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Islamische Gemeinden unterzeichnen

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Falsche Prediger sind auch hier nicht gern gesehen.
Falsche Prediger sind auch hier nicht gern gesehen. © FR/Schick

Die Wiesbadener Integrationsvereinbarung trägt seit Dienstag drei neue Unterschriften. OB Müller freut sich über die bundesweite Vorreiterrolle der hessischen Landeshauptstadt. Von Michael Grabenströer

Von Michael Grabenströer

Ein bundesweit einzigartiges Projekt, für das Wiesbaden 2007 den Anstoß gegeben hatte, fand am Dienstag im Rathaus seine Fortsetzung, als Abdül Akpinar, Zahir Sarwari und Jelal Rachid Roustoumi ihre Unterschriften unter die Integrationsvereinbarung ihrer islamischen Gemeinden mit der Stadt Wiesbaden setzten. Damit haben jetzt auch der Bildungs- und Kulturverein e.V., eine VIKZ-Gemeinde, der Afghanische Kulturverein und Tariqa Al-Qadiriya Al-Boutschischiya Sufi sich zu den Zielen der Integrationsvereinbarung bekannt.

Im Herbst 2007 machten neun islamische Gemeinden den Anfang und unterschrieben die Integrationsvereinbarung, die eine Verbesserung des Zusammenlebens und die "Förderung von Transparenz, Austausch und gesellschaftlicher Teilhabe" versprach. Zur Transparenz gehörte auch, dass die Gemeinden ihre Veranstaltungen grundsätzlich der Öffentlichkeit zugänglich machen, die Materialien ihrer Predigten veröffentlichen und die Leitungspersönlichkeiten ihrer Moscheevereine publik machen.

Bewährungstest bestanden

Die Muslime und die Stadt, in der sie leben, verpflichteten sich darauf, keine "integrationsfeindlichen Positionen" einzunehmen oder zu unterstützen.

Ein Weg, der sich nach Ansicht der Stadt bewährt hat. So lud die Tauhid-Gemeinde Anfang des Jahres reisende Prediger wieder aus, die sich schon zuvor gegen die "Integrationsabmachung" gestemmt und sie verhöhnt hatten. Die Stadt machte damals der Gemeinde unmissverständlich klar, dass der Auftritt dieser Prediger, die vor allen bei jungen Gemeindemitglieder Zulauf fanden, gegen die Integrationsvereinbarung verstoße. "Die Integrationsvereinbarung ist uns heilig. Wir halten daran fest," verlautbarte Tauhid-Vorsitzender Omar Maddaghri. Das Abkommen hatte seinen Bewährungstest bestanden.

Die neu beigetretenen muslimischen Vereine gehören eher zu den kleineren in Wiesbaden, zwei sind im Aufbau begriffen, einer sucht noch eine Bleibe. Allerdings ist der Bildungs- und Kulturverein, besser bekannt unter Sülemaniye Moschee schon seit 1984 in Wiesbaden ansässig zählt rund 150 aktive Mitglieder, und gilt als Gewinn.

Auch die neuen Unterschriften unter die Integrationsvereinbarung wurden durch die Mitunterzeichnung von Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) herausgehoben. Müller sprach von einem "bedeutsamen und wichtigen Moment" und nannte Integration das Politikfeld der Zukunft. Für Müller hat die Stadt eine Vorreiterrolle übernommen, mit Integrationsvereinbarung und Gründung eines Integrationsdezernates die Bedeutung des Themas bundesweit unterstrichen.

Auch für Dezernentin Birgit Zeimetz (CDU) war es ein wichtiger Tag. Erstmals steht ihre Unterschrift auf dem Papier. Bei der Unterzeichnung vor zweieinhalb Jahren war sie noch nicht im Amt.

Nun bekannte sie sich zur Netzwerkarbeit, sprach von einem Verbund der unterschiedlichen islamischen Gemeinden. Sie hoffe kein Papier zu unterzeichnen, dass irgendwann abschließend umgesetzt sein werde. Denn Integration, meinte sie, sei ein fortwährender Prozess und bleibe eine dauernde Aufgabe der Stadt.

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