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Wo jetzt nur ein tiefes Loch zu sehen ist, soll 2020 ein Wohnheim für Studierende stehen.

Wiesbaden

Karree für Kreative in Wiesbaden

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Im Alten Gericht sollen Wohnungen und Gewerbe einziehen. Daneben wird ein Studentenwohnheim gebaut.

Noch klafft die riesige Baugrube auf dem Grundstück Oranienstraße 32a. Im Hintergrund ist die Rückseite des Alten Gerichts zu sehen, die Fassade etwas heruntergekommen und ein Teil der Fenster mit Holzplatten verriegelt. Das Beamtenhaus daneben macht einen maroden Eindruck. Einzig der Neubau der Hochschule Fresenius, der kurz vor der Fertigstellung steht, lässt ahnen, was auf dem Gelände zwischen Gerichts-, Mauritius und Oranienstraße entstehen soll: ein neues Karree für Studierende und junge, kluge und kreative Köpfe. Gestern wurde der Grundstein für das Studentenwohnheim in der Oranienstraße gelegt.

Wenn im Herbst 2020 die ersten Studierenden in die Appartements einziehen, haben sie nicht nur eine Einbauküche und Fernwärme in ihrer Wohnung und Fahrradplätze vor der Haustür. Sie können auch die Mensa der Hochschule Fresenius, die bis dahin den Fachbereich Wirtschaft und Medien sowie Design in den neuen Campus verlagert haben wird, nutzen, selbst wenn sie dort nicht studieren. Sie werden in einem spannenden Umfeld leben, das, so die Hoffnungen der Planer, die Stadt verändern wird.

Zusammen mit dem Alten Gericht, das bis 2021 zum Innovationszentrum für Kreative, Gründer und Engagierte werden soll, würden das Studierendenhaus und die Hochschule ein „Impulsgeber für die Stadt“, sagte Constantin Westphal, Geschäftsführer der Nassauischen Heimstätte (NH) gestern. „Was hier entsteht, ist ein richtig großer Wurf“, verkündete Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD), in zehn Jahren werde das Quartier sich nachhaltig verändert haben.

Die Wohnungsbaugesellschaft, an der das Land Hessen zu 59 Prozent beteiligt ist, hatte das Gesamtareal vor zwei Jahren vom Land erworben. Viele Jahre war darum gestritten worden, was mit dem Bau aus dem Jahr 1897 passieren soll.

Die NH sieht für das historische Gebäude nun einen Mix aus Wohnungen und Gewerbe vor. Die Wiesbadener Architekten Kissler und Effgen realisieren nicht nur auf einem Teilstück das Studierendenhaus, sie sind auch für die Pläne verantwortlich, das denkmalgeschützte Alte Gericht zu sanieren und darin 48 Mietwohnungen sowie eine riesige Gewerbefläche zu schaffen.

Mieter der Gewerbefläche wird der Coworking-Anbieter Heimathafen sein, der auf drei Etagen Arbeitsplätze, ein Café, Ausstellungsräume, eine Mitmachwerkstatt sowie ein Zukunftslabor plant. Eine entsprechende Absichtserklärung über die künftige Zusammenarbeit mit der NH wurde kürzlich unterschrieben.

Das Alte Gericht steht seit 2009 leer, nachdem die Gerichte ins neue Justizzentrum an der Mainzer Straße wechselten. Die Sanierung des denkmalgeschütztes Gebäudes soll behutsam erfolgen. Wie Architekt Roland Effgen auf Anfrage erläuterte, sollen alle öffentlich zugänglichen Bereiche wie die Eingänge und Treppenhäuser sowie die Fassade und die Stuckdecken in den Innenräumen in ihrer ursprünglichen Form erhalten werden. Die Fenster werden ausgebaut, aufgearbeitet und zusätzlich zu modernen Fenstern eingebaut, so dass sie den Charakter der Fassade nicht verändern. „Angestrebt ist der historische Zustand von vor dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Effgen. Der im Krieg zerstörte Ziergiebel werde der ursprünglichen Form nachempfunden.

Die Architektur des Studierendenwohnheims lehne sich in den Grundzügen an die Gründerzeitbauten in der Nachbarschaft an, sagte Effgen. Wie dort werde der Neubau gegliederte Fassaden und vertikale Fensterformate aufweisen. Die Traufhöhe des Alten Gerichts gelte für den gesamten Block. Das Beamtenhaus soll nach einer denkmalgerechten Sanierung sechs bis acht Wohnungen bieten.

Die Tiefgarage unter dem Innenhof stellt 97 Parkplätze bereit, die sowohl für die Mieter des Alten Gerichts, des Beamtenhauses und Studentenwohnheims als auch für Anwohner gedacht sind.

Das neue Quartier in Wiesbaden - Im Überblick

In dem Studierendenwohnheim wird es 109 Apartments von je 25 Quadratmeter Fläche geben. Die Miete soll 390 Euro betragen, inklusive Nebenkosten. Generalmieter ist Rolf Stenzel von „Wohnen für Studis“. Geplante Fertigstellung ist im Herbst 2020. 

In dem alten Gerichtsgebäude sollen auf 3800 Quadratmetern 48 frei finanzierte Mietwohnungen entstehen. Geplant ist auch eine Gewerbefläche von 1800 Quadratmetern, die an den Coworking-Anbieter Heimathafen vermietet werden soll. 

Das gesamte von der Nassauischen Heimstätte erworbene Areal umfasst 5300 Quadratmeter. Die Investitionen betragen etwa 40 Millionen Euro. mre 

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