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Islamisch, aber nicht islamistisch

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Von: Ute Fiedler

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Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich.
Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich. © SPD

Dem Veranstalter der deutschen-türkischen Kulturolympiade im Wiesbadener Kurhaus wird ideologische Nähe zur islamisch-konservativen Gülen-Bewegung nachgesagt. Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich bleibt trotzdem Schirmherr der Veranstaltung. Er will sich vor Ort "selbst ein Bild machen."

Viel Kritik hatte es an der Entscheidung des Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) gegeben, Schirmherr des Regionalentscheids der deutsch-türkischen Kulturolympiade im Wiesbadener Kurhaus zu bleiben. Dieser findet am morgigen Samstag statt. Gerich wird dort ein Grußwort sprechen und will sich vor Ort „selbst ein Bild machen, bevor ich zu einem Urteil komme“.

Wie berichtet, wird dem Veranstalter, dem Frankfurter Verein „Academy“ die ideologische Nähe zur islamisch-konservativen Gülen-Bewegung nachgesagt. Dieser wird das Propagieren eines sehr konservativen Islams und ein sektenähnliches Verhalten vorgeworfen. Doch da weder der Academy-Verein noch die Gülen-Bewegung als verfassungsfeindlich gelten, hatte sich Gerich vor Wochen dazu entschieden, Schirmherr der Veranstaltung zu bleiben.

Auf Anfrage der FR hatte der hessische Verfassungsschutz mitgeteilt, dass die Gülen-Bewegung tatsächlich nicht im Visier des Verfassungsschutzes stehe. Sie gelte zwar als konservativ islamisch, jedoch nicht als „erkennbar islamistisch oder verfassungsfeindlich“, hieß es. Doch Zweifel am zeitgenössischen Islamverständnis der Bewegung gebe es.

In Vorbereitung auf den Termin habe er in den vergangenen Wochen viele Gespräche zu diesem Thema geführt, teilt Gerich in einer Pressenotiz mit. „Da diese Gespräche ein sehr diffuses Bild ergeben haben, ist es für mich die beste Lösung, mit maximaler Transparenz vorzugehen und die Veranstaltung zu besuchen“, schreibt der Oberbürgermeister. Er hat Journalisten eingeladen, ihn bei seinem Besuch zu begleiten.

Gerich teilt mit, er werde in seinem Grußwort am Samstag auf die Vorgeschichte und auch auf seine „Vorstellungen von einer freiheitlichen und säkularen Gesellschaft eingehen. Denn Wertschätzung von Bildung, Integration und kultureller Austausch werden von mir ausdrücklich begrüßt – das sind laut Veranstalter auch die Ziele der Kulturolympiade.“

Das hatte auch der Pressesprecher des Academy-Vereins in Frankfurt im Gespräch mit der FR betont. „Mit der Kulturolympiade versuchen wir, genau solche Vorurteile abzubauen und werben für einen offenen Dialog zwischen den Kulturen“, sagte er. Der Verein bekenne sich zu Verfassung und Grundrechten, wenn auch im Verein unterschiedliche Glaubensrichtungen anzutreffen sein.

Gerich kündigte an: „Sollte ich am Samstag während der Kulturolympiade etwas sehen oder hören, was nicht meinen Vorstellungen von den Werten unserer westlichen Gesellschaft entspricht, würde ich die Veranstaltung selbstverständlich verlassen – und damit ein sehr deutliches Zeichen setzen.“

Kritisiert wurde im Hinblick auf die Kulturolympiade auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der die Schirmherrschaft für das Nordfinale übernommen hatte. Das fand am vergangenen Samstag in Berlin statt. Wowereit war laut Medienberichten nicht vor Ort, sondern ließ auf der Veranstaltung lediglich ein Grußwort verlesen.

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