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Jahr der Städtepartnerschaften

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Von: Ute Fiedler

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Mit Städten aus Nah und Fern hält Wiesbaden seit Jahren  guten Kontakt.
Mit Städten aus Nah und Fern hält Wiesbaden seit Jahren guten Kontakt. © Michael Schick

Allein Wiesbaden zählt 13 Partnerstädte, darunter San Sebastian und Breslau. Darüber hinaus gibt es weitere Stadtteilpartnerschaften. All diese stehen in diesem Jahr, das Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) zum Jahr der Städtepartnerschaften erklärt hat, im Fokus.

Es war eher ein Zufall, dass 1930 die beiden Städte Wiesbaden und Klagenfurt eine Partnerschaft besiegelten. Wie alle besetzten Städte feierte damals auch Wiesbaden den Abzug der französischen Truppen. An diesen Feiern nahm unter anderem je ein Vertreter einer österreichischen Stadt teil. Nach Wiesbaden reiste der Klagenfurter Bürgermeister Adolf Heinrich Bercht, der bereits zuvor schon einmal in Wiesbaden Gast war. Und so kam es, dass während der Rheinlandbefreiungsfeier Wiesbadens Oberbürgermeister Georg Krücke und Bercht die Patenschaft beschlossen – eine der ersten in Europa.

Im Laufe der Jahre entstanden unzählige Partnerschaften. Allein Wiesbaden zählt 13 Partnerstädte, darunter San Sebastian und Breslau, die in diesem Jahr zu Kulturhauptstädten gewählt wurden. Darüber hinaus gibt es weitere Stadtteilpartnerschaften. All diese stehen in diesem Jahr, das Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) zum Jahr der Städtepartnerschaften erklärt hat, im Fokus. Ziel ist es, so Gerich, die Beziehungen zu den Partnerstädten zu vertiefen. Und auf diese Weise gerade in diesen unruhigen Zeiten, Friedenspolitik zu betreiben.

Unter dem Aspekt „Versöhnung“ sind etliche der Verbindungen entstanden, sagt Waltraud Klopf, die bei der Stadt für die Städtepartnerschaften zuständig zeichnet. Die Verbrüderung mit Tunbridge-Wells beispielsweise geht auf das Bemühen Fred Thorntons zurück, der im Zweiten Weltkrieg bei den Coldstream Guards war und in deutsche Gefangenschaft geriet. Mit einem Inserat wollte er Jahre später Kontakt zum ehemaligen Feind herstellen, was ihm gelang.

Zeichen der Versöhnung

Auch mit den Beziehungen zu Montreux (Frankreich), Gent (Belgien) und Breslau wollte Wiesbaden ein Zeichen der Versöhnung setzen. Angestrebt worden war die Partnerschaft mit der polnischen Stadt noch zu Zeiten des Kalten Krieges und wurde im November 1987 besiegelt. Die Verbrüderung mit Ljubljana im heutigen Slowenien hatte zum Ziel, den Weg zu den Staaten des Ostblocks zu öffnen.

Andere Partnerschaften entstanden, um zu helfen: Ein Zeichen der Solidarität war es, als Wiesbaden 1964 eine Städtepartnerschaft mit dem Berliner Bezirk Kreuzberg ins Leben rief. So wollte man Verbundenheit mit den Menschen im eingeschlossenen West-Berlin zeigen. Schüleraustausch-Reisen wurden organisiert und ältere Menschen aufgenommen bereitgestellt, damit diese sich erholen konnten. Auch die Verknüpfung mit Ocotal (Nicaragua) hat das Ziel, die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern.

Und wenn die Verbrüderungen nicht aus Solidarität, Hilfsbereitschaft oder Versöhnung entstanden, dann waren Liebe und Freundschaft im Spiel. Die Verbandelung zwischen Naurod und Fondettes entstand auf Wunsch der Nauroderin Gudrun Menant, die Kontakt mit den Menschen aus ihrer Heimat aufnehmen wollte. Sie war mit einem Franzosen verheiratet, der die Partnerschaft auf den Weg brachte. „Der Austausch mit Fondettes zählt übrigens zu den Städtepartnerschaften, weil sie geschlossen wurde, bevor Naurod eingemeindet wurde“, erklärt Klopf.

Die jüngste und nicht unumstrittene Partnerschaft wurde 2012 auf Bestreben des Ausländerbeirats mit dem Istanbuler Bezirk Fatih geschlossen. Ein Verein kümmert sich um den Austausch. Doch nicht für alle Verbindungen gibt es einen solchen. „Manchmal sind es auch einzelne Personen, die sich engagieren“, sagt Protokollchefin Andrea Nollert, bei der die Abteilung Städtepartnerschaft angesiedelt ist.

Neben ihr und Waltraud Klopf setzt sich auch Clarissa Schröder für den Austausch ein. Vor zwei Jahren holten die drei alle Vereine und Engagierten an einen Tisch. „Für eine bessere Vernetzung und Synergieeffekte“, erklärt Nollert. Diese erhoffen sich die drei auch vom Jahr der Städtepartnerschaft. Und vor allem Aufmerksamkeit von jungen Menschen, die es für Städtepartnerschaften zu begeistern gilt. „Schließlich lebt eine solche Verbindung allein durch die Menschen und ihr Engagement“, sagt Schröder.

Die Stadt spielt bei einer Partnerschaft eher die Rolle des Unterstützers im Hintergrund. „Wir können Hilfe leisten, zum Beispiel in Notsituationen“, sagt Nollert und weist beispielsweise auf das Hochwasser in Breslau 2010 hin. Soforthilfe wurde zudem 1998 geleistet, nachdem Hurrikan Mitch in Ocotal gewütet hatte. „In solchen Situationen hat eine Stadt ganz andere Möglichkeiten zu helfen als die Vereine“, sagt Nollert. Geld zahle die Stadt Wiesbaden im Zuge einer Städtepartnerschaft im Normalfall jedoch nicht.

Des Öfteren erreichen Klopf, Nollert und Schröder Anfragen von Städten aus dem Ausland, die sich wünschten, mit Wiesbaden anzubandeln. Doch weitere Verbindungen seien derzeit nicht geplant. Schließlich sei eine solche Liaison kein einfaches Unterfangen. Das letzte Wort haben immer die Stadtverordneten.

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