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Lebenshilfe

50 Jahre Lebenshilfe Wiesbaden

Die Lebenshilfe in Wiesbaden feiert ihr 50-jähriges Bestehen. In den Jahren hat der Verein viele Angebote auf die Beine gestellt.

Von Bernd Schmid

Normal – diesen Begriff gibt es bei uns eigentlich gar nicht“ – bringt der Geschäftsführer der Lebenshilfe Wiesbaden, Hans Grzegorzewski, auf den Punkt, welche Einstellung die Arbeit des Vereins und seiner Mitarbeiter maßgeblich prägt. Es ist nicht die Orientierung an einem wie auch immer definierten Normverhalten, „im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der individuelle Mensch mit seinen Fähigkeiten und seinem Hilfebedarf.“

„Lebenshilfe“ – der Name ist nicht nur in Wiesbaden Programm. Bundesweit steht die 1958 in Marburg von Eltern als „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind “ gegründete Organisation für professionelle Hilfsangebote für behinderte Menschen und ihre Familien. Drei Jahre nach dem Start des Vereins taten sich auch in Wiesbaden betroffene Eltern zusammen, um ein Betreuungsangebot für ihre behinderten Kinder auf die Beine zu stellen. „Die gesellschaftliche Situation in der Gründungsphase war schwierig“, sagt Grzegorzewski, der seit 20 Jahren an der Spitze der Wiesbadener Lebenshilfe steht. „In den 1950er Jahren hatten Behinderte in Deutschland keine Lobby. Die Gesellschaft war nach den Euthanasie-Verbrechen im Nationalsozialismus auf den Umgang mit Behinderten nicht eingerichtet, es gab keine Möglichkeit, ein behindertes Kind in einem Kindergarten unterzubringen.“

Akzeptanz für Menschen mit Behinderung gewachsen

Das erste Projekt in Wiesbaden war ein Hort für behinderte Kinder, aus dem sich im Lauf der Jahre die Kindertagesstätte „Tandem“ entwickelte. 50 Jahre später gibt es „Tandem“ immer noch. Heute ist „Tandem“ kein Spezialeinrichtung ausschließlich für behinderte Kinder mehr, sondern eine integrative Kindertagesstätte mit behinderten und nichtbehinderten Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren. Dass mittlerweile nur noch vier der 90 Kinder behindert sind, sei einer Vereinbarung mit der Stadt Wiesbaden geschuldet, erläutert Grzegorzewski. „Seit 2006 gehen Kinder mit besonderem Hilfebedarf in ganz normale Kindertagesstätten. Die Einrichtungen werden dabei von unserem Mobilen Dienst unterstützt.“

Kinder mit Behinderungen sind offenbar in der Gesellschaft angekommen – eine typische Entwicklung? Grzegorzewski will das nicht generalisieren: „Es hat sich viel getan, es gibt in der Gesellschaft eine größere Akzeptanz für Menschen mit Behinderungen, aber auch immer noch Ressentiments“.

Das habe man feststellen können, als man vor einigen Jahren eine neue Wohneinrichtung in einem Stadtteil bauen wollte. „Da wurden Fragen gestellt und auch Vorurteile geäußert, dass man sich schon fragen musste: Wie aufgeklärt ist die Gesellschaft wirklich“, berichtet der Geschäftsführer. Gleichwohl halte die Lebenshilfe an ihrem Ansatz fest: „Wir gehen bewusst in die Gesellschaft und mit Einrichtungen in Wohngebiete. Behindert sein ist schließlich kein Stigma.“

Im Laufe der Jahre hat der Verein ein vielfältiges Angebot auf die Beine gestellt, das den individuellen Bedürfnissen behinderter Menschen aller Altersstufen gerecht wird. Dazu zählen neben der Frühförder- und Frühberatungsstelle und der Kita „Tandem“ auch sechs Wohnhäuser, in denen geistig behinderte Erwachsene miteinander leben. In weiteren Wohnungen werden behinderte Menschen entsprechend ihren Möglichkeiten betreut und gefördert.

Auf ein Projekt ist Grzegorzewski besonders stolz: Seit September 2000 betreibt die Landgut Ehrenbach GmbH, eine Tochtergesellschaft der Lebenshilfe Wiesbaden, eine Bäckerei in Idstein-Ehrenbach. In diesem Betrieb – wie auch in den angegliederten Dorfläden – arbeiten neben dem Bäckermeister auch Bewohner des Landgutes mit. In Handarbeit werden hier Brötchen, Brot und Backwaren hergestellt. „Mittlerweile sind die Bewohner im Dorf akzeptiert und teilweise in Vereine integriert. Eine solche Entwicklung würde ich mir auch in anderen Bereichen wünschen“.

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