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Von Klassik bis Weltmusik

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Musikliebhaber finden ein breites Angebot in den Regalen.
Musikliebhaber finden ein breites Angebot in den Regalen. © B. Fickert

Musikbibliothek feiert ihr 75-jähriges Bestehen / Vorträge und Trommelkreis

Von Mirjam Ulrich

A n dem Ort, an dem sich in der Stadt Noten und Klänge sammeln, herrscht Stille. Auf meterlangen Regalen reihen sich in der Musikbibliothek am Schillerplatz CDs, DVDs, Zeitschriften und Musikliteratur aneinander und laden zum Stöbern ein. Die Auswahl ist dabei riesig: an die 33000 Notenbände, 19000 CDs, 2000 DVDs und 9000 Bücher. „Es ist eine gute Möglichkeit, in aller Ruhe Musik zu entdecken“, sagt Claudia Monien, die Leiterin. „Man kann sich bei uns nicht vergreifen, denn man muss hinterher keinen Fehlkauf bereuen.“

Denn in der Musikbibliothek lässt sich, abgesehen von den Nachschlagewerken und dem Schallplattenarchiv, alles für vier Wochen ausleihen. Online gibt es Musik und Sachliteratur – ganz legal – zum Herunterladen, nach Ablauf der Leihfrist lassen sich die Dateien nicht mehr öffnen.

Der Bestand der Musikbibliothek ist so vielfältig wie die Musik selbst und reicht von Klassik bis Pop, Rock und Jazz, von Chanson und Musical bis Weltmusik. Leser der Zeitschrift „Opernwelt“ werden dort genauso fündig wie Freunde des Musikmagazins „Rolling Stone“. Auch Karaoke-Fans bekommen dort die passende Begleitmusik, und wer den aktuellen Ohrwurm aus dem Radio sucht, dem helfen Claudia Monien und ihre vier Mitarbeiter ebenfalls weiter.

In diesem Frühjahr feiert die Musikbibliothek ihr 75-jähriges Bestehen. Zwar soll es bereits 1911 in Wiesbaden eine Sammlung von Noten zum Ausleihen gegeben haben, doch fand Claudia Monien keine Quellen im Stadtarchiv.

Fest steht jedoch, dass es schon 1916 in einer der Lesehallen?des Volksbildungsverein Noten zu leihen gab. Als sich der Verein 20 Jahre später auflöste, übergab er sämtliche Bestände der Stadt. Dazu gehörten auch knapp 1800 Notenbände, die dann als Grundstock für die am 28. April 1937 eröffnete Musikbücherei dienten.

Bis heute existieren in Hessen nur drei öffentliche Musikbibliotheken, bundesweit gibt es in 87 öffentlichen Bibliotheken Musiksammlungen. Die Wiesbadener Musikbibliothek gehört zur Stadtbibliothek und verzeichnete voriges Jahr 105000 Ausleihen. Darüber hinaus bietet sie regelmäßig Veranstaltungen an, wie etwa Vorträge oder auch zum ersten Mal einen Trommelkreis. „Es reicht nicht mehr, einen attraktiven Bestand zu haben“, erläutert Leiterin Monien, da sich durch den Umgang mit digitalen Medien auch das Ausleihverhalten der Leser ändere.

Ebenso veränderte sich im Laufe der Zeit die Musikbibliothek. Händigten früher die Bibliothekare alle Noten auf Bestellung an der Theke aus, kommen die Benutzer längst selbst an sie heran. „Da können sie gleich schauen, ob sie das Werk reizt und sie es spielen können“, sagt Claudia Monien.

Von dieser Möglichkeit macht auch Klesta Leitner Gebrauch. Die 23-Jährige studiert Querflöte und unterrichtet selbst an einer Musikschule. „Mir hilft das bei der Auswahl der Literatur, die ich mir dann privat kaufe“, sagt sie. Der Amerikaner Kenneth Derby wiederum sucht wöchentlich nach CDs mit Filmmusik und neuen Musicals. „Ich besitze selbst eine große Sammlung, aber hier finde ich vieles, was ich noch nicht habe“, sagt er.

Derby, von Beruf Sänger, trat schon bei einem der Benefizkonzerte des Fördervereins „Prima La Musica“ auf, der seit 1998 die Musikbibliothek unterstützt. Denn deren Etat betrug voriges Jahr gerade einmal 22000 Euro. Über künftig etwas mehr Geld wäre Claudia Monien daher froh: „Um die Auswahl, die es auf dem Markt gibt, den Benutzern weiter anbieten zu können.“

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