Preisverleihung in Wiesbaden – die Geehrten schätzen die entspannte Atmosphäre.
+
Preisverleihung in Wiesbaden – die Geehrten schätzen die entspannte Atmosphäre.

Kommissare können nicht nur ermitteln

Deutscher Fernsehkrimi-Preis für HR-Produktion „Der Tote im Nachtzug“ / Gala im Caligari

Von Bernd Schmid

Der „Tatort“ ist in diesem Jahr das Maß aller Dinge in Sachen Fernsehkrimi. Gleich drei Episoden der ARD-Serie wurden am Samstagabend auf dem Fernseh-Krimi-Festival in Wiesbaden ausgezeichnet. Die HR-Produktion „Der Tote im Nachtzug“ wurde zum besten TV-Krimi des Jahres gekürt, der Regie-Sonderpreis ging an Justus von Dohnányi für „Das Dorf“ und auch der Publikumspreis ging mit „Der traurige König“ an eine „Tatort“-Folge.

Bei der Abschlussgala des viertägigen Fernseh-Krimi-Festivals im Wiesbadener Programmkino „Caligari“ suchte man den für die glamouröse Filmwelt üblichen roten Teppich und das Blitzlichtgewitter vergeblich – zum Glück, könnte man meinen. Denn genau das würdigten die angetretenen Film- und Fernsehstars, wenn sie auf das Wiesbadener Festival zu sprechen kamen. „Nach dem hektischen Berlin, der überspannten Oscar-Verleihung, kommen die Cracks gerne nach Wiesbaden – zum Entspannen“, sagte die Schauspielerin und Sängerin Maren Kroymann, die durch den Abend führte. Und in der Tat, die Gästeliste las sich wie ein kleines „Who’s who“ der deutschen Fernsehkrimi-Landschaft. Die Regisseure Ed Herzog, Florian Schwarz oder „Der kalte Himmel“-Regisseur Johannes Fabrick kamen ebenso zum Festival wie die Schauspieler Ulrich Tukur und Miroslav Nemec.

Für diese gewisse Entspanntheit spricht wie in den vergangenen Jahren auch die Dotierung des Deutschen Fernsehkrimi-Preises. Die Macher um Regisseur und Autor Lars Kraume sind neben dem Ehrentitel um 1000 Flaschen Rheingauer Wein reicher. Die Fachjury bezeichnete den Film mit dem Ermittler-Duo Nina Kunzendorf und Joachim Król als „Film, bei dem wirklich alles stimmt“. Die Schauspielerin Ulrike Kriener lobte Drehbuch und trockene, treffsichere Dialoge. Das Experten-Team vollzog mit der Auszeichnung die Adelung des ungewöhnlichen Ermittler-Duos durch die Fernsehkritik nach. Noch eine weitere ARD-Produktion des Hessischen Rundfunks wurde prämiert: Justus von Dohnányi, der dem Publikum sonst vor allem als Schauspieler bekannt ist, erhielt den Regie-Sonderpreis für die „Tatort“-Folge „Das Dorf“.

Der TV-Krimi mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle bricht mit stilistischen und inhaltlichen Konventionen des Genres. Verblichene Farben, rockende Kessler-Zwillinge und ein Kommissar im ständigen Dialog mit seinem frisch diagnostizierten Gehirntumor mit Namen „Lilly“ sorgten bei Kritik und eingefleischten Fans nicht durchgehend für Begeisterung. Der zweite Sonderpreis ging an Franz Xaver Kroetz für seine herausragende schauspielerische Leistung im ZDF-Krimi „Die Tote im Moorwald“. Mit dem Publikumspreis wurde die „Tatort“-Folge „Der traurige König“ ausgezeichnet.

4500 Zuschauer, 500 mehr als im vergangenen Jahr, sahen die zehn Filme, die eine Vorjury für die achte Auflage des Fernseh-Krimi-Festivals aus 60 eingereichten Produktionen ausgewählt hat. Für Wiesbadens Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz ein Beleg, dass das Festival mehr ist als ein Branchentreff mit angeschlossener Preisverleihung. Filmisch hat sich seit dem medialen Ableben des deutschen Krimi-Paten, des biederen Oberinspektors Stephan Derrick, bekanntlich viel getan. Dafür hätten die zahlreichen Redakteure, Produzenten und Drehbuchautoren nicht nach Wiesbaden kommen müssen. Aber wohl nur hier kann man den bayerischen Tatort-Kommissar Miroslav Nemec erleben, der die Galagäste mit einem eigens für das Festival zusammengestellten Musikprogramm zum Toben bringt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare