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Kettenbrief „aus dem Tollhaus“

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SPD legt sich bei Standort für Rhein-Main-Hallen fest / Applaus und Skepsis von Opposition

Mit einem Kettenbrief wirbt der ehemalige Stadtentwicklungsdezernent Jörg Jordan (SPD) bei den rund 2000 Mitgliedern seiner Partei nun dafür, dass die neuen Rhein-Main-Hallen nur am bisherigen Standort an der Friedrich-Ebert-Allee gebaut werden dürfen, dabei aber die angrenzenden Herbert-Grünanlagen zu schonen hätten. Darauf hatte sich der Parteitag am Wochenende festgelegt. Bei der repräsentativen Bürgerbefragung gibt es als Alternative noch die von der CDU favorisierte Wilhelmstraße, die die Genossen aus Denkmalschutzgründen nun kategorisch ablehnen.

Diese Festlegung der SPD vor der Bürgerbefragung stößt bei den anderen Parteien im Rathaus überwiegend auf Skepsis, obwohl für sie die von historischen Bauten geprägte Wilhelmstraße ebenfalls nicht in Frage kommt für eine riesige Messehalle.

Die Grünen sprechen angesichts zwar von „endlich einsetzender planungspolitischer Vernunft“ bei den Sozialdemokraten. „Dennoch bleiben genügend Fragezeichen“, so Fraktionsvorsitzende Christiane Hinninger. Denn bei dem Bürgervotum werde nicht unterschieden, ob der Neubau an der Ebert-Allee den unter Denkmalschutz stehenden Park schützen müsse oder nicht. Die CDU werde eine Mehrheit zu diesem Standort als Zustimmung zum Eingriff in den Park interpretieren, befürchtet Hinninger. Denn die Union würde einen Neubau an die alten Hallen ansetzen, damit der Weiterbetrieb während der Bauzeit nicht beeinträchtigt wird. Wenn aber Halle 5 und 10 nicht abgerissen und damit Platz gewonnen wird, dann reicht die neue Halle fast bis an die Wandelhalle der Herbert-Anlagen.

Die FDP wirft der großen Koalition „planloses Herumeiern“ vor. Fraktionschef Michael Schlempp nannte die Situation „vertrackt“, weil die Regierungspartner in der Standortfrage „tief zerstritten“ seien.

Beschluss „zweideutig“

Die Bürgerliste spricht von einem „leichten Tollhauscharakter“. Erst werbe die SPD für die Wilhelmstraße, nun für die Ebert-Allee. Der Parteitagsbeschluss der SPD sei zudem „zweideutig“, so Fraktionsvorsitzender Michael von Poser: Darin heißt es, der Hallenneubau „darf die Herbert-Anlagen so wenig wie möglich beeinträchtigen“, zitiert von Poser. Damit halte sich die SPD „die Tür offen, doch in die Herbert-Anlagen hineinzubauen, falls es nicht anders geht“. Und das sei bekanntlich die Meinung der CDU.

Vor der Wahl habe die SPD noch versprochen, dass die Parkanlage „überhaupt nicht angetastet“ werden dürfe, erinnert von Poser. Außerdem stehe die SPD bereits vor dem nächsten Wortbruch, so von Poser: Wenn das Bürgervotum zugunsten der Rue ausgehe, dann „müsste die SPD wieder umfallen, indem sie die die Entscheidung für die Wilhelmstraße mitträgt, oder umfallen, indem sie doch nicht dem Bürgervotum folgt“. Mit „politischer Vernunft“ habe das nichts mehr zu tun.

Die repräsentative Telefonumfrage von Emnid zur Standortwahl hat am Montag begonnen. In der Mauritiusgalerie können Bürger darüber hinaus freiwillig ihre Meinung abgeben. (byb.)

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