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(K)ein Stadtplan für Flüchtlinge?

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Ob der Plan wirklich gedruckt wird, ist unklar.
Ob der Plan wirklich gedruckt wird, ist unklar. © Armut und Gesundheit

Ein Stadtplan speziell für Flüchtlinge ist fertig. Er könnte als erste Orientierungshilfe dienen. Doch wer übernimmt die Druckkosten? Finden sich Spender? Oder reicht der Plan digital?

Von Irmela Heß

Vor der Sommerpause wurde er im Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Völkerverständigung und Integration vorgestellt: ein spezieller Stadtplan, der Asylbewerbern, die neu in der Stadt sind und kein Deutsch sprechen, ein erstes selbstständiges Zurechtfinden ermöglicht. Im dazu gehörigen Beschluss hieß es damals: „Der Vortrag [...] zum Stadtplan für Flüchtlinge, der in Mainz aufgelegt ist und für Wiesbaden vorbereitet wird, wird zur Kenntnis genommen.“

Doch wann es den Stadtplan in Wiesbaden gibt, steht noch nicht fest. Zwar ist er druckfertig, wie Nele Kleinehanding vom Mainzer Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ betont. Jedoch sei nicht geklärt, wer die Druckkosten übernimmt.

Das weiß auch bei der Stadtverwaltung offensichtlich niemand. „Für Wiesbaden ist kein Faltplan zur Orientierung der Flüchtlinge geplant. Die Orientierung der Flüchtlinge erfolgt hier persönlich und mit Hilfe von Sprachmittlern vor Ort und kleinräumig“, meldet Ibtissam Aouragh-El Harchaoui im Auftrag der Amtsleitung aus dem Amt für Grundsicherung und Flüchtlinge.

Nur digital?

Und die Vorsitzende des Ausschusses für Bürgerbeteiligung, Völkerverständigung und Integration, Michaela Apel, ist der Meinung, der Plan werde als „bürgerschaftliches Engagement“ vom Verein Armut und Gesundheit erstellt, „wobei es die Frage ist, ob wir so etwa überhaupt brauchen, denn wir haben ja nur zwei Sammelunterkünfte, wo die Flüchtlinge betreut werden.“

Wenn überhaupt, so ist laut Apel nur die digitale Version interessant, damit man variabel den jeweiligen Stadtplanausschnitt rund um die Unterkunft einfügen könne. Diese Karte könne man ausdrucken – bei überschaubaren Kosten.

Das Faltblatt „Willkommen in ...“ ist ein Stadtplan, in dem wichtige, für den Alltag relevante Anlaufstellen und Einrichtungen eingetragen sind. Aufgezählt werden Standorte und Adressen von Ämtern, Beratungsstellen, Apotheken, Ärzten oder Supermärkten. Was wo zu finden ist, zeigen Piktogramme, die in elf verschiedenen Sprachen erklärt werden.

Es ist ein Stück Willkommenskultur, das Studierende der Hochschule Rhein-Main unter dem Namen „JustMapIt“ und Gesundheit in Deutschland“ entwickelten. Vorsitzender des Vereins ist der Mediziner und Sozialpädagoge Gerhard Trabert, der im Fachbereich Sozialwesen an der Wiesbadener Hochschule lehrt.

Trabert erinnert sich: „Es war während eines Projekts, das die Studierenden Anfang des Jahres in einer großen Mainzer Flüchtlingsunterkunft durchführten. In Gesprächen mit den Asylbewerbern wurde ihnen klar, dass so etwas fehlt.“

Mit Betroffenen entwickelt

Die Studierenden ergriffen die Initiative und entwickelten zunächst für die Stadt Mainz einen Plan – in Zusammenarbeit mit den Betroffenen. Denn wer weiß besser, welche Informationen und Adressen ihm fehlen, um sich ohne deutsche Sprachkenntnisse in der ihm unbekannten Stadt selbstständig zurecht zu finden, als derjenige, der neu in einer Stadt ist.

Die erste Auflage für den Mainzer Plan (400 Exemplare) hatte der Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ finanziert, an der weiteren Auflage (1000) beteiligte sich die Ärztekammer Rheinland-Pfalz.

Was Trabert besonders gefreut hat: „Nachdem darüber berichtet wurde, zeigten viele Initiativen in anderen Städten Interesse.“ Deshalb stellt der Verein die fertige Maske und das Layout kostenlos zur Verfügung, in das jede Stadt ihren Plan und ihre wichtigen Adressen eintragen lassen kann. Zu bezahlen sind dann lediglich die Kosten für den Druck.

Nele Kleinehanding ist jetzt auf der Suche nach jemandem, der den Wiesbadener Plan bezahlt. Angefragt hat sie auch beim Präsident der Hochschule Rhein-Main, Detlev Reymann. Eine Antwort hat sie bis gestern nicht erhalten. Unklar bleibt also, ob der fertige Stadtplan jemals gedruckt wird.

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