In der Bad Homburger Fußgängerzone entsteht ein kleiner Wald aus Weihnachtsbäumen.
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In der Bad Homburger Fußgängerzone entsteht ein kleiner Wald aus Weihnachtsbäumen.

Wiesbaden und Taunus

Kleine Lockmittel sollen dem Handel helfen

  • vonJürgen Streicher
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Einzelne Kommunen bieten kostenloses Parken an Adventssamstagen, andere Bustickets zum Nulltarif.

Die Gastronomie darbt und muss sich auf „To-Go-Produkte“ mit Abholung beschränken, der Einzelhandel bangt um Kundschaft und freut sich über jegliche kommunale Unterstützung beim Anlocken des allzu defensiv auftretenden Kaufpublikums. Reicht da eine 25-Meter-Tanne mit üppiger Beleuchtung auf dem Wiesbadener Schlossplatz, wo sonst hunderte Sternschnuppen flimmern und weihnachtliches Flair vermitteln? Oder ein Schaufenster-Wettbewerb, um Menschen in die Innenstädte zu ziehen, trotz allerorten abgesagter Weihnachtsmärkte?

Die Landeshauptstadt hält sich mit Geschenken zurück. Den beliebten und in der Region bekannten „Sternschnuppenmarkt“, mit sonst Hunderttausenden Menschen über die Adventszeit verteilt, musste sie notgedrungen absagen. Alternativen sind, wenn überhaupt, nur im Kleinformat möglich und bleiben dem kreativen Einzelhandel überlassen. Immerhin, die ESWE-Verkehrsgesellschaft zeigt sich als treuer Partner und bietet wie im vergangenen Jahr ein spezielles „Veranstaltungsticket“ zum Sondertarif für eine Hin- und Rückfahrt im RMV-Tarifgebiet 6500 mit Wiesbaden, Mainz und dem Umland. Für 4,60 Euro sogar 10 Cent billiger als im Vorjahr.

„Wir wollen den Hofheimern und den Gästen das Weihnachts-Shopping versüßen und unseren Einzelhändlern und Gastronomen in dieser wichtigen Geschäftszeit unter die Arme greifen“, hat der damals frisch gewählte Bürgermeister der Kreisstadt, Christian Vogt, vor Jahresfrist zum kostenlosen Parken an den Adventssamstagen und „zwischen den Jahren“ gesagt. Der geschätzte Einnahmeverlust von etwa 6500 Euro wurde als Wirtschaftsförderung verstanden. So soll es auch in diesem Jahr sein, ist aus dem Rathaus zu hören, allein der finale Beschluss lag am Wochenende noch nicht vor. Die roten Weihnachtsmützen für die Parkuhren und die Aufkleber mit dem Hinweis auf „Kostenloses Parken“ sind noch vorhanden, die gut angenommene Aktion ist ohne Organisationsaufwand zu leisten. Die Parkhäuser sind von der Vergünstigung ausgenommen, ein kostenloses ÖPNV-Angebot ist nicht in Planung.

Im Hochtaunuskreis bietet zumindest die Burgstadt Kronberg zur „Unterstützung des örtlichen Gewerbes“ an den vier Adventssamstagen eine Stunde gebührenfreies Parken im Bereich der Parkscheinautomaten in der Innenstadt an. Wer länger zum Einkaufen braucht, kann im zentralen Parkhaus am Berliner Platz für einen Euro pro Stunde parken. Die Kurstadt Bad Homburg hatte bis zum zuletzt verfügten Lockdown am Weihnachtsmarkt mit außerordentlichem Hygienekonzept festgehalten, jetzt ist nur die 16-Meter-Tanne auf dem Kurhausvorplatz geblieben. Rund 30 kleinere Bäume sollen noch dazukommen und den Platz zum Weihnachtswald machen. Die kostenlose „Bimmelbahn“ über die Haupteinkaufsmeile zwischen Bahnhof und Schloss konnte zum Leidwesen von Kurdirektor Holger Reuter nicht installiert werden, sie sei „hervorragend angekommen im Vorjahr“. Kostenlos ist dafür die Fahrt mit allen Stadtbussen an den Adventssamstagen, über kostenfreies Parken in der Innenstadt außerhalb der Parkhäuser wird auf Antrag der FDP noch am Donnerstag im Stadtparlament verhandelt.

Wer im Advent an den Samstagen zum Einkaufsbummel in die Innenstadt von Oberursel kommt, muss ganz normal ein Parkticket ziehen und Münzen in den Parkautomaten einwerfen, wenn er sein Auto auf einem kostenpflichtigen Parkplatz abstellt. Oder ein Stadtbusticket zum Normaltarif kaufen. „Es ist im Moment nicht geboten, Geschenke mit Geld zu machen“, sagte CDU-Fraktionschef Jens Uhlig jüngst im Stadtparlament, im Haushalt 2021 drohe schon jetzt ein heftiges Millionendefizit. Uhlig begründete als Sprecher der CDU/SPD-Koalition die Ablehnung eines FDP-Antrages. Die Liberalen wollten kostenloses Parken ermöglichen und zudem eine kostenlose Stadtbusnutzung. Einen „attraktiven Impuls und ein Signal in Richtung Einzelhandel“ wollte die FDP setzen, die Kosten in Höhe von etwa 6000 Euro seien vertretbar. Nicht als Geschenk, das man sich nicht leisten könne, wie es die CDU bezeichne, sondern als „Hilfe und Unterstützung für den Einzelhandel“. Zeigen, dass Bekundungen dieser Art nicht bloß Lippenbekenntnisse seien. „Vier Samstage, sonst nix!“ Jetzt bleibt es bei Weihnachtsbeleuchtung und einem Schaufenster-Wettbewerb im Einzelhandel.

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