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"Kinderbetreuung und ein verständnisvoller Chef"

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Von: Christina Franzisket

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Petra Schierholz, Leiterin des Eltern- und Kinder-Zentrums "KiEZ", erläutert im FR-Interview, welche Hilfen Alleinerziehende brauchen, um auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben.

Petra Schierholz, Leiterin des Eltern- und Kinder-Zentrums "KiEZ", erläutert im FR-Interview, welche Hilfen Alleinerziehende brauchen, um auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben.

Frau Schierholz, mit welchen Problemen kämpfen Alleinerziehende in Wiesbaden?

Sie tragen die Erziehungsverantwortung ganz allein. Bei vielen kommt neben einer Trennung noch hinzu, dass die Familienstruktur nicht stabil ist. Sie stehen ganz allein da mit Kind oder Kindern. Auch die finanziellen Ressourcen von Alleinerziehenden sind meistens gering. Die Betroffenen, die zu uns kommen, sind überwiegend Frauen im Leistungsbezug.

Wie kommen die Frauen mit dem wenigen Geld zurecht?

Unterschiedlich. Zum Teil können sie ihr Leben damit kaum bewältigen. Doch alle gehen verantwortungsvoll mit dem Geld um, das ihnen zur Verfügung steht, etwa um eine gute Ernährung zu sichern. Vielen Müttern ist es wichtig, dass man ihren Kindern die Armut nicht ansehen kann, sie achten besonders auf ordentliche Kleidung.

Warum ist den Frauen gerade das so wichtig?

Sie fürchten sich vor einer Stigmatisierung. Sie wollen nicht, dass ihre Kinder wegen der Armut ausgeschlossen oder gemobbt werden. Auch vor anderen Eltern möchten sie ihre Armut verbergen. Das ist ein Grund, warum unser Elterncafé so gut angenommen wird. Hier können Mütter teilhaben, sich austauschen und treffen auf eine vorurteilsfreie Welt.

Haben es Alleinerziehende schwer auf dem Arbeitsmarkt?

Ja, weil sie um arbeiten zu können, eine Kinderbetreuung brauchen. Viele Mütter, die zu uns kommen, wollen aus dem Leistungsbezug heraus, aber für eine Arbeit oder eine Ausbildung brauchen sie eine Kinderbetreuung und auch einen verständnisvollen Arbeitgeber.

Wie geht es Alleinerziehenden, die es aus dem Leistungsbezug heraus schaffen?

Sie sind stolz darauf, unabhängig von sozialen Leistungen zu sein. Mit deren Wegfall rollt aber auch eine Welle an Kosten des alltäglichen Lebens, wie die Miete und Kosten für Kinderbetreuung auf sie zu, die sie stemmen müssen. Für diejenigen, die nur wenig verdienen und im Grenzbereich zwischen leistungsberechtigt und nicht berechtigt liegen, ist es problematisch. Hier ist oft zu Beginn der Berufstätigkeit noch staatliche Unterstützung nötig. Aber die Frauen wissen, dass sich der Weg lohnt. Für sie ist ein verständnisvoller Arbeitgeber immens wichtig. Da sie allein die Verantwortung für die Kinder tragen, kann es passieren, dass sie häufiger ausfallen.

Wie könnte die Situation für Alleinerziehende verbessert werden?

Ein Netzwerk aus Menschen, die in Notsituationen, aber auch im Alltag als Betreuung einspringen können, würde helfen. So etwas gibt es bereits mit den Leihomas oder anderen Ehrenamtlichen. Sie bauen über längere Zeit Kontakt zu den Kindern auf, werden Bezugsperson und können deshalb als Betreuerinnen einspringen. Es gibt nur derzeit noch zu wenige. Ein Netzwerk mit dem Ziel der gegenseitigen Unterstützung ist eines der Ziele von Kiez.

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