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Klärwerke müssen nicht stinken

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Beim Tag der offenen Tür in ihrer Anlage am Theodor-Heuss-Ring räumen die Wiesbadener Entsorgungsbetriebe mit Vorurteilen auf. Von Bastian Beege

Von Bastian Beege

Dass Klärwerke stinken, weiß schon jedes Kind. Deshalb hat Eva ihren kleinen Freund sicherheitshalber schon mal vorgewarnt. Besagter Freund ist ein kleiner Koalabär aus Stoff - mit äußerst guten Manieren übrigens: "Er hat noch kein einziges Mal die Nase gerümpft", sagt die vierjährige Eva beim Gang durch das Wiesbadener Klärwerk anerkennend. Ist aber eigentlich auch gar nicht nötig, denn es riecht überhaupt nicht übel. "Es ist viel angenehmer, als ich es mir vorgestellt habe", findet auch Evas Mutter, Anke Oberländer.

So etwas hört Michael Haeusler, bei den Entsorgungsbetrieben der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW) zuständig für die Entwässerung, gern. Denn natürlich soll der erste Tag der offenen Tür seit mehreren Jahren auch mit alten Vorurteilen aufräumen. "Viele Leute haben gar keine Vorstellung davon, dass wir hier intensiven Gewässerschutz betreiben", so Haeusler.

Mit eigenen Augen überzeugen können sich die Besucher davon bei einer Führung durch die weitläufige Anlage am Theodor-Heuss-Ring 51: Dabei werden auch normalerweise unzugängliche Bereiche wie etwa die Abwasserlabore nicht ausgespart. Die Besucher zeigen sich beeindruckt - etwa beim Anblick der riesigen Wassermengen, die unaufhörlich durch die zahlreichen Becken strömen und am Ende der biologischen Reinigung in den Rhein geleitet werden.

"Keine Frage, wir haben eines der modernsten Klärwerke Europas", sagt Haeusler und verweist darauf, dass regelmäßig Delegationen etwa aus China vorbeischauten, "um sich bei uns etwas abzugucken". In der Tat arbeite das Klärwerk vorbildlich, sämtliche Schadstoffobergrenzen würden weit unterschritten. Davon profitiert nicht zuletzt der Rhein, dessen Wasserqualität sich in den vergangenen Jahren stark verbessert hat.

Doch auch ohne nennenswerte Pannen steht die ELW derzeit vor großen Herausforderungen: "Es werden deutschlandweit verstärkt Arzneimittelrückstände im Trinkwasser nachgewiesen", so ELW-Sachgebietsleiterin Georgia Panagiotopoulou. "Auch wir müssen Techniken entwickeln, um diese Rückstände abzubauen." Ein weiteres Projekt besteht darin, durch Methangasgewinnung den eigenen Strombedarf irgendwann komplett selbst abzudecken. Momentan liegt der Eigenanteil noch bei rund 60 Prozent.

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