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Kein Sekt mehr für Putin

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Von: Madeleine Reckmann

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Henkell-Freixenet setzt mit der Beflaggung am Donnerstagabend ein Zeichen der Solidarität.
Henkell-Freixenet setzt mit der Beflaggung am Donnerstagabend ein Zeichen der Solidarität. © Michael Schick

Henkell-Freixenet aus Wiesbaden hat das Büro in Kiew geschlossen . Die Lieferungen nach Russland wurden eingestellt. Auch Dyckerhoff setzt seine Zementwerke in der Ukraine außer Betrieb.

Sein Büro in Kiew hat der Sekthersteller Henkell-Freixenet aus Wiesbaden schon vor Beginn der Kriegshandlungen in der Ukraine geräumt. Die 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Import- und Vertriebsgesellschaft für die internationalen Marken in der Ukraine befänden sich bei ihren Familien, teilt Unternehmenssprecher Jan Rock auf Nachfrage mit. „Die Arbeit steht jetzt nicht im Fokus, sondern wie es den Menschen geht“, sagt Rock. Das Bürohochhaus, in dem sich Geschäftsräume befinden, stehe noch.

Ende Februar habe die Holding Henkell-Freixenet ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in der Ukraine zwei Monatsgehälter ausgezahlt, damit sie handlungsfähig seien. Sie seien mit direkten Kontakten zu Kolleg:innen der Henkell-Freixenet-Unternehmen in den Nachbarländern wie Rumänien, Polen, Tschechien und Ungarn ausgestattet worden, so dass die Kolleg:innen täglich telefonieren und sich unterstützen könnten.

Viele der Mitarbeiter:innen hätten sich aufs Land begeben, einige ins Ausland, andere verharrten in Kiew, berichtet Rock. „Es geht allen den Umständen entsprechend gut.“

Mit Beginn der russischen Kampfhandlungen in der Ukraine habe Henkell-Freixenet sein Geschäft mit Russland und Belarus eingestellt. In diesen Ländern hatte die international aufgestellte Holding keine Büros oder Tochterunternehmen. Nun würden weder Sekt noch Spirituosen in diese Länder geliefert. „Der russische Markt wäre ein wichtiger Zukunftsmarkt für Schaumweine gewesen“, sagt Rock.

Das Unternehmen hat auch einen Hilfsfond eingerichtet, aus dem sich die an die Ukraine angrenzenden Henkell-Freixenet-Unternehmen bedienen könnten, um humanitäre Hilfen zu bezahlen.

Zudem versucht der Sekthersteller, Solidarität zu zeigen, wo es geht. Auf der Homepage ist die blau-gelbe Flagge der Ukraine zu sehen. Vor dem Wiesbadener Stammhaus weht die ukrainische Flagge neben der deutschen und der Fahne der Europäischen Union; das Dach wird nachts mit den Farben blau und gelb angestrahlt. Rock sagt: „Wir stehen in Kontakt mit allen und versuchen so, pragmatisch zu helfen.“

Derweil hat das Wiesbadener Beton- und Zement-Unternehmen Dyckerhoff, das Werke in sieben Ländern betreibt, seine beiden Zementwerke in der Ukraine vorerst außer Betrieb genommen. Wie die Unternehmensgruppe Buzzi Unicem mit Sitz in Italien mitteilt, zu der Dyckerhoff gehört, liegt eines in Rivne im Nordwesten und ein anderes in Nikolayev im Südosten an der Schwarzmeerküste. 2020 waren nach eigenen Angaben 1280 Mitarbeiter:innen bei Dyckerhoff Ukraina beschäftigt, insgesamt wurden drei Millionen Tonnen Zement hergestellt.

Um die Sicherheit der Beschäftigten und ihrer Familien zu gewährleisten, sei ein Notfallplan aufgestellt worden. Das Dyckerhoff Management stehe in ständigem Austausch mit dem jeweiligen Management in der Ukraine.

Die beiden Zementwerke in Russland arbeiten indes weiter. In den beiden Werken, die laut Buzzi Unicem östlich des Uralgebirges liegen, sind 1387 Personen tätig. Sie produzieren zusammen 4,3 Millionen Tonnen Zement.

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