Kein Fahnenmeer im Sommer

  • Christina Franzisket
    vonChristina Franzisket
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Public Viewing zur EM wird dem SV Wehen Wiesbaden zu teuer / Alternativen fehlen

Wiesbaden wird nicht mehr gemeinsam jubeln. Wenn unsere Nationalelf bei der Europameisterschaft in diesem Sommer wieder über die Plätze fegt und sich in unsere Herzen kickt, kann in Wiesbadens Brita-Arena und auch im Kurpark nicht mehr massenhaft gebangt, angefeuert und jubiliert werden. Denn das Public Viewing ist zu teuer.

Bei der WM 2010 bot der SV Wehen Wiesbaden erstmals die Brita-Arena zum großen Fußballgucken an. Allein die Miete der riesigen Leinwand kostete schon 50000 Euro. Weitere Kosten, etwa für Personal, kamen dazu. So viel Geld wolle und könne der SV Wehen nicht ausgeben, sagt Pressesprecher Eckart Gutschmidt. Der Aufwand für dieses Ereignis sei zu groß gewesen. Gutschmidtgibt dem Public Viewing generell keine Zukunft mehr: „Man verdient kein Geld daran – deshalb wird es mehr und mehr zurückgehen.“ Dem SV Wehen Wiesbaden fehle es an Personal und an finanziellen Ressourcen, um so ein großes Event zu stemmen.

Sport-Stadtrat Wolfgang Gores (CDU) ist selbst großer Fußballfan. Ihm blutete das Herz, als er hörte, dass Wehen kein Public Viewing mehr anbieten wolle: „Ich bin selbst schon dort gewesen. In einem solchen Fahnenmeer geht jedem Fußballfan das Herz auf“, sagt Gores. Die Stadt bot dem Verein 40000 Euro zur Unterstützung an: „Trotzdem gab es eine klare Absage“, sagt Gores. Das Angebot der Stadt sei nicht kostendeckend, so Gutschmidt, doch die Arena stehe jedem zur Miete zur Verfügung, der ein Public Viewing veranstalten wolle. „Ein Drittligist hat für so eine aufwendige Geschichte kein Geld“, sagt Gutschmidt.

Die Stadt zog bereits in Erwägung, das Event selbst zu übernehmen und suchte nach anderen möglichen Veranstaltungsorten. Der Kurpark war im Gespräch, doch der Veranstaltungskalender sei zu dicht, um dort mit Massen Fußball zu schauen: „Wenn vor dem Haus ein Konzert gespielt wird, kann hinter dem Haus nicht Fußball laufen“, sagt Henning Wossidlo, Geschäftsführer der Kurhaus Wiesbaden GmbH. Beim ersten Spiel von Deutschland gegen Portugal etwa singt Anna Netrebko vor dem Kurhaus.

Das Dernsche’ Gelände war laut Gores auch eine Option: „Aber wer will denn auf Pflaster und Beton stehen“, fragt er.

Außerdem müsse wegen einer Vielzahl an Bestimmungen das Gelände abgesperrt werden: „Dann sitzt man in einem Käfig aus Zäunen“, sagt Gores.

Die jungen Liberalen aus Wiesbaden scheint das alles nicht abzuschrecken. Sie beklagen in einer Pressemitteilung, dass die Stadt sich nicht besonders für die Belange junger Menschen interessiere und fordern, dass das Event an einem alternativen Ort ausgerichtet wird: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, sagt der Kreisvorsitzende der FDP-Jugendorganisation, Frank-Julian Lube.

Doch glaubt man den Aussagen Gores’, so sieht es schlecht aus für ein Public-Viewing großen Stils in Wiesbaden bei der kommenden EM: „ Es wäre wirklich schön, wenn es geklappt hätte“, sagt er. Bei der Sportausschusssitzung am kommenden Freitag würde das Thema auch noch einmal besprochen. Doch bisher sei keine Ausweichmöglichkeit gefunden worden. Auch das Gelände am Schlachthof eigne sich nicht: „Da ist eine Großbaustelle“, so Gores.

Der Sport-Stadtrat will den Verlust jedoch auch positiv sehen: „Jetzt haben Gastwirte eine Chance“, sagt er und fordert alle Wirte dazu auf, während der EM gemeinsames Fußballgucken zu veranstalten: „Ich habe auch schon vernommen, dass es Menschen gibt, die Großes planen“, sagt Gores.

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