1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Karl Mays Urlaubsflirt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Abend "Unser Karl May" zum 100. Todestag des Autors.

Bei Karl May fallen einem sofort Winnetou und Old Shatterhand ein. Auch an das „wilde Kurdistan“ mag mancher denken. Mit Wiesbaden aber verbinden den Schriftsteller wohl die wenigsten. Dabei soll es einen – privaten – Bezug geben. „Karl May flirtete einst in Konstantinopel mit meiner Großtante Marie“, behauptet der Künstler Hans Joachim „Jockel“ Kroecker. „Und er besuchte sie später wohl in Wiesbaden.“ Zumindest habe ihm das deren Tochter Elise Enderlein später erzählt.

Kroecker fand bei seinen Recherchen über seine eigene Familie heraus, dass Karl May auf seiner Orientreise im Juni 1900 auch im „Grand Hotel Kroecker“ in Konstantinopel übernachtete, das seiner Urgroßmutter gehörte. Fotos, die Mays spätere Ehefrau Klara aufnahm, zeugen von diesem Aufenthalt im Hotel.

Dort habe der Autor auch Marie Kroecker, die Tochter der Hotelbesitzerin, kennengelernt. Ihr Herz entbrannte aber für einen der Ingenieure der Bagdad-Bahn, die im Hotel logierten. Sein Name war Albert Enderlein, er stammte aus Wiesbaden. Marie Kroecker heiratete ihn und zog mit ihm nach Wiesbaden, wo sie 1927 starb und auf dem Südfriedhof begraben wurde.

Diese Geschichte will Jockel Kroecker auch bei der Veranstaltung „Unser Karl May“ zum Besten geben, mit der die Volkshochschule (VHS) an dessen 100. Todesjahr erinnert. Der Schriftsteller sei einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren, habe jedoch nie viel positive Beachtung in der Literaturwissenschaft gefunden, sagt VHS-Direktor Hartmut Boger. Dabei mochten auch große Kollegen wie Hermann Hesse und Ernst Bloch die Abenteuerromane des sächsischen Schriftstellers.

„Bloch schrieb nie verächtlich über Kolportageliteratur“, sagt Boger. „Für ihn war es etwas Urmenschliches, sich eine bessere Welt vorzustellen.“ Auch sei Karl May im Vergleich zu den zeitgenössischen Autoren sehr gemäßigt, was Nationalismus und Rassismus angehe, stellt Boger klar. „Was wäre unsere Jugend ohne Old Shatterhand, Winnetou, Sam Hawkens, Tante Droll, Kara Ben Nemsi, Trapper Geierschnabel oder all die anderen Charakterfiguren, die unsere Phantasie angeregt, uns zur Identifikation und zum ’Fernträumen’ eingeladen haben?“ Zwei Tage vor Karl Mays Todestag lädt er darum Leser ein, sich gegenseitig die Lieblingsbücher wie auch Lieblingsfiguren und -szenen vorzustellen und zu analysieren, was daran bis heute so faszinierend ist. (miu.)

Die Veranstaltung „Unser Karl May“ ist am Mittwoch, 28. März, von 16 bis 18 Uhr in der Villa Schnitzler, Biebricher Allee 42. Eintritt frei, Anmeldung erforderlich bei der Volkshochschule unter der Telefonnummer 0611/ 9889-0, Informationen auch im Internet unter www.vhs-wiesbaden.de

Auch interessant

Kommentare