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Konversation ohne Grenzen

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Von: Arne Löffel

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Stadträtin Scholz im Sprachcafé der Fliedner-Schule.
Stadträtin Scholz im Sprachcafé der Fliedner-Schule. © Michael Schick

Sprachcafés an Wiesbadener Schulen helfen Teenagern dabei, ungezwungen Deutsch zu lernen

Sprachcafés an Wiesbadener Schulen helfen Teenagern dabei, ungezwungen Deutsch zu lernen

Gabriel kommt aus Spanien, Natalia aus Polen, Andrea aus Rumänien, Hasan aus Libyen. Und so unterschiedlich die Biografien dieser Teenager auch sein mögen, ihre jetzige Situation ist sehr ähnlich: Heute wohnen sie alle in Wiesbaden, gehen hier zur Schule und sind klassische Quereinsteiger. „Das bedeutet, dass sie erst im Teenager-Alter hier in die Schule gekommen sind und dementsprechend wenig oder gar kein Deutsch sprechen“, berichtet Cornelia Schlegel, die Leiterin der Intensivklassen an der Theodor-Fliedner-Schule. In die Intensivklassen werden die Quereinsteiger geschickt. Sie sollen hier sechs Monate bis ein Jahr lang Deutsch lernen, wenigstens genug, um dem Unterricht in regulären Klassen folgen zu können.

Damit die Schülerinnen und Schüler schneller die Intensivklassen verlassen und am normalen Schulbetrieb teilnehmen können, bieten alle Schulen mit Intensivklassen – also außer der Fliedner-Schule auch die Gerhard-Hauptmann-Schule, die Wolfram-von-Eschenbach-Schule, die Wilhelm-Heinrich-von Riehl-Schule sowie die Hans- und Sophie-Scholl-Schule – freiwillige „Sprachcafés“ an. „Das hat mit dem eigentlichen Unterricht aber nichts zu tun, sondern ist eine unterstützende Maßnahme“, betont Schlegel.

Diese vom Internationalen Bund für Jugend- und Sozialarbeit (IB) getragenen Sprachcafés sind klassische „Conversation Groups“. Hier können Schülerinnen und Schüler abseits des Leistungsdrucks und Schulalltags die deutsche Sprache einfach ausprobieren.

Spielerisch und erfolgreich

So spielerisch gelernt wird das so komplizierte Deutsch ganz intuitiv sowie über alle Alters- und Ländergrenzen hinweg. Hier im Sprachcafé hilft die Polin dem Libyer und der Syrer der Rumänin. Und alle lernen von und mit dem Soziologie-Studenten Kristian Kaiser vom IB, der das Sprachcafé in der Fliedner-Schule betreut. „Wir unternehmen viel, zum Beispiel besuchen wir die Eisbahn oder gehen in die Stadt. Das macht sehr viel Spaß“, berichtet Andrea aus Rumänien in schon fast perfektem Deutsch.

Ihre Erlebnisse berichtet sie nicht nur den Journalisten, sondern auch Rose-Lore Scholz (CDU). Die Wiesbadener Schuldezernentin hat sich in ihrer Arbeit die Integration als einen ihrer zahlreichen Schwerpunkte gesetzt und macht sich an diesem Nachmittag ein Bild von dem Programm, das die Stadt im laufenden Schuljahr 2013/14 mit gut 25 000 Euro bezuschusst.

Scholz ist beeindruckt von den Lernerfolgen, aber auch der Herzlichkeit in den Sprachcafés. Besonders angetan hat es ihr aber Pia – eine Deutsche, die ihre polnische Freundin zum Sprachcafé begleitet. „Ich find’s einfach toll, Leute aus anderen Kulturen kennenzulernen“, sagt Pia ganz selbstverständlich. Das imponiert. „Das ist echte Integration, denn Integration ist nicht nur eine Bringschuld von denen, die zu uns kommen“, betont Scholz.

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