Wiesbaden

Kinder- und Jugendtelefon in Wiesbaden besonder gefragt

  • vonDiana Unkart
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Die Ehrenamtlichen beim Kinder- und Jugendtelefon verzeichnen mehr Anrufe und eine längere Beratungsdauer. Falls die Schulen wieder schließen, dürfte die Nachfrage weiter steigen.

Wenn sich die Corona-Krise weiter verschärft und möglicherweise Schulen geschlossen werden müssen, dann wird das Kinder- und Jugendtelefon (KJT) Wiesbaden seine Beratungszeiten wieder ausweiten. „Unsere ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater würden auf jeden Fall mitmachen“, sagt Koordinatorin Svenja Probst.

Rund 6000 Anrufe gehen in Wiesbaden pro Jahr ein. Die Kinder und Jugendlichen, die sich melden, rufen aus dem gesamten Bundesgebiet an. Das KJT, selbst ein gemeinnütziger Verein, arbeitet unter dem Dachverband des Vereins „Nummer gegen Kummer“.

Mit der Corona-Pandemie stieg die Zahl der Anrufe und der Gespräche, sagt Svenja Probst; sie dauerten auch häufig länger. „Die Kinder und Jugendlichen haben einen höheren Redebedarf.“ Ihnen fehlten Kontakte und Möglichkeiten des Austauschs. Die Isolation während des Lockdowns habe auf sie bedrückend gewirkt. Wer sich beim Kinder- und Jugendtelefon melde, sei häufig schon mit anderen Problemen konfrontiert, die die Corona-Krise teilweise noch verstärkt habe, sagt Vereinsvorsitzender Achim Königstein.

Angst, die Krankheit zu bekommen, hätten die Mädchen und Jungen kaum. Sie sorgten sich, weil die Eltern ihren Job verloren haben oder der Jobverlust droht, sie litten unter Stress zu Hause, bisweilen unter Gewalt, hätten nach der langen Phase, in denen es keinen oder nur kurzen Präsenzunterricht gegeben habe, Angst, in der Schule zu versagen. Andere Schulthemen wie etwa Mobbing seien in den Hintergrund gerückt.

Keine Motivation mehr

Erstaunt sei sie darüber gewesen, erzählt Svenja Probst, dass das Thema fehlende Motivation häufiger angesprochen worden sei. Die Schüler:innen hätten sich nicht mehr aufraffen können, Unterrichtsstoff oder Hausaufgaben zu erledigen. „Das hat sie runtergezogen.“ Wer sich beim Kinder- und Jugendtelefon meldet, ist im Durchschnitt 13 bis 18 Jahre alt. Vereinzelt suchten auch schon Acht- bis Zwölfjährige Rat und Hilfe.

Die 30 Berater:innen, darunter auch Jugendliche, hören zu und versuchen, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Anfang April wurde die Beratungszeit auf den Vormittag ausgeweitet. Seit Ende der Sommerferien sind die ehrenamtlichen Kräfte wieder montags bis samstags zwischen 14 und 20 Uhr zu erreichen.

Das Kinder- und Jugendtelefon Wiesbaden gehört zu den wenigen Angeboten in Deutschland, bei denen Jugendliche auch von anderen Jugendlichen beraten werden können. Die speziellen Sprechstunden gibt es immer samstags.

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