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Wiesbaden

Insolvenzplan für AWO im Frühjahr

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Das Sanierungsverfahren in Wiesbaden läuft in Eigenverwaltung. Die Geschäftsführung erhält zwei Experten zur Seite. „Aufgrund jahrelanger Misswirtschaft“ sei es ein notwendiger Schritt.

Die 420 Beschäftigten der Wiesbadener Arbeiterwohlfahrt (AWO) werden in den diversen Erziehungs-, Pflege- und Bildungseinrichtungen seit Dienstag über die Insolvenz ihres Arbeitgebers informiert. Nach Angaben des Verdi-Sekretärs Armin Löw verlaufen die Gespräche weitgehend ruhig und sachlich.

Hintergrund

Die Wiesbadener Arbeiterwohlfahrt gerät erstmals 2019 in die Kritik. Zunächst erhebt die Frankfurter Neue Presse und später auch andere Medien den Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden gegenüber Vorwürfe wegen undurchsichtiger Geschäfte und Doppelfunktionen ihrer Funktionäre. Zudem sollen hohe Gehälter, teure Dienstwagen und Sondervergütungen gezahlt worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue und Betrug.

Wolfgang Hessenauer und Franz Betz traten im Januar 2020 als ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende an, um die Geschäfte der AWO Wiesbaden zu ordnen. Alle Personen aus dem alten Führungsteam sind zurückgetreten oder wurden gekündigt. mre

Der Wiesbadener AWO-Kreisverband teilt unterdessen auf seiner Homepage mit, dass das Amtsgericht dem Antrag auf ein Sanierungsverfahren in vorläufiger Eigenverwaltung stattgegeben hat. Dieses Verfahren verzichtet auf Insolvenzverwaltung. Das Unternehmen kann weiterhin sein Vermögen verwalten und die Geschäfte führen. Die bisherige Geschäftsführung – das ist Andrea Piro – bleibe im Amt, heißt es. Sie werde von den Rechtsanwälten Rainer Eckert und Eike Happe, zwei Sanierungsexperten, deren Kanzlei erst jüngst die Kreisklinik Groß-Gerau sanierte, unterstützt. Als vorläufiger Sachwalter fungiert Jan Markus Plathner. Der Sachwalter nimmt Aufgaben wahr, die der Schuldner wegen der gegenläufigen Interessen der Gläubiger nicht erledigen kann. Seine wichtigste Aufgabe ist es, den Schuldner zu überwachen.

„Die Entscheidung, den Antrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit zu stellen, ist uns nicht leichtgefallen“, meldet sich Vorstandsvorsitzender Wolfgang Hessenauer zu Wort. Der Schritt sei aufgrund des jahrelangen Missmanagements der vorherigen Führungspersonen im Kreisverband unausweichlich geworden. „Mit dem Sanierungsverfahren streben wir nun einen kompletten Neuanfang an und lassen die Ergebnisse der chaotischen Geschäftsführung der früheren Verantwortlichen hinter uns“, sagt Andrea Piro. Sie betont, dass der Kreisverband die Löhne und Gehälter wieder selbst zahlen werde, nachdem sie im Insolvenzverfahren für drei Monate von der Agentur für Arbeit übernommen würden.

Eike Happe verspricht, die Restrukturierung rasch umzusetzen. Erste Ergebnisse könnten in einigen Wochen vorgestellt werden. Mit dem Insolvenzplan und neuem AWO-Konzept sei im Frühjahr zu rechnen. Der stellvertretende Vorsitzende Franz Betz appelliert an alle Beteiligten, an einem Strang zu ziehen und nennt auch Verdi. Die Gewerkschaft hatte im Vorfeld den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern davon abgeraten, mit dem Kreisverband in individuellen Verhandlungen auf die Corona-Pflegeprämie zu verzichten. Kurz darauf legte Verdi einen tarifrechtlichen Kompromissvorschlag vor, den wiederum die AWO-Verantwortlichen nicht akzeptierten und stattdessen Insolvenz anmeldeten.

Nach Informationen des Sozialdezernenten Christoph Manjura (SPD) erfüllt die AWO die Leistungsvereinbarungen weiterhin. Die Arbeit in den neun Kitas und den beiden Pflegeeinrichtungen laufe weiter.

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