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Die Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) in Wiesbaden.
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Die Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) in Wiesbaden.

Wiesbaden Horst-Schmidt-Kliniken

Klinikpersonal droht Billiglohn

  • Arne Löffel
    VonArne Löffel
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De geplante Jobabbau in den HSK hat Kritiker auf den Plan gerufen. Die Parlamentarier aller Fraktionen wurden nach eigenen Angaben von dem Stellenabbau überrascht und beklagen unisono die mangelnde Kommunikation im Vorfeld.

Bis zu 500 von 2450 Stellen in den Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) sind auf dem Prüfstand. Das teilte Geschäftsführerin Corinna Glenz am Montag mit – dem Tag ihres Dienstantritts. Seitdem hat der Helios-Klinikkonzern die Leitung der ehemals städtischen HSK übernommen. Die 41-jährige Glenz kündigte an, das Leistungsvermögen der HSK mit erfolgreicheren Helios-Häusern zu vergleichen und daraus Einsparpotenziale abzuleiten.

Georg Schulze-Ziehaus, Landesfachbereichsleiter Gesundheit bei Verdi, ist kritisch: „Es ist unbestritten, dass die HSK Verluste machen und dass eine Geschäftsführung auch dazu da ist, unpopuläre Gedanken auszusprechen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die HSK mit weniger Personal auskommen .“

Er vermute daher, dass Helios weitere Abteilungen des Hauses ausgliedern will. Da in der Tochtergesellschaft „HSK Service“ bereits Gewerke wie die Reinigungskräfte und die Wäscherei ausgegliedert wurden (was bei den Reinigungskräften zu erheblichen Qualitätsproblemen geführt hat – die FR berichtete), stünden wahrscheinlich Labore, die Radiologie oder die Physiotherapie zur Disposition.

Kostendruck ist Kernproblem

„Mit unkalkulierbaren Folgen für medizinische Qualität und die Patienten-Sicherheit.“ Die Beweisführung sei schwierig, aber Studien gingen davon aus, dass schlechter bezahlte Mitarbeiter schlechtere Leistungen bringen. Das schlage sich in der Hygiene nieder. „Überlastete Pfleger waschen sich nicht immer die Hände, wenn sie die Patienten wechseln. Das steigert die Gefahr von Infektionen.“

Dem gegenüber stehe der Kostendruck, der auf allen Krankenhäusern laste. „Die Probleme der HSK wurzeln nicht in mangelnder Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter, sondern im Finanzierungssystem: Leistungen werden nach allgemeinen Sätzen vergütet.“ Gerade Häuser von hoher Qualität seien anfällig für Defizite: Qualität kostet eben Geld. Wolle ein Haus Gewinne machen, müssten die Abteilungen straff organisiert sein. Die Häuser des Konzerns miteinander zu vergleichen sei daher gängige Praxis bei Helios.

Schon mit dem Einstieg von Rhön in die defizitären HSK sei seitens der Stadt die Hoffnung verknüpft gewesen, dass „die Profis alles besser machen“ würden. „Über Outsourcing an der Kostenschraube drehen, das hätte die Kommune auch gekonnt“, kritisiert Schulze-Ziehaus. Er habe bereits Kontakt mit dem Betriebsrat aufgenommen. „Da der Kündigungsschutz bis Ende 2015 gilt und die Geschäftsführung bis dahin die natürliche Fluktuation nutzt, ist es für einen Arbeitskampf zu früh“, so Schulze-Ziehaus. Im Ernstfall sei mit Widerstand der Belegschaft zu rechnen.

Die Wiesbadener Parlamentarier aller Fraktionen wurden nach eigenen Angaben von dem Stellenabbau überrascht und beklagen unisono die mangelnde Kommunikation im Vorfeld. „Ich habe es aus der Zeitung erfahren“, moniert der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Reinhard Volker. Er wolle die Kündigungen daher nicht kommentieren, sehe aber die „Pflicht der Geschäftsführung“, die Klinik in die schwarzen Zahlen zu bringen.

„Jetzt tritt ein, was wir immer befürchteten“, kontert Grünen-Fraktionsvorsitzende, Christiane Hinninger. Nicht umsonst habe ihre Fraktion dem Verkauf nicht zugestimmt. Dem schließt sich Michael von Poser, Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste Wiesbaden, an „Aber mit den dilettantischen Akteuren auf kommunaler Seite war ja auch keine Lösung in Sicht“, ergänzt er.

Christoph Manjura, Fraktionschef der SPD, hält die Teilprivatisierung trotz des unglücklichen Starts mit der Helios-Geschäftsführung vor für richtig. „Wir hätten das aus eigener Kraft nicht geschafft“, so Manjura. FDP-Fraktionschef Christian Diers wundert darüber hinaus: „Schon bei der Übernahme hätten solche Aktionen besprochen werden müssen.“

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