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Kein Job-Ticket mehr

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Ohne Job-Ticket könnte es im Parkhaus der HSK eng werden.
Ohne Job-Ticket könnte es im Parkhaus der HSK eng werden. © Martin Weis

Die Rhön Klinikum AG streicht den Zuschuss für die Beschäftigten der Horst-Schmidt-Kliniken. Das betrifft etwa 670 Mitarbeiter, die das günstige Job-Ticket bisher genutzt haben. Der Betriebsrat sieht eine drohende Parkplatznot.

Von Gaby Buschlinger

Der Sparkurs an den Horst-Schmidt-Kliniken geht weiter. Nachdem der neue Anteilseigner, die Rhön Klinikum AG, mit erhöhten Abfindungen bis Weihnachten den Personalabbau forcieren wollte, wird ab dem kommenden Jahr das Job-Ticket gestrichen.

Diese Entscheidung hatte die von dem börsennotierten Gesundheitskonzern gestellte Geschäftsführung bereits in den ersten vier Wochen nach ihrem Dienstantritt im vergangenen April gefällt, sagte deren Sprecher André Eydt. Gründe nannte er auf FR-Nachfrage nicht. Eydt verwies lediglich auf seine erste Mitarbeiterinformation vom Mai. Darin teilte er mit, dass nach dem Auslaufen des Sanierungstarifvertrags das Jobticket nicht länger gewährt werden könne.

Ersparnis von 300.000 Euro

Nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Michael Drott hat die HSK seit 2010 die Jahreskarten für ihre Beschäftigten mit rund 300.000 Euro subventioniert. Etwa 670 der 3000 Beschäftigten haben das Angebot genutzt und mussten für die Jahreskarte von Eswe-Verkehr, die in Wiesbaden und Mainz gültig ist, nur 24,65 statt 60,33 Euro im Monat zahlen.

Die Vergünstigung war ein Ergebnis von tariflichen Nachverhandlungen. Zugesichert war die Subvention bis Ende 2011. Die frühere Geschäftsführung hatte sie um ein weiteres Jahr verlängert, Rhön tut dies nicht mehr.

Den bisherigen HSK-Firmen-Card-Inhabern hat Eswe-Verkehr nun ein Sonderangebot gemacht: Im kommenden Jahr erhalten sie einen Rabatt von 72,40 Euro für die Jahreskarte, bestätigte Eswe-Sprecher Holger Elze. Damit bezahlen die HSKler aber immer noch mehr als Doppelte, nämlich 54,30 Euro im Monat.

Betriebsratschef Drott bedauerte, dass die neue Geschäftsführung das Jobticket nicht verlängert habe. „Das ist kontraproduktiv für die Bindung, Akquise und Motivation von Mitarbeitern sowie für die Umweltentlastung“, so Drott. Kompromissvorschläge wie eine Erhöhung des Mitarbeiter-Anteils habe die neue Geschäftsführung abgeschmettert. Und Fragen, wie die drohende Parkplatznot bewältigt werden könne, ließ die HSK-Geschäftsführung unbeantwortet. Besuchern stehen rund 800 Plätze zur Verfügung, den Mitarbeitern im Parkhaus aber nur 540.

"Soziale Verantwortung"

Bodo Kaffenberger vom „Bündnis „Gemeingut in Bürgerinnenhand – für eine kommunale HSK“ ist entsetzt. Einerseits wegen der erhöhten Fahrtkosten, andererseits wegen der zu erwartenden Zunahme des Autoverkehrs – und das kurz vor der Einführung der Umweltzone. Bürgermeister, Klinikdezernent und HSK-Aufsichtsratsvorsitzender Arno Goßmann (SPD) hätte eingreifen müssen. Schließlich halte die Stadt mit 51 Prozent der Anteile die Mehrheit an der Klinik. Kaffenberger wirft der Rathausspitze vor, „sich aus ihrer sozialen Verantwortung für die Mitarbeiter der HSK zu stehlen“.

Goßmann räumt ein, dass das Auslaufen des HSK-Jobtickets „umweltpolitisch bedauerlich ist“. Aber die wirtschaftliche Lage der mit mehr als 100 Millionen Euro verschuldeten Klinik, die kurz vor der Insolvenz gestanden habe, sei nun mal „sehr schwierig“. „Da muss jeder Cent umgedreht werden.“ Laut Eydt betrug der Umsatz der HSK im vergangenen Jahr 200 Millionen Euro. Das operative Defizit bezifferte er auf 30 Millionen Euro.

Goßmann wies darauf hin, dass Rhön in den Vertragsverhandlungen bis Ende 2015 einen Kündigungsschutz samt Sozialfonds für Abfindungen und Fortbildungen vereinbart habe. Insgesamt aber hätten die Geschäftsführung und der Betriebsrat über das Job-Ticket zu verhandeln.

Wann der von der Stadt bestellte dritte Geschäftsführer Lutz Hammerschlag kommt, ist laut Goßmann noch unklar. „Da laufen noch die Vertragsverhandlungen.“

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