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Kein Geld mehr für Folklore

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Von: Arne Löffel

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Der städtische Zuschuss für das Folklore-Festival am Schlachthof soll gestrichen werden. Protest kommt unter anderen von der Jungen Union, die den Erhalt der Veranstaltung fordert.

Die Fraktionsspitzen von CDU und SPD haben sich vergangene Woche schwer damit getan, klare Aussagen darüber zu treffen, woran tatsächlich im kommunalen Haushalt gespart werden soll. SPD-Fraktionschef Christoph Manjura wurde an einer Stelle konkret: Der Zuschuss für das Folklore-Festival am Schlachthof ist nach dem derzeitigen Stand der Dinge nicht mehr im Haushaltsplan 2016/17 enthalten. Heute beginnen die finalen Verhandlungen im Rathaus.

Bis dato erhielt die sich nun in der Insolvenz befindende Festival-Firma „Volkswirtschaft UG“ jedes Jahr 120 000 Euro aus dem Sozialetat, um das Festival auf die Beine zu stellen. Dass die Große Koalition nun den Geldhahn zudreht, ist ein besonders schwerer Schlag für die Festival-Macher, weil das Festival in diesem Sommer sehr schwach besucht war. Auch ohne den Wegfall des alljährlichen städtischen Zuschusses fehlen der Volkswirtschaft UG in ihrer Bilanz 115 000 Euro.

Auf Nachfrage will sich Carsten Schack, Geschäftsführer der Volkswirtschaft UG, nicht öffentlich zur Finanzlage der Firma äußern. Ein Statement sei in Arbeit, heißt es aus dem Schlachthof-Büro. Dem Vernehmen nach ist es unwahrscheinlich, dass das Festival im bisherigen Umfang fortgeführt werden kann.

Die Zuschuss-Kürzungen waren auch unlängst Thema im Ortsbeirat Südost, der nicht öffentlich über die Zukunft des Festivals debattierte. Kontrovers soll die Debatte gewesen sein, von der offiziell nur das Ergebnis bekannt ist: Die Stadt soll auf Antrag der Grünen dafür sorgen, dass das Festival erhalten wird.

Ein Armutszeugnis

Schützenhilfe bekommen die Grünen ausgerechnet von der Jungen Union (JU) Wiesbaden, die sich in einer Pressemitteilung ebenfalls für den Erhalt des Festivals ausspricht, aber auch mit Kritik an den handelnden Personen nicht spart: „Das Ende von Folklore ist ein Armutszeugnis“, meint der JU-Kreisvorsitzende Manuel Denzer. „Das Festival wurde vom Veranstalter gegen die Wand gefahren“, pflichtet ihm der stellvertretende Kreisvorsitzende Tim Hoff bei.

Trotz der klaren Schuldzuweisung will die JU Folklore nicht preisgeben. Die Leidtragenden sind aus Sicht der JU die Wiesbadener Jugendlichen, für die es kein vergleichbares oder alternatives Angebot gebe.

Die JU zeigt Unverständnis für die Absage der Fraktionsspitzen von CDU und SPD an das Festival. Schließlich seien die drohenden Kürzungen kurz vor den entscheidenden Haushaltsberatungen noch abgemildert worden. „Der Sozialbereich hat kürzlich zusätzlich zwölf Millionen Euro erhalten, daraufhin wurden nahezu alle angekündigten Kürzungen zurückgenommen, außer bei Folklore“, berichtet Denzer und äußert scharfe Kritik an Sozialdezernent Arno Goßmann (SPD).

Er wirft Goßmann „Politik zu Lasten der Jugendlichen“ und die Aufgabe des „Solidaritätsprinzips“ vor. Mit der Streichung des Zuschusses an die Volkswirtschaft UG sei der Beweis erbracht, dass im Sozialdezernat kein Interesse mehr an Folklore besteht.

Die Junge Union will sich für ein großes Festival in Wiesbaden einsetzen, das sich hauptsächlich an Jugendliche richtet. Allerdings scheint für die – nach eigenen Angaben – „größte politische Jugendorganisation in Wiesbaden“ ein solches Festival nicht zwingend mit dem Schlachthof-Team verbunden zu sein. „Wir fordern, dass die Stadt nach wie vor mit einem Teil des ursprünglichen Zuschusses ein Jugendkulturfestival unterstützt, nur dieses Mal mit professionellen Veranstaltern“, betonen Denzer und Hoff.

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