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Josefs-Hospital wird abgerissen

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Krankenhaus errichtet zwei neue Gebäude im laufenden Betrieb.

Von Bernd Schmid

Die Krankenhausbetreiber in Wiesbaden rüsten sich mit Neubauten für den künftigen Wettbewerb im Gesundheitswesen. Nachdem die Rhön-Klinikum AG angekündigt hat, die Dr. Horst-Schmidt-Kliniken und die Deutsche Klinik für Diagnostik (DKD) in neuen Gebäuden weiterbetreiben zu wollen, plant auch das St. Josefs Hospital (JoHo) einen baulichen Neuanfang. Bis 2020 sollen auf dem bestehenden Gelände zwei neue Klinikgebäude entstehen.

Hinter dem umständlichen Titel „Generalsanierung und Neustrukturierung des Gesundheitscampus JoHo“ verbirgt sich der Neubau der gesamten Klinikgebäude im laufenden Betrieb. Der Baubeginn ist laut JoHo-Geschäftsführer Martin Bosch für 2014 geplant. Bis 2020 sollen zwei große Baukomplexe entstehen. Rund 130 Millionen Euro sind dafür veranschlagt, wovon das katholische Krankenhaus rund 80 Millionen Euro aus Rücklagen aufbringen will. Woher die fehlenden 50 Millionen kommen, ist zurzeit unklar.

Eigentlich sollte sich das Land mit diesem Betrag an dem Projekt beteiligen. „Da war es natürlich eine bittere Pille, als das Land Anfang 2012 bekanntgab, dass die bisherige Mitfinanzierung ab dem Jahr 2013 entfällt. Künftig sollen Kliniken nicht mehr alle Jahrzehnte eine größere Fördersumme bekommen, sondern jährlich einen deutlich geringeren Pauschalförderbetrag, der sich am Patientenaufkommen orientiert“, sagte Bosch bei einem Pressegespräch. Ob der ab 2014 auch wirklich fließe und wie hoch die jährliche Fördersumme sei, könne er nicht sagen. Angesichts der Dimension des Neubauprojekts bedeute dies „natürlich einen großen Verlust an Planungssicherheit“. Das sieht auch der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Stadtdekan Wolfgang Rösch, so: „Wir bewegen uns derzeit im planerischen Niemandsland.“

Gleichwohl will das traditionsreiche, katholische Krankenhaus, das 1876 vom Orden der Armen Dienstmägde Jesu Christi (Dernbacher Schwestern) gegründet wurde und noch heute in ihrem Besitz ist, am Projekt festhalten. Bereits in diesem Jahr sollen laut Bosch vorbereitende Bauprojekte wie die Erweiterung der Tiefgarage am Langenbeckplatz und die Errichtung eines Interims-Operationstrakts realisiert werden. Die Anwohner, der Ortsbeirat und die Gesundheitspartner am Standort – wie die medicum-Ärzte – seien eng in den Prozess eingebunden und würden regelmäßig informiert.

Ab 2014 solle eine konkrete Entwurfs- und Genehmigungsplanung umgesetzt werden. Finanziell übernehmen wolle man sich aber auf keinen Fall, stellte Bosch klar. Eine modulare Bauweise werde sicherstellen, dass der Bau auch bei ausbleibenden Fördermitteln in kleinerem Umfang zweckmäßig genutzt werden könne.

Wolken am Krankenhaushimmel kann die JoHo-Geschäftsführung mit Blick auf die eigenen Zahlen derzeit keine ausmachen. 2012 sei ein erfolgreiches Jahr für das Krankenhaus gewesen. „Insgesamt haben wir 22787 Patienten stationär im JoHo behandelt – ein Plus von 1000 Patienten im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Patienten, die die Notaufnahme aufsuchten, gab es noch eine deutlichere Steigerung: Die Anzahl erhöhte sich um 5000 Patienten auf knapp 32000. Auch die Geburtenzahlen entwickelten sich entsprechend der Vorjahre auf gleichbleibend hohem Niveau von über 1600 Geburten – da liegen wir hessenweit an der Spitze.“

Das JoHo sei eine gefragte und geschätzte Klinik, was sich nicht nur an den Leistungszahlen festmachen lasse, sondern auch an anderen Ergebnissen wie den hervorragenden Platzierungen im Klinik- und Ärzteranking des Magazins Focus, in dem es den höchsten Wert für Patientenzufriedenheit in ganz Hessen erreicht habe.

Maßgeblich Anteil am Erfolg des JoHo hat laut Geschäftsführer Bosch das christlich orientierte Leitbild und die organisatorische Unabhängigkeit, was verhindere, dass man zum „Spielball externer Interessen aus Politik, Aktionärskreisen oder dem Machtstreben Einzelner“ werde.

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