Öde Baustelle statt belebter Zeltplatz.
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Öde Baustelle statt belebter Zeltplatz.

Folklore-Festival am Schlachthof

Kein Platz zum Zelten

  • Ute Fiedler
    vonUte Fiedler
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Besucher des Folklore-Festivals am Schlachthof müssen sich andere Unterkünfte suchen. In diesem Jahr dürfen sie auf dem Schlachthof-Gelände nicht zelten.

Besucher des Folklore-Festivals am Schlachthof müssen sich andere Unterkünfte suchen. In diesem Jahr dürfen sie auf dem Schlachthof-Gelände nicht zelten.

Alexandra ist enttäuscht. Im Internet-Forum Facebook äußert sie sich missmutig darüber, dass in diesem Jahr beim Folklore-Festival am Schlachthof nicht gezeltet werden könne. „Das ist bitter“, schreibt sie. „Blöd“, kommentiert Fabian. Und Li Sa scheint geradezu verzweifelt: „Was nu?“

Nun gibt es das weit über die Grenzen der Landeshauptstadt beliebte Festival vom 24. bis 26. August mit Jupiter Jones, Casper, Bonaparte und Co. eben ohne Zeltstadt, was die Organisatoren jedoch nicht weniger traurig stimmt als die Besucher. Schließlich haben durchschnittlich 800 Gäste das Zelt-Angebot genutzt. „Das ist schon eine blöde Situation, aber wir können es leider nicht ändern“, sagt Simon Sajusch vom Folklore-Organisationsteam.

Er weist auf die Baustelle von HessenChemie hin. Der Arbeitgeberverband will unweit vom Schlachthof im Juni 2013 in einen Neubau mit 4050 Quadratmetern Nutzungsfläche auf das Areal an der Murnaustraße ziehen. Doch durch die Bauarbeiten wird auch eine zweite Fläche beansprucht, die, auf der üblicherweise seit einigen Jahren während des Festivals stets gezeltet wurde. Dort stehen nun Baucontainer und Arbeitsgeräte.

Über Ausweichmöglichkeiten haben die Organisatoren im Vorfeld sehr wohl nachgedacht, sind dabei aber auf keinen grünen Zweig gekommen. „Wir hatten mal an die Reisinger-Anlagen gedacht. Das ist die einzige attraktive Fläche in der Nähe des Schlachthofs, auf der so etwas möglich wäre“, sagt Sajusch. Doch an der Umsetzung hapere es. Notwendig wäre eine Security, das Gelände müsste zudem eingezäunt werden – alles in allem zu viel Aufwand.

So müssen die Festival-Besucher in diesem Jahr bei Freunden unterschlüpfen und ihre Unterkünfte selbst suchen. Richtige Tipps haben die Organisatoren nicht auf Lager. „Wir werden auch immer wieder angefragt, aber es gibt in Wiesbaden kaum Unterkünfte, die preiswert und in der Nähe sind.“

Dass nicht gezeltet werden könne, bemäkelt auch Gerhard Schulz, der seit 20 Jahren in der Folklore-Crew aktiv ist. Für ihn zählen vor allem ökologische Argumente: „Das ist ein regionales Fest.

Es ist nicht besonders umweltfreundlich, wenn die Besucher abends wieder mit dem Auto heim- und am nächsten Tag wieder herfahren müssen. Schade, zelten gehört einfach zu einem Festival dazu.“

Seit wann beim Folklore-Festival traditionell gezeltet wird, weiß Schulz nicht genau. „Aber auf jeden Fall schon eine lange Zeit“, sagt er. Das Fest, das ursprünglich unter dem Namen „Folklore im Garten“ in den Reisinger Anlagen als Familienmusikfest veranstaltet wurde, gibt es seit 1977. Einige Jahre später wurde es in den Schlosspark von Schloss Freudenberg und schließlich 2007 an den Schlachthof verlegt. Dessen Mitarbeitern wurde auch die Organisation übergeben. Bis dahin lag sie in den Händen der Stadt.

Rund 20.000 Besucher kommen in jedem Jahr aus diesem Anlass nach Wiesbaden. Denn auf den Bühnen stehen keine No Names. Aufgetreten sind in den vergangenen Jahren unter anderem Culcha Candela, Sportfreunde Stiller, Fettes Brot, Tocotronic und Wir sind Helden. „In diesem Jahr haben wir an den beiden Hauptfestivaltagen zwei gleichwertige Bands: Am Freitag spielen unter anderem Kraftklub und Jupiter Jones, am Samstag Casper und Bonaparte.“

Ob im kommenden Jahr wieder Zelte auf dem einst angestammten Platz aufgebaut werden können, ist fraglich. „Das steht bislang noch nicht fest“, sagt Sajusch. Aber falls das nicht klappe, werde nach einer anderen Lösung gesucht, verspricht er. Und Gerhard Schulz pflichtet bei: „Es muss einfach eine Lösung geben.“ Für Alexandra, Li Sa und Fabian und wie sie alle sonst noch heißen.

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