zeiten.

„Es fing mit null Cent an und im Gebet“, sagt John. Was dann entstanden ist, kann niemand so richtig erklären, denn seit 2007 steht inmitten der Anden eine moderne Klinik. Mit hochwertiger Medizin wird hier armen Menschen geholfen. Doch es geht um mehr: „Hoffnung, Liebe und Respekt ist für die Nachfahren der Inkas keine Selbstverständlichkeit“, sagt Martina John.

Der Weg bis zur Klinikeröffnung schreibt „eine Geschichte der Wunder Gottes mit uns Menschen“, erzählte John immer wieder auf seinen bis heute 1500 Vortragsreisen in der ganzen Welt, in denen er um Unterstützung wirbt. Über die unverkennbare Kette sich stets aneinanderreihender Zufälle schreibt er in seinem Buch „Ich habe Gott gesehen“, das 2010 im Brunnen Verlag erschien.

Zum Klinikstart suchten die Johns 35 Ärzte und Krankenschwestern, die ihren Arbeitsplatz aufgeben und in Lehmhäusern wohnen sollten. Und sie fanden sie. Nach zwei Jahren Bauzeit spricht John 2007 zur Einweihung von einem „Krankenhaus des Glaubens“, das „mit ausgestreckter Hand der Freundschaft als Modell der Integration“ diene.

Heute werden hier bis zu 100 Patienten täglich behandelt. Die Behandlungen erfolgen nicht kostenlos, denn es soll gezeigt werden, dass Gesundheit ein Wert ist, den es zu erhalten gilt. Einen Euro zahlen die Menschen umgerechnet für einen Arztbesuch. Bei Medikamenten und Operationen entscheiden Arzt und Sozialarbeiter, wie viel ein Patient zahlen kann. Den Rest übernimmt der Wohltätigkeitsfonds.

110 Fachkräfte, 25 Missionskräfte und 25 Peruaner arbeiten derzeit Hand in Hand. Ehrenamtlich. In allen Bereichen werden weitere Mitarbeiter gesucht. Rund 75000 Patienten wurden bisher behandelt. „Nichts schreit lauter als die Tat. Wir müssen nicht viel sagen über den Glauben, die Menschen erhalten die Botschaft trotzdem“, sagt John.

www.diospi-suyana.org

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