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Die Hammermühle - Idylle in Gefahr: Hinter den Bäumen auf der Rechten seite sollen die Klärbecken gebaut werden.
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Die Hammermühle - Idylle in Gefahr: Hinter den Bäumen auf der Rechten seite sollen die Klärbecken gebaut werden.

Wiesbaden

Klärbecken am Kulturdenkmal in Wiesbaden

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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An der Hammermühle soll eine vierte Reinigungsstufe für Abwasser entstehen.

Clara Schumann, Richard Wagner und Johannes Brahms sollen in der Hammermühle schon zu Gast gewesen sein. Heute zeigt sich das 1690 wiederaufgebaute Gebäude als idyllisches Kulturdenkmal, in dem zahlreiche Familien eine Wohnung finden. Obwohl die Hammermühle zwischen der A66 und der Mainzer Straße im Salzbachtal eingezwängt liegt, offenbart sie sich mit den sie umgebenden Gärten und Grünflächen als Kleinod. Nachdem Uli Brandner das Gebäude 2006 von der Stadt gekauft hatte, sanierte er es liebevoll. Heute ist er stolz darauf, dass 17 Kinder dort leben.

Doch jetzt treibt ihn die Sorge um, dass die Hammermühle ihren Liebreiz verlieren könnte. Die Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt (ELW) planen in unmittelbarer Nähe eine vierte Reinigungsstufe des weiter nördlich gelegenen Hauptklärwerks. Die Klärbecken würden nur 50 Meter von dem Hofgut entfernt liegen. Das Planungsgebiet verläuft exakt entlang der Außenmauern. „Ich bin zornig über das Vorgehen“, sagt Brandner. Das Projekt befindet sich in der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit. Bis 12. März können Einwände eingereicht werden. Brandner wird einer von ihnen sein. Er lässt sich anwaltlich beraten.

Das Hofgut Hammermühle

Mit dem Wasser des Salzbachs wurde bis 1688 ein Eisenhammer für eine Schmiede betrieben. Später wurde die Hanmmermühle eine Getreidemühle.

Der Müller Bernhard May übernahm Anfang des 19. Jahrhunderts die 1690 wiedererrichtete Mühle. Dort unterhielt er einen Treffpunkt für Künstler und Demokraten, wo er Musiker wie Clara Schumann und Politiker wie Robert Blum empfing. mre

Brandner nennt vor allem drei Argumente, die aus seiner Sicht gegen die Erweiterung des Klärwerks sprechen: Die drei Klärbecken und das neue, elf Meter hohe Bauwerk würden die bodennahen Fallwinde aus dem Taunus behindern und verlangsamen. Er bezieht sich auf die Klimprax-Studie des Deutschen Wetterdienstes, die das Salzbachtal als eines der wichtigsten Luftabzugsgebiete für die Innenstadt bezeichnet. Brandner hält sogar die Stadt Mainz für betroffen, wo sich die Frischluftzufuhr verschlechtern könnte. Er macht auch für die unter Denkmalschutz stehende Hammermühle den Umgebungsschutz geltend, das Kulturdenkmäler vor einer Beeinträchtigung des Anblicks schützen soll. Zuletzt hält er den Bau für Geldverschwendung.

Das sieht das Dezernat für Bau und Stadtplanung anders. Die Investitionen von 25 bis 30 Millionen Euro für das Hauptklärwerk seien notwendig, weil die vierte Reinigungsstufe „als behördliche Anordnung hessenweit zu erwarten“ sei, teilt Liegenschaftsreferent Alexander Reinfeldt auf Anfrage mit. Aufgrund der europäischen Wasserrahmenrichtlinie seien künftig strengere Vorgaben für das gereinigte Abwasser einzuhalten, um Medikamente, Mikroverunreinigungen und andere Stoffe aus dem Wasser zu filtern, denn sie stellten eine Gefahr dar.

Eine Alternativenprüfung habe laut Reinfeldt ergeben, dass weiter von der Hammermühle entfernte Standorte nach Abwägung mehrerer Kriterien weniger gut geeignet seien. Zumal hätten Prüfungen gemäß Baugesetzbuch ergeben, dass nicht mit klimatischen Auswirkungen zu rechnen sei. Es entstünden flache Bauwerke, die die Frischluftzufuhr nicht störten. Das einzig höhere Bauwerk, eine Filteranlage, ersetze ein anderes in vergleichbarer Kubatur.

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