1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Junge Räuber verurteilt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Justitia
Justitia © ddp

Sie haben eine Spielothek ausgeraubt und sind in eine Villa im Nerotal eingebrochen. Vier Jugendliche sind deshalb jetzt in Wiesbaden zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Von Gaby Buschlinger

Recht kurzen Prozess machte das Wiesbadener Jugendschöffengericht am Mittwoch mit vier Angeklagten. Die jungen Männer zwischen 19 und 21 Jahren wurden nach dreistündiger Verhandlung wegen schweren gemeinschaftlichen Raubes und bewaffneten Überfalls auf eine Spielothek zu anderthalb Jahren Haft verurteilt. Nur zwei erhielten Bewährung. Ein 19-Jähriger muss wegen einschlägiger Vorstrafen und wegen eines in Mainz anstehenden weiteren Verfahrens sechs Monate in Haft, bevor über eine Bewährung entschieden wird. Ein weiterer 19-Jähriger war ohnehin nur auf Bewährung draußen und muss nun drei Jahre und zwei Monate hinter Gitter.

Der Vorsitzende Richter Jürgen Fehr zeigte wenig Verständnis für die von den Verteidigern vorgebrachten „schweren Lebensläufe“ ihrer Mandaten: Sprachprobleme wegen des Zuzugs nach Deutschlands im Schulkindalter, kein Schulabschluss, abgebrochene Ausbildungen und abgebrochene Qualifizierungsmaßnahmen. „In ihrer geistigen Entwicklung“ stünden alle vier näher bei Unter-18-Jährigen, räumte Fehr ein und begründete damit auch die Anwendung des Jugendrechts. „Aber“, ergänzte der Richter, „hier sitzen keine Kinder, sondern junge Männer, die im sonstigen Leben auch als Erwachsene wahrgenommen werden wollen.“

Dabei seien weder der Überfall noch ein vorheriger Einbruch auch nur halbwegs geplant gewesen, wie Richter Fehr betonte. Zusammen hatten die beiden Mainzer und die beiden Wiesbadener, die sich von Hilfsmaßnahmen auf der Domäne Mechtildshausen kannten, am 18. Januar dieses Jahres erst spontan in eine Villa im Nerotal eingebrochen. Weil sie dort kein Bargeld fanden, hatten sie anschließend, noch mit Messer, Pistole und Sturmmasken ausgerüstet, eine Spielothek in der Moritzstraße überfallen. Die erbeuteten 1500 Euro wollten sie in Frankfurt verjubeln, aber die Polizei machte ihnen auf der Fahrt dorthin einen Strich durch die Rechnung: Die Handschellen klickten auf der Tankstelle an der A 66.

„Alle vier haben sich aus reiner Geldgier und nicht etwa aus Geldnot zu den Straftaten entschieden“, hob der Richter in seiner Urteilsbegründung hervor. Zwar sei ihnen die Idee zu Überfall und Einbruch spontan gekommen, „aber dann waren alle sofort bereit, diese massiven Straftaten zu begehen“. Auch wenn einer beim Überfall nur Schmiere gestanden und ein anderer im Fluchtauto gewartet habe, schmälere das nicht die Schwere der Schuld. Und die Folgen für die Opfer habe keiner von ihnen auch nur erwogen.

Insgesamt lägen bei ihnen „schädliche Neigungen“ und eine hohe kriminelle Energie vor, was ihr Vorstrafenregister zeige – abgesehen von einem der drei 19-Jährigen, der zum ersten Mal vor Gericht stand. Angesichts einer der Kumpanen rang selbst der gestandene Jugendrichter nach Worten: „Ein so krasses Bewährungsversagen habe ich schon lange nicht mehr erlebt – man braucht Sie nur kurz anzurufen und schon kommen Sie runter und machen bei einer Straftat mit.“

Alle vier Verurteilten müssen sich nun um eine Ausbildung kümmern. Derzeit arbeiten sie entweder als Ein-Euro-Jobber auf der Domäne oder als Spülhelfer in einer Klinikküche.

Auch interessant

Kommentare