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So klingt Bewegung

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Im Zusammenspiel auf der Bühne im Großen Haus des Staatstheaters: Das Ensemble Modern und die Balletttänzer.
Im Zusammenspiel auf der Bühne im Großen Haus des Staatstheaters: Das Ensemble Modern und die Balletttänzer. © staatstheater

„Loops and Lines“: So heißt das neue Tanzprojekt des Hessischen Staatstheaters dem Ensemble Modern. Bei dem Projekt treffen sich auf der Bühne Tänzer und Musiker und tauschen die Rollen.

Von Christina Frankzisket

Wie Federn im Wind tanzen zwei Körper über die Bühne. Ein Mann und eine Frau bewegen sich so voller Leichtigkeit auf Zehenspitzen, als koste es sie keine Kraft. Ein bisschen sieht es aus, als ob aus ihren zwei Körpern einer wird, so fließend sind ihre Bewegungen. Hinter ihnen spielen Streicher, ihre Klänge führen Regie bei der Choreographie, es scheint geradezu, als seien die Tänzer von der Musik gesteuert.

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Auf das Innere schließen

Das neue Tanzprojekt des Balletts des Hessischen Staatstheaters und dem Ensemble Modern, „Loops and Lines“, beweist, dass Bewegung und Klänge untrennbar zusammengehören.

Grundlage für das Tanzstück sind Bewegungslehren des Tanzforschers Rudolf von Laban, dessen Lebensaufgabe darin bestand, den Zusammenhang zwischen innerer Motivation und äußerem Körpergeschehen von Menschen und alle darauf einwirkenden Faktoren zu untersuchen.

Auf diese Lehren stützt sich die choreographische Arbeit von Stephan Thoss, Ballettdirektor des Staatstheaters. Er unterbricht nur widerwillig die laufende Probe, um sein Tanzprojekt vorzustellen. Dafür setzt er sich jedoch nicht hin, sondern wirbelt durch das Foyer des Großen Hauses. „Labans Lehren sind nur Theorien, ich mache sie sichtbar“, sagt er und demonstriert, was Laban über die Bewegung herausfand. „Wenn wir zum Beispiel langsam gehen“, sagt er, senkt den Kopf, und macht kleine, langsame Schritte, „transportieren wir auch immer einen Inhalt“, sagt er und sieht dabei wirklich traurig aus, „man kann durch die äußerliche Bewegung auf das Innere, den Gemütszustand schließen.“ Drei Faktoren beeinflussen laut Laban die Bewegung – Raum, Zeit und Energie, sagt Thoss, während er im Pferdchensprung durch das Foyer hüpft: „Niemand der traurig ist, kommt so daher.“

Genauso sei das auch mit Musik: Bewegung erzeuge einen Klang, der Klang wiederum Bewegung. „Deshalb ist die Bewegungslehre auch interessant für Musiker“, sagt Thoss. „So habe ich das Ensemble für mein Projekt motivieren können.“ Ziel seiner Tanzproduktion sei, dass sich die Bewegung der Tänzer auf die Musik auswirke und umgekehrt.

Mit dem renommierten Ensemble Modern aus Frankfurt konnte das Staatstheater einen besonderen Partner gewinnen. „Das war nur möglich durch eine Förderung“, sagt der Intendant des Staatstheaters, Manfred Beilharz. Das Tanzprojekt wird unterstützt durch die Kulturstiftung des Bundes und durch den Kulturfond Frankfurt Rhein-Main.

Schon bei der Probe wird klar, dass das Ensemble Modern kein gewöhnliches Orchester ist. Die Musiker platzieren sich nicht am Rand, sondern mitten auf der Bühne, hintereinander, wie in einem Zug. Die Lokomotive ist der Dirigent. Sie spielen das Stück „Shaker Loops“ von John Adams und die Tänzer binden sie ein, tanzen um sie herum, schieben sogar die Noten quer über die Bühne und die Musiker folgen. In einem Teil des Stücks bewegen die Musiker sich selbst und tanzen: „Sie sollen dabei ihr Instrument benutzen, wie sie es sonst nicht benutzen“, sagt Thoss, der wieder herumwirbelt und hier und da in das Geschehen auf der Bühne eingreift, um zu perfektionieren.

Dann tritt eine Tänzerin auf, sie trägt ein Kleid, das knistert, ihre Bewegungen erzeugen Klänge. Der Mann mit dem Kontrafagott ist ihr Echo. Er lässt ihre Bewegungen zu Musik werden.

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