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Bürger und Bürgerinnen protestieren auch gegen die Bebauung des Ostfelds.
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Bürger und Bürgerinnen protestieren auch gegen die Bebauung des Ostfelds.

Wiesbaden

Initiative in Wiesbaden kämpft gegen Klinik-Neubau

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Eine Bürgerinitiative in Wiesbaden möchte das geplante Personalgebäude für die Horst-Schmidt-Kliniken verhindern. Sie fürchtet um die Belüftung einer angrenzenden Siedlung.

Für den Klimaschutz einzutreten, ist gerade populär. Wenn es aber um konkrete Umsetzung geht, steht Klimaschutz nicht mehr an erster Stelle. Dann geht es um andere Interessen. Natur- und Klimaschutz versus Baurecht und günstige Wohnungen, das ist ein Konflikt, der in Wiesbaden nicht nur um das Ostfeld tobt, wo auf 450 Hektar ein Quartier für bis zu 12 000 Menschen entstehen soll. Auch um eine 2,7 Hektar große Fläche in Freudenberg/Dotzheim wird mit diesen Argumenten gestritten. Es gibt Gutachten und Gegengutachten. Jede Seite sieht sich im Recht.

Konkret geht es um neun mehrstöckige Gebäude für 200 Personalwohnungen, die die Wiesbadener Wohnungsbaugesellschaft GWW im Auftrag der Helios Dr. Horst-Schmidt-Kliniken auf deren Hubschrauberlandeplatz bauen soll. Helios eröffnet demnächst ein neues Klinikum. Das von 1976 bis 1982 errichtete Bettenhaus soll anschließend abgerissen und an seiner Stelle ein neuer Park errichtet werden. Die Bürgerinitiative Grüne Zukunft Freudenberg protestiert gegen die Personalwohnungen, weil sie befürchtet, dass sich die Belüftung der angrenzenden Einfamilienhaus-Siedlung verschlechtert. Die Wiese am Hubschrauberlandeplatz und das angrenzende Wäldchen haben sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten zu einer Oase für Pflanzen und Tiere entwickelt. „Das Grüngebiet ist ein kleines wertvolles Juwel“, sagt BI-Sprecher Albert Meyer. „Wir geben nicht auf.“

Zudem rechnet die BI vor, dass bei den Bauarbeiten des Personalhauses und dem Abriss des alten Bettenhauses unnötig viel CO2 in die Atmosphäre gelange. Daher schlägt sie vor, das alte Bettenhaus als Wohnhaus umzufunktionieren oder den Parkplatz zu bebauen. BI-Mitglied Achim Müller verweist auf den 2019 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Klimanotstand; der müsse endlich in der Praxis Konsequenzen haben. Und er führt an, dass eine Biologin des Naturschutzbundes Nabu die klimatologischen und artenschutzrechtlichen Gutachten der GWW als lückenhaft, zu kleinräumig und nicht aktuell beurteilte.

Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern von der Wiesbadener Wohnungsbaugesellschaft GWW und der HSK unter Vermittlung von Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne) haben die Gegner und Gegnerinnen des Projekts nicht überzeugt. Jetzt wendet sich die BI an die Politik, möchte das Thema in der Stadtverordnetenversammlung diskutieren. Der Ortsbeirat Dotzheim hat den Magistrat bereits aufgefordert, den Bau der Werkswohnungen zunächst auszusetzen. Die Stadt müsse nach Alternativen auf bereits versiegelten Flächen Ausschau halten und etwa einen Stelzenbau auf dem Parkplatz prüfen. HSK und GWW halten diesen Vorschlag für nicht realisierbar. Sie verweisen auf das Baurecht und auf Klimagutachten, die die Unbedenklichkeit des Projekts attestieren. Zudem liege die Baugenehmigung seit 1979 vor, die Arbeiten könnten einfach beginnen, sagt Christoph Leng, Referent des Umweltdezernenten Andreas Kowol, auf Anfrage. Den Parkplatz könne man nicht nutzen, da er zur Bewirtschaftung verpachtet sei und außerdem zu klein.

Das Bettenhaus zu Werkswohnungen umzubauen, sei unwirtschaftlich, führt GWW-Sprecherin Alexandra May an. Um die Wohnungen günstig an Auszubildende und Pflegepersonal vermieten zu können, brauche es niedrige Baukosten. Das Bettenhaus müsste außerdem zunächst entkernt werden, um moderne Wohnungen daraus zu machen: ein erheblicher Aufwand.

Auf Anregung der Bürgerinitiative seien die Entwurfsplanungen bereits geändert worden, so May weiter. Statt eines Gebäuderiegels seien jetzt Solitärgebäude geplant, die von der Luft aus dem nahe gelegenen Wäldchen umströmt werden können. Das Mikroklima verbessere sich dadurch, auch in dem neuen Park würde Kaltluft entstehen.

Dass die BI den Bau der Personalwohnungen verhindern kann, erscheint eher unwahrscheinlich. Aber auf die Diskussion, wie Klimaschutz und Wohnungsbau zusammenzubringen sind, darf man gespannt sein.

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