Wiesbaden Stadtjugendring

Kein Geld mehr für Integration

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Mehr als drei Jahre lang hat das Land Hessen die Kooperationsarbeit mit Migrantenvereinen des Stadtjugendrings (SJR) Wiesbaden unterstützt. Damit ist nun Schluss.

Es war ein großer Schritt in Richtung interkultureller Öffnung. Mehr als drei Jahre lang hat das Land Hessen die Kooperationsarbeit mit Migrantenvereinen des Stadtjugendrings (SJR) Wiesbaden mit insgesamt 25 000 Euro unterstützt. Jetzt ist die Förderung ausgelaufen. Der SJR, ein Netzwerk aus Jugendverbänden und -initiativen, kündigt nun an, dass er grundlegende Projekte besonders im Bereich der Integration nicht mehr weiterführen könne.

„Wir müssen jetzt mit gewaltigen Rückschritten rechnen“, bedauert der Vize-Vorsitzende des SJR, Hendrik Harteman. Die Förderung sei ein „Quantensprung“ zur Öffnung gegenüber Jugendlichen mit Migrationshintergrund gewesen.

Das Land Hessen hat von 2012 bis Dezember 2014 im Rahmen des Programms „Stärkung der Partizipation und Teilhabe von Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ (PTJM) landesweit 18 verschiedene Initiativen gefördert, die sich des Themas angenommen hatten. Mit dem Projekt „interkulturelle Öffnung“ bewarb sich der Stadtjugendring Wiesbaden und bekam die Unterstützung zugesagt.

47 neue Jugendleiter könnten mit dem zusätzlichen Geld ausbildet werden. 40 davon kamen direkt aus Migrantenjugendorganisationen (MJO). „Die dafür nötige intensive Begleitung kann jetzt nicht mehr fortgeführt werden“, erklärt Michael Weinand, der im SJR für das Fundraising zuständig ist. Das sei nur gegangen, weil man die Stelle des Netzwerk-Referenten mit der Förderung um fünf Stunden pro Woche habe ausweiten können.

Ein Erfolgsprojekt

Für die interkulturelle Kooperation mit MJO brauche man „zeitintensive Begleitungsprozesse“, sagt auch Hendrik Hartemann. Damit sei nun Schluss. „Jetzt stehen diese Beziehungen auf dem Spiel.“

Dabei war die vertiefte Integrationsarbeit des SJR ein Erfolgsprojekt. Das könne man unter anderem daran sehen, dass der islamische Bildungs- und Kulturverein inzwischen einen Mitgliedsantrag beim SJR gestellt habe, berichtet der Vize-Vorsitzende. Auch andere Projekte wie die Mehrsprachigkeit der Homepage des Stadtjugendrings ab Januar, konnten durch die Förderung umgesetzt werden. Fundraising, Sponsoring und die Akquise bei Ortsbeiräten würden zudem deutlich leichter fallen, wenn man schon Eigenmittel vorweisen könne, sagt Michael Weinand. Den Vorteil habe man nun nicht mehr. „Jetzt ist Klinkenputzen angesagt.“

Das PTJM war Bestandteil der Förderung der außerschulischen Jugendbildung, für die das Land jedes Jahr 6,3 Millionen Euro aufgewendet. Hieraus werden verschiedene Aktionsprogramme mit unterschiedlichen Schwerpunkten finanziert. Dabei stand zunächst die Partizipation an sich, später interkulturelle Bildung und Schularbeit im Fokus, zuletzt nun die Integration. Auch in Zukunft stünden die Mittel laut des Hessischen Ministeriums für Integration und Soziales zur Verfügung. Der Schwerpunkt für das nächste Programm werde derzeit noch erarbeitet.

Der Stadtjugendring will sich nun erst mal bei der Stadt Wiesbaden für neue Unterstützung bewerben. „Alle sprechen immer über Integration. Wir haben es einfach gemacht und würden das auch gerne weiter tun“, sagt Weinand.

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