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Säkularisierung

Kirchengemeinden schrumpfen

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Wiesbaden Zahl der Christen sinkt schnell, deshalb wollen die Katholiken ein weiteres Gotteshaus aufgeben

Die neue Pfarrerin Jutta Leonhardt Balzer ist nicht nur für eine evangelische Gemeinde zuständig, sondern für anderthalb: ganz für die Dreikönigsgemeinde und zur Hälfte für die Kirchengemeinde Schelmengraben. Diese beiden und die Auferstehungsgemeinde haben sich zu einem Kooperationsraum zusammengeschlossen, damit sie die Pfarrstellen besser teilen können. Wegen dramatisch schrumpfender Mitgliederzahlen hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau die neue Organisationsform eingeführt; der Kooperationsraum im Wiesbadener Westen ist der erste, bestimmt nicht der letzte.

Bis vor kurzem ging die Kirchenleitung noch davon aus, dass die Mitgliederzahl hessenweit um ein bis 1,5 Prozent zurückgeht. „Die Entwicklung beschleunigt sich aber, seit ein paar Jahren sind es zwei Prozent“, sagt Dekan Martin Mencke. Besonders gehen die Mitgliederzahlen in Quartieren mit höheren sozialen Bedarfszahlen zurück, etwa in der Innenstadt, im Schelmengraben und in Biebrich. In der Gemeinde Gräselberg habe es vor 15 Jahren noch eine rege Gemeinde mit Konfirmandengruppen, Krippenspielen und Familienarbeit gegeben. „Aber jetzt ist keiner mehr da, mit dem die Jugendarbeit aufgebaut werden könnte“, berichtet der Dekan. Die Entwicklung sei absehbar. „Die Gemeinden verändern sich mit dem Stadtteil, das lässt sich nicht beeinflussen.“

Das hat Folgen: 2016 haben die Gemeinden der Hauptkirche und der Albert-Schweitzer-Kirche fusioniert und heißen nun Hoffnungsgemeinde. Die Gemeindehäuser der Kreuzkirche, der Paul-Gerhardt-Gemeinde, in Walluf und Dotzheim wurden verkleinert. Luther-, Markus- und Heiliger-Geist-Gemeinde sondieren laut Mencke ergebnisoffen, ob ein Zusammenschluss wünschenswert sei. Die gemeindlichen Pfarrstellen müssen gekürzt werden, von 45,5 (2012) auf 41 in 2024. Noch ist es nicht so weit, dass eine Kirche aufgegeben wird. „Perspektivisch schon“, so Mencke. „Das ist auch eine geistliche Frage: Wickeln wir uns ab, oder stehen wir vor einer Transformation?“ Für Mencke steht fest: „Wir finden neue Hüllen.“ Die Gemeinden könnten dann mehr diakonische Arbeit leisten.

Die katholische Kirche hat bereits eine Kirche aufgegeben. Zum Jahresende wurde die Kirche St. Johannes in Rambach an den Alpenverein verkauft. „Die Kirche Heilige Familie in der Frankfurter Straße wird über kurz oder lang auch aufgegeben“, teilt der katholische Stadtdekan Klaus Nebel auf Anfrage mit. Die Kirche sei keiner Pfarrei mehr zugeordnet. Lediglich die polnische katholische Gemeinde halte dort Gottesdienste ab. Ein weiterer Grund für die Aufgabe: Für das Josefshospital in unmittelbarer Nähe wird eine Krankenhauskirche gebaut. Auch bei den Zusammenlegungen der Gemeinden sind die Katholiken schon weiter. 2012 wurden aus 21 Pfarreien drei gemacht. „Mehr ist nicht geplant“, sagt Nebel.

„Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache“, gibt der Stadtdekan zu bedenken. Der Trend zur Individualisierung in der Gesellschaft sei ein wichtiger Grund für Kirchenaustritte, ein weiterer die Kirchensteuer. Die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche würden eine untergeordnete Rolle spielen.

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