Der Rhein verspricht dieser Tage Abkühlung. Eine „Hitzegrenze“ ist er deshalb noch lange nicht.
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Der Rhein verspricht dieser Tage Abkühlung. Eine „Hitzegrenze“ ist er deshalb noch lange nicht.

Sommer 2012

Kein Alarm in Rheinland-Pfalz

In Wiesbaden wird vor der Hitze gewarnt – in Mainz hingegen bleibt dagegen alles ruhig.

Von Irmela Heß und Sabine Jakob

Die öffentliche Hitzewarnung gilt nur bis an den Rhein: Während das hessische Sozialministerium und einige hessische Städte die höchste Warnstufe ausrufen und damit Spitzenplätze bei den Medienmeldungen erreichen, bleibt es in Rheinland-Pfalz von offizieller Seite ruhig.

Und während das hessische Sozialministerium sein zweistufiges Hitzewarnsystem öffentlich lobt und erklärt, es sei als Reaktion auf den Hitzesommer 2003 in Kooperation mit dem Deutschen Wetterdienst installiert worden, hört man aus Rheinland-Pfalz nichts. Aber beide Länder gehören dem gleichen System an, das vom Deutschen Wetterdienst (DWD) eingerichtet wurde. Bei Hitze werden per E-Mail alle Pflegeeinrichtungen und Ämter gewarnt, die im DWD-Verteiler sind. Sie erhalten damit auch einen Maßnahmenkatalog, wie mit Menschen in Pflegeeinrichtungen bei Hitze umzugehen ist.

Dazu gehören nicht nur Ratschläge wie der, sich bei Mittagshitze nicht im Freien aufzuhalten, sondern auch die Empfehlung an die Pflegekräfte, die umsorgten Personen besonders gut im Blick zu haben – und das nicht nur im Hinblick darauf, wie viel Flüssigkeit sie zu sich nehmen, sondern auch, ob und wie ihnen die Hitze zu schaffen macht.

Diese Hitzewarnungen erfolgen laut Sozialministerium in Rheinland-Pfalz seit 2005 in den Landkreisen im Rahmen eines Newsletter-Angebotes an alle Einrichtungen der stationären Altenhilfe, der Eingliederungshilfe und an die Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz. Das System funktioniere seit Jahren, sagt eine Sprecherin, da brauche man nicht noch einmal eine spezielle Meldung des Ministeriums.

Gewarnt wird in beiden Bundesländern täglich per Mail für den aktuellen Tag und den Folgetag in einem zweistufigen System, wenn die „gefühlte Temperatur“ die Warnschwelle von rund 32 ° C überschreitet. In die Berechnung der gefühlten Temperatur gehen neben der Lufttemperatur auch Parameter wie Windgeschwindigkeit, Sonnenstrahlung und Luftfeuchtigkeit ein.

Gestern wurden in Rheinland-Pfalz für fast alle Landkreise und kreisfreien Städte Hitzewarnungen der Stufe 1 ausgesprochen. Und auch heute steigen die Temperaturen noch mal ordentlich an, am Wochenende soll es dann schon wieder kühler werden. In der zentralen Notaufnahme des Mainzer Vincenz-Krankenhauses werden derweil seit zwei Tagen deutlich mehr Menschen behandelt, die unter Kreislaufbeschwerden und Schwindel leiden oder kollabiert sind. Das bestätigte Oberärztin Heike Hellbauer und rät: viel trinken, leichte Kost, ungewohnte Anstrengungen vermeiden, sich zwischen 12 und 15 Uhr nicht in der prallen Sonne aufhalten.

Mindestens drei Liter Wasser täglich sollten getrunken werden: In den Altenheimen sind die Mitarbeiter auf dem Sprung, um die Senioren mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. „Alte Menschen verspüren keinen Durst“, sagt Marion Becker-Peuser, Leiterin des Seniorenzentrums Jockel Fuchs in Gonsenheim. „Sie bauen dann schnell ab, werden immer schwächer.“

In besonders gravierenden Fällen wird der Leiterin zufolge auch schon mal in Absprache mit dem Hausarzt eine Infusion mit Kochsalzlösung gesetzt. Ansonsten achte das Personal darauf, dass die Zimmer gut gelüftet und die Rollläden bei brütender Hitze geschlossen sind.

Auch im Altenheim in der Altenauergasse trifft die Leitung entsprechende Vorkehrungen. Dazu gehören neben der Flüssigkeitsversorgung laut Gabriele Steinmann mobile Klimageräte und Ventilatoren. „Wir achten außerdem darauf, dass unsere Bewohner leichte Kleidung tragen, nicht unter der Bettdecke schwitzen und sich häufig im Freien aufhalten. Da werden eben viele Veranstaltungen nach draußen verlegt“, erzählt die Leiterin.

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