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Kein Geld für den Weg zum Gymnasium

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Immer mehr Kinder in Deutschland leben in Armut - auch in Wiesbaden. Caritas-Direktorin Barbara Handke setzt auf Hilfen vor Ort.

Armut isoliert und vererbt sich oft. Wer jeden Cent dreimal umdrehen und mit dem Regelsatz von 246 Euro für ein Kind klarkommen müsse, der könne sein Kind eben nicht zum Musikunterricht oder in den Fußballverein schicken, wegen der teuren Instrumente oder Stollenschuhe, sagt Caritas-Direktorin Barbara Handke. Selbst die 30 oder 40 Euro im Monat für das Mittagessen in der Kita oder in der Schule könnten sich Hartz-IV-Bezieher kaum abzwacken, geschweige denn hätten sie Geld für Kino, Theater oder Urlaub übrig.

Allein in Wiesbaden sind laut Armutsbericht der Stadt über 10000 Kinder und Jugendliche von Armut betroffen, in den Stadtteilen Schelmengraben und Inneres Westend jedes zweite Kind. Handke weiß von Schülern, "die gehen nur deswegen nicht aufs Gymnasium, weil sie sich die Monatskarte für den Bus nicht leisten können". Das Sozialamt übernimmt die Kosten erst ab vier Kilometern Entfernung. Pech, wer 100 Meter näher dran wohnt.

Das Bistum Limburg hat Anfang des Jahres eine Kampagne zur Bekämpfung der Kinderarmut gestartet und am Donnerstagabend berieten Experten im Roncallihaus über das Wie. "Familien stärken" lautete das Credo. Denn nur wenn Eltern ein Auge auf ihre Kinder hätten und deren Bedürfnisse nicht ignorierten, würde dies deren Selbstvertrauen aufbauen. Dies wiederum sei der Schlüssel zur Förderung und Bildung - und der Ausweg aus der Armut, sagt Handke.

Entsprechend bieten Caritas und andere Institutionen zahlreiche Kurse und Anlaufstellen für Eltern in prekären Lebenslagen an. Zum Beispiel kombinierte Erziehungs- und Kochkurse. "Hier bringen wir den Eltern bei, wie man aus einem Kohlkopf eine leckere, einfache und billige Mahlzeit zubereiten kann", sagt Handke. Nach solchen Kursen lebten Eltern ihren Kindern vor, dass man sich nicht nur von Chips und Pommes ernähren muss, sondern Essen schnippeln und kochen Spaß machen kann.

Aber verfestigen die Kirchen und sonstigen Institutionen mit ihren Hilfe wie Tafeln oder kostenlosen Ferienfreizeiten nicht die Armut in Deutschland, weil derlei Hilfen den Handlungsdruck auf die Politiker schmälern? Handke nickt, sagt aber: "Wir müssen uns drum kümmern, wir können nicht auf die Politik warten!"

Forderungen an die Politik

Das Sparprogramm der Bundesregierung sei "ein Hammer", weil es die Armen noch ärmer mache. Auch wenn die Kirchen anderer Meinung sind - Kinderarmut kann nach Handkes Überzeugung vor allem durch Ganztagsschulen für alle Kinder abgebaut werden. Am 25. August wird die Kampagne abgeschlossen, dann sollen die Forderungen an die Politik formuliert werden. (byb)

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