Centermanager Werner Gresens hofft, dass die kostenlose Kinderbetreuung mehr Kunden in das Liliencarré lockt.
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Centermanager Werner Gresens hofft, dass die kostenlose Kinderbetreuung mehr Kunden in das Liliencarré lockt.

Liliencarré

Kinderbetreuung im Einkaufszentrum

Um endlich mehr Kunden ins Einkaufszentrum Liliencarré am Hauptbahnhof zu locken, gibt es dort seit August samstags eine kostenlose Kinderbetreuung. Der Konsumtempel wurde 2007 eröffnet und ist seit zwei Jahren insolvent.

Von Gaby Buschlinger

Viel los ist im Einkaufszentrum Liliencarré am Hauptbahnhof nach wie vor nicht. 14 der rund 65 Geschäfte stehen seit Monaten leer. Nun hoffen die verbliebenen Mieter auf die neue Kinderbetreuung. Wie bei Ikea können Eltern in einem umfunktionierten Geschäft im ersten Obergeschoss Zwei- bis Zehnjährige für zwei Stunden kostenlos abgeben und in Ruhe shoppen gehen. Allerdings nur samstags von 10 bis 17 Uhr. Einen Kaufzwang gibt es für die Nutzer des Angebots nicht.

„Es wird sehr gut angenommen“, sagt der inzwischen fünfte Centermanager, Werner Gresens. Seit Mitte August seien drei Betreuerinnen im so genannten Knirpsgarten, und von Samstag zu Samstag habe sich die Zahl der Kinder gesteigert: Zuletzt tummelten sich über 50 in dem 180 Quadratmeter großen Raum – verteilt über die sieben Stunden.

Wenn die Nachfrage so bleibe, werde eventuell auch noch freitags Kinderbetreuung angeboten, sagt Gresens. Finanziert wird die Kinderbetreuung einschließlich der Betreuerinnen und Equipment wie Kicker, Hüpfburg und Bastelecke von den verbliebenen Mietern im Liliencarré. Die Geschäftsleute hoffen, dass diese Offerte endlich mehr Kunden anlockt.

Denn die kostenlose Kinderbetreuung ist ein „Alleinstellungsmerkmal“, wie Gresens sagt. Und tatsächlich: Nirgendwo sonst in der Stadt gibt es eine Abgabemöglichkeit für den Nachwuchs. Höchstens stehen in einigen Läden Fernseher, ein Spieltisch mit Legosteinen oder eine Mini-Rutsche bereit. All das gibt Eltern aber immer noch nicht die Möglichkeit, in Ruhe auch noch die siebte Bluse anzuprobieren oder die technischen Daten sämtlicher Flachbildschirmgeräte zu vergleichen.

Die Idee der kostenlosen Kinderbetreuung nach Ikea-Vorbild hatte der neue Betreiber des Liliencarrés, die Acrest Property Group mit Hauptsitz in Berlin.

Das erst 2007 eröffnete Einkaufszentrum musste vor knapp zwei Jahren Insolvenz anmelden, aber da sich bislang kein Käufer fand, setzen der Insolvenzverwalter und die Barclays Bank als Hauptgläubigerin ein neues Management ein. Dieses soll die Immobile besser vermieten und vermarkten.
Die von Acrest-Geschäftsführer Stefan Zimmermann angekündigte Senkung der Parkgebühren auf 60 Cent die Stunde ist allerdings vom Tisch. Es bleibt bei einem Euro. „Wir haben mit maximal vier Euro am Tag ohnehin die niedrigsten Parkgebühren in der Stadt“, sagt Gresens. Dafür sei die Kinderbetreuung kostenlos und unabhängig von Einkäufen im Center.

Eine Belebung sei nur nach und nach und in kleinen Schritten zu erreichen, sagt der neue Centermanager, der zuletzt in Baden-Baden „ein Einkaufszentrum mit ähnlichen Schwierigkeiten“ wieder flott bekommen hat. Dem Liliencarré fehle es an einer „eindeutigen Positionierung“, sagt Gresens. Niemand wisse, wofür das Liliencarré stehe. „Nun steht es erst mal für Familienfreundlichkeit.“

Auch mit Aktionen wie Schlangenausstellungen, Autogrammstunden von DSDS-Teilnehmern oder Auftritten von KiKa-Stars will Gresens für mehr Betrieb sorgen. Das junge Publikum gehe zwar nicht unbedingt auch einkaufen, aber deren Begleitungen, so das Kalkül. Von der geplanten Gastronomielandschaft mit verschiedenen Anbietern, aber gemeinsamen Sitzbereich im ersten Stock, wo vor Monaten schon das Eiscafé dicht gemacht hat, ist noch nichts zu sehen. Gresens sagt nur: „Wir sind guter Dinge, aber es ist noch nichts spruchreif.“
Über die tägliche Kundenfrequenz gibt Gresens wie schon seine Vorgänger nicht viel preis. „Wir haben noch Luft nach oben“, lächelt er nur.

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