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Für jeden das richtige Plätzchen

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Von: Ute Fiedler

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Tiere helfen Menschen: Wolfsspitz Elvis mit Sieglinde Schepp im Dienst.
Tiere helfen Menschen: Wolfsspitz Elvis mit Sieglinde Schepp im Dienst. © Monika Müller

Stift wird zum Lebens- und Fachzentrum für Demenz umgebaut.

Mittagszeit im Katharinenstift. Frau R. hat ihren Teller schon fast leergegessen, während der Mann hinter ihr vor Kartoffelpüree und Co. ein Nickerchen macht. „Sie, ich muss mit Ihnen reden“, ruft Frau R., als sie Thomas Beer durch den Flur eilen sieht. Ob sie mit dem Leiter des Katharinenstifts über den anstehenden Umzug sprechen will? Wahrscheinlich nicht. Vermutlich weiß sie gar nichts davon.

Frau R. ist dement. Wie die Bewohner des Hauses Friedheim wird sie in einigen Monaten in ein Übergangsdomizil ziehen müssen, denn ihr Zimmer wird wie die der anderen Bewohner auch neu gemacht. Nicht alle haben dieselbe Art von Demenz oder befinden sich im selben Krankheitsstadium. Der eine kann noch selbstständig essen, während der andere schon nicht mehr gehen kann. „Es gibt nicht die Demenz“, sagt Friedhelm Schrey, Geschäftsführer der EVIM, die zwölf Einrichtungen betreibt, darunter fünf in Wiesbaden.

Im Katharinenstift soll nun ein Lebens- und Fachzentrum für Menschen mit Demenz entstehen. In Kooperation mit der Asklepios- Klinik entsteht dort eine Tagesklinik. Bewohnern soll ein individuelles Wohnen ermöglicht werden – je nach Stadium der Krankheit. Sie sollen „nicht in eine Gruppe reingestopft werden“, sagt Schrey.

Für das Katharinenstift hat die EVIM ein Modell erstellt. Je nach Phase der Demenz werden die Bewohner verschiedenen Bereichen zugeordnet. So entstehen zum Beispiel ab Mai im Haus Friedheim Wohngemeinschaften für Menschen, die noch wie Frau R. in der ersten Demenz-Phase sind. Sie können ihren Alltag noch relativ eigenständig meistern. In drei der vier Gruppen werden ältere Menschen leben, eine ist für jüngere Bewohner. Es gibt eine große Küche und einen Gemeinschaftsraum. Angebote wie Malen, Yoga und Musik strukturieren den Alltag.

Doch nicht nur für Phase I wird umgebaut. Der Bereich für die Bewohner in der letzten Phase ihrer Krankheit wird in vier Wochen fertig sein. Selbst gehen oder essen können die Erkrankten in diesem Stadium nicht mehr. Und doch hat dieser Bereich zum Beispiel eine Küche, um die Bewohner durch den Duft von Gebratenem und Gekochtem zu stimulieren, sagt Beer.

Die Wände sind in hellem Grün gestrichen, was ebenfalls die Sinne der Schwerkranken, die im Katharinenstift ihre letzten Stunden erleben, anregen soll.

Ende 2013 soll der 6,8 Millionen teure Umbau abgeschlossen sein. Dann werden 150 Plätze für Demenzkranke – 20 mehr als jetzt – zur Verfügung stehen. Für den Umbau von Haus Friedheim hat das Land Hessen 241500 Euro zur Verfügung gestellt. Dieselbe Summe gibt es als zins- und kostenfreies Darlehen von der Stadt.

Laut Schrey ist es ein harter Kampf, Gelder für „solch mutige“ Projekte zu bekommen. Projekte, die jeden Einzelnen fördern und nicht wie in „Gemischtwarenläden“ zusammenleben lassen. Doch der Kampf lohnt sich, blickt man etwa auf Frau R. Oder in die Zukunft: Derzeit leben in Hessen mehr als 71000 Menschen mit Demenz. Bis zum Jahr 2020 wird laut den Krankenkassen mit einer Steigerung von über 50 Prozent gerechnet.

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