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Internationales Trickfilm-Wochenende

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Von: Arne Löffel

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In „Zepo“ folgt ein Mädchen der Blutspur.
In „Zepo“ folgt ein Mädchen der Blutspur. © Veranstalter

Vom 22. bis zum 25. Oktober ist beim Internationalen Trickfilm-Wochenende Skurriles, Künstlerisches und Herzerwärmendes im Schloss Biebrich zu sehen.

Auch wenn fotorealistische Animationen heute quasi in jedem Blockbuster zu finden sind, so hat die vom klassischen Trickfilm ausgehende Animation ein quirliges und überaus künstlerisches Eigenleben entwickelt. Die derzeit schönsten Produkte dieser technischen und künstlerischen Entwicklung werden beim 17. Internationalen Trickfilm-Wochenende Wiesbaden gezeigt.

Das Festival im Schloss Biebrich ist zusammen mit einem Festival in Stuttgart die einzige deutsche Leistungsschau, die sich ausschließlich mit den ertricksten Film-Welten beschäftigt. Dementsprechend hochkarätig ist auch das Programm, das auf die erwachsenen wie jugendlichen Besucher wartet. Unter dem Titel „Best of Animation 2014/15“ laufen in vier Programmen insgesamt 45 Beiträge, darunter 21 in deutscher Erstaufführung.

Kein klassischer Dreiklang

Die inhaltliche Tiefe von Trickfilmen geht wohlgemerkt weit über den klassischen Cartoon-Dreiklang aus Deppen, Dynamit und stürzenden Ambossen hinaus. Das zeigt unter anderem der spanische Kurzfilm „Zepo“, dessen Ereignisse vom spanischen Bürgerkrieg inspiriert wurden. Hier stößt ein kleines Mädchen auf eine Blutspur im Schnee und folgt ihr. Auch der russische Kurzfilm „We Can’t Live Without Cosmos“ ist nicht zum Lachen, sondern – typisch slawisch – ein bisschen melancholisch: Zwei Freunde träumten bereits als Knaben davon, eines Tages gemeinsam ins All zu fliegen. Jetzt ist ihr Ziel in Reichweite. Sie gehören zu den besten Kosmonauten im Trainingszentrum, bereiten sich auf die bevorstehende Mission vor und wetteifern um den Platz in der Rakete, als Konkurrenten.

Aus derart hochkarätigen Filmen können die Besucher des Festivals in den „Best of“-Reihen ihren Favoriten wählen, der einen mit 1000 Euro dotierten Publikumspreis erhält. Zum Programm gehört übrigens auch der beim „weltweit wichtigsten internationalen Trickfilmfestival in Annecy“ mit dem Publikumspreis ausgezeichnete französisch-dänische Langfilm „Tout en haut du monde“ („Long Way North“) von Rémy Chayé.

Der Film ist nach Angaben der Veranstalter ein spannendes Drama um eine junge Aristokratin aus Sankt Petersburg, die sich auf die Spuren ihres Großvaters begibt, der von einer Nordpolexpedition mit seinem Forschungsschiff nicht zurückgekehrt ist. Der dänische Koproduzent des Films, Claus Toksvig Kjaer, wird zum Publikum sprechen. Ebenfalls live zugegen ist der kanadische Trickfilmkünstler Steven Woloshen, dem das Festival ein eigenes Programm widmet. Woloshen gilt als der Meister der „direkten“ oder „kameralosen“ Animation.

Wie sehr die Trickfilm-Technik in den Mainstream vorgedrungen ist, zeigt die Anwesenheit des mehrfach preisgekrönten Regisseurs Vuk Jevremovic. Er stellt sein Musikvideo vor, das er für das slowenische Kunst-Musik-Projekt „Laibach“ produziert hat.

Weitere Programmpunkte sind ein „Fokus Skandinavien“ mit einer Zusammenstellung der besten Kurztrickfilme aus Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland aus den vergangenen zwei Jahren. Dazu kommt unter dem Titel „Young Animation“ eine internationale Auswahl mehrheitlich preisgekrönter Diplom- und Studentenfilme und die nicht nur bei Kindern beliebte Sonntagsmatinee „Tricks für Kids“.

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