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Gefahr von zwei Seiten: Das Bild zeigt das Rheinhochwasser 2013 in Schierstein. In den Stadtteilen im Norden können kleine Bäche anschwellen.
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Gefahr von zwei Seiten: Das Bild zeigt das Rheinhochwasser 2013 in Schierstein. In den Stadtteilen im Norden können kleine Bäche anschwellen.

Wiesbaden

Katastrophenschutz: Wo in Wiesbaden zuerst evakuiert werden muss

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Ein Pilotprojekt in Wiesbaden will mit Fließpfadkarten vorhersagen, wohin das Wasser bei Starkregen fließt. Der Hauptbahnhof ist rot eingezeichnet.

In der Innenstadt würde das Wasser zunächst in Richtung Hauptbahnhof fließen, die Gleise entlang und von dort aus sich einen Weg zum Rhein suchen. Sollte es in Wiesbaden zu einem Starkregen kommen, dessen Wassermassen die Abwasserrohre nicht mehr aufnehmen können, ist bekannt, welchen Weg das Wasser nehmen wird. Abzulesen ist das in den Fließpfadkarten, ein Pilotprojekt der Landeshauptstadt.

Nachdem sie für zwei ländliche Kommunen bereits getestet wurden, möchte das Umweltamt nun untersuchen, wie aussagekräftig solche Karten für eine Großstadt sind. Sie sollen helfen, Vorkehrungen gegen Sturzfluten zu treffen. In Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie und der Arbeitsgruppe Starkregen und Sturzfluten am Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen der Hochschule Rhein-Main wurden für den größten Teil des Stadtgebietes Fließpfadkarten auf der Basis digitaler Geländemodelle berechnet. Sie sagen voraus, wo Fluten entstehen und wohin sie fließen.

Der Hauptbahnhof ist dort rot eingezeichnet, ebenso das Rhein-Main-Congresscenter. Das bedeutet, dass das Wasser in weniger als fünf Meter Entfernung an den Gebäuden entlangströmt. Wenn Starkregen vom Himmel fällt, können dort schnell die Keller volllaufen.

Die Fließpfadkarten sind für die Fachleute nur die erste Stufe. „Sie zeigen nicht, wo sich das Wasser staut, wo es Wassertiefen gibt und wir die Gebäude frühzeitig evakuieren müssen und wo die Feuerwehr entlangfahren kann“, sagt Kathrin Hartfiel, beim Wiesbadener Umweltamt zuständig für Schutz und Gewässer. Unterführungen etwa wurden nicht eingearbeitet. Für die Innenstadt seien sie auch nur bedingt aussagekräftig, denn das Wasser suche sich immer den tiefsten Punkt. In den versiegelten Städten ist das immer die Straße. Aber für die Vororte und Randlagen zeigen die Karten durchaus Gefahren auf. Denn sie kennzeichnen auch durch Erosion gefährdete Hänge. Die Anhöhen nördlich von Sonnenberg und vor allem östlich von Rambach haben eine tiefrote Farbe. Dort also könnte der Boden am ehesten abrutschen. Der Rambach, ein friedlich gluckernder Bach, führt durch steiles Gelände. 1999 und 2014 schwoll er zu einem reißenden Gewässer an und überflutete auch Teile der Innenstadt.

Um Risiken besser analysieren zu können, werden auf Basis der Fließpfadkarten nun Karten erstellt, die Senken und tiefe Stellen aufzeigen, wo sich das Wasser sammelt. Sie tragen den sperrigen Namen Starkregengefährdungskarten. Für das Einzugsgebiet des Wäschbachs – die östlichen Stadtteile Kloppenheim, Igstadt, Hessloch, Bierstadt, Erbenheim und Teile von Biebrich – liegen die Karten bereits vor. Ein Ingenieurbüro erstellt bis zum Herbst Vorschläge, die das Wasser bremsen oder besser zurückhalten sollen: Etwa Rückhalteflächen im Wald und auf Wiesen. Das Umweltamt hat nun beantragt, die Starkregengefährdungskarten für das gesamte Stadtgebiet erstellen zu lassen. „Dann wissen wir, wo wir zuerst evakuieren“, sagt Hartfiel, aber diese Vorkehrungen seien „kein Rundum-sorglos-Paket“. Bürger und Bürgerinnen seien verpflichtet, ihre Häuser selbst zu schützen.

In einer jahrhundertelang gewachsenen Stadt wie Wiesbaden sei es schwierig, nachträglich Hochwasserschutz einzubauen, der Katastrophen standhält, seufzt Kathrin Hartfiel. Die Bausünden aus Jahrhunderten könnten nicht einfach rückgängig gemacht werden. In Rambach, Frauenstein und Schierstein etwa stünden Hauswände auf Ufermauern. Was, wenn es dort so stark regnet wie kürzlich im Ahrtal?

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