1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Indizien für Prostitution unter Zwang

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Arne Löffel

Kommentare

Stadtverordnete in Wiesbaden sieht Indizien für Prostitution unter Zwang. Die Frauen müssen allein drei bis sieben Freier am Tag ,bedienen‘, um nicht noch mehr Schulden anzuhäufen.

Mehr als die Verstöße gegen die Richtlinien des Ordnungsamts treibt die Stadtverordnete Manuela Schon (Linke und Piraten) die Situation der Frauen um, die in den Terminwohnungen arbeiten. Auch wenn die Polizei mitteilt, dass es in Wiesbaden keine Hinweise auf illegale Prostitution gebe, sieht Schon doch deutliche Hinweise auf Zwangslagen der Frauen.

Wer an Menschenhandel denkt, der stellt sich zunächst gekidnappte Mädchen vor, die unter Androhung körperlicher Gewalt tagtäglich auf den Strich geschickt werden. In den meisten Fällen funktioniert das laut Schon, die sich mit viel Rechercheleistung in das Thema eingearbeitet hat, viel subtiler: „Die Frauen kommen aus sehr ärmlichen Verhältnissen, viele sind sehr jung, haben Kinder und sind alleinerziehend. Das heißt sie brauchen dringend Geld“, skizziert Schon. Die meisten der Frauen wüssten durchaus, dass sie in Deutschland im Sexgewerbe arbeiten sollen, machen sich aber keine Vorstellung von der rauen Wirklichkeit, sehen nur das schnelle Geld.

Finanzielle Abhängigkeit

Um die Frauen bei der Stange zu halten, werden sie laut Schon in eine finanzielle Abhängigkeit gedrängt. Sie zahlen 5000 Euro an einen Vermittler, der sie in der Wohnungsprostitution unterbringt. „Da sie das Geld nicht haben, einigt man sich auf Ratenzahlung, wenn sie erstmal Geld verdienen“, so Schon. Zudem solle jede Frau fortan an einen Vermieter 120 bis 200 Euro pro Tag für das Zimmer bezahlen. „Das bedeutet, sie muss bei den Standardpreisen in Wiesbaden von 30 bis 50 Euro erstmal drei bis sieben Freier am Tag ,bedienen‘, um nicht noch mehr Schulden anzuhäufen“, berichtet Schon.

Sollten sich die Frauen über diese Situation beschweren, werde ihnen gesagt: „Da ist die Tür, du kannst gehen, aber denk‘ an deine Schulden. Wir wissen wo deine Familie wohnt und wenn du deine Raten nicht bezahlst, dann können wir für deren Sicherheit nicht garantieren.“ Weil die Frauen nicht zur Polizei gehen, sei es schwer, den Menschenhandel und die Zwangsprostitution nachzuweisen. „Auf Nachfragen der Ordnungsbehörden in den Terminwohnungen, sagen die Frauen dann, dass sie freiwillig hier sind.“ So ist es schwer für Polizei und Ordnungsamt einzuschreiten.

Auch interessant

Kommentare