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In Wiesbadener Kita helfen Hühner bei der Wissensvermittlung

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Von: Diana Unkart

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Die frühere Leiterin der Kita, Angela Braner (r.), steht mit ihrer Nachfolgerin Kaylina Galindo Hernandez auf dem Außengelände.
Die frühere Leiterin der Kita, Angela Braner (r.), steht mit ihrer Nachfolgerin Kaylina Galindo Hernandez auf dem Außengelände. © Renate Hoyer

Das städtische Kinderhaus Künstlerviertel setzt auf Nachhaltigkeit - so erfolgreich, dass die Einrichtung für den Deutschen Kita-Preis nominiert wurde. Als einzige in Hessen.

Ohne die Hühner und ohne die Neugier der Kinder wäre diese Erfolgsgeschichte vielleicht nie geschrieben worden. So aber ist das städtische Montessori-Kinderhaus Künstlerviertel in Wiesbaden für den Deutschen Kita Preis 2023 nominiert – als einzige Einrichtung in Hessen.

Die Frage, was eine gute Kita auszeichnet, beantwortet Angela Braner mit einem Satz: „Eine gute Kita orientiert sich an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien.“ Braner war bis Juli Leiterin des Kinderhauses und ist inzwischen als Sachgebietsleiterin Kindertagesstätten in die Verwaltung gewechselt. Nun steht sie mit ihrer Nachfolgerin Kaylina Galindo Hernandez draußen auf dem Außengelände. Ein paar Kinder, eingepackt in Matschhosen und Regenjacken, schippen Sand. Nebenan scharren die Hühner.

Als die Hühner während eines Projekts einzogen, kamen bei den Kindern Fragen auf. Woher kommen die eigentlich? Was fressen sie? Wie sieht’s im Ei aus? Diese und andere Fragen standen am Beginn des Prozesses, aus dem die Kita ein Nachhaltigkeitskonzept entwickelt hat. Das Konzept ist ein wichtiger Punkt der Kita-Preis-Bewerbung. Zu sieben Hühnern sind inzwischen noch zwei Kaninchen gekommen.

Vor der Küche, sie ist zugleich Ausbildungsküche der Stadt, stehen die Servierwagen mit dem Symbol der jeweiligen Gruppe zum Abholen bereit. Darauf Knäckebrot und Aufstrich – selbstgemacht in wiederverwendbaren Schraubgläsern. Wenn möglich, wird mit Bio- und regionalen Lebensmitteln gekocht. Im Sommer kommt das Gemüse auch aus dem eigenen Garten. Auf dem Außengelände werden von den Kindern unter anderem Gurken, Zucchini, Tomaten und Kräuter angebaut.

Abfälle und Reste, die für die Tiere verträglich sind, werden gesammelt und an sie verfüttert. Dafür gibt es eine Bilderliste, die den Kindern zeigt, was Hühner und Kaninchen mögen, und was nicht. Für die Kinder, die zum Großteil in dem die Kita umgebenden Neubaugebiet wohnen, seien das Erleben dieser Kreisläufe und der Umgang mit den Tieren interessante Erfahrungen, sagt Angela Braner. Die Gruppen wechseln sich wöchentlich mit Tierdienst ab. Auch die Frage, wo die Hühner herkommen, konnte beantwortet werden: Zweimal gab es bereits Nachwuchs – jedes Brüten und Schlüpfen wird begleitet von aufgeregten und neugierigen Kindern. Zur Kita gehört noch eine Außenstelle, die derzeit 38 Kinder besuchen. Dort leben keine Hühner, dafür gibt es eine Regenwurmkiste.

Immer mehr Ideen für einen nachhaltigeren Kita-Betrieb sind in den vergangenen Jahren von den Kindern, dem Team und den Eltern eingebracht und umgesetzt worden. Die Einrichtung verzichtet auf Plastiktüten, stattdessen werden mit Wachs beschichtete Stoffbeutel verwendet. In den Waschräumen wurde die Flüssigseife durch feste Seife in einem Seifensäckchen ersetzt. Dass der Müll getrennt wird, sei ein Wunsch der Kinder gewesen. Sie kümmern sich selbst darum, trennen und entsorgen.

Partizipation – darauf wird viel Wert gelegt. Welches Essen montags aufgetischt wird, entscheidet jede Woche eine andere Gruppe. Immer montags wird die Woche besprochen: Was steht an? Wohin führen die Ausflüge? Die Kinder haben Mitspracherecht. Neben den Kindern das Team und die Eltern einzubinden, sei eine Voraussetzung für einen gut funktionierenden Kita-Betrieb und für ein gutes Miteinander, sagt Angela Braner.

Das Kinderhaus beteiligt sich auch an einem Pilotprojekt. Eine Kita-App ermöglicht schriftliche Kommunikation in verschiedenen Sprachen. Eltern können in ihrer Muttersprache schreiben, die Erzieherinnen sich die Mitteilungen auf Deutsch anzeigen lassen. Andersherum funktioniert es auch. Alle sechs Wochen kommen das Team und die Elternvertreter:innen zusammen und tauschen sich aus. Die Kita sei gut im Kiez vernetzt.

Das Montessori-Kinderhaus Künstlerviertel hat es unter mehr als 750 Bewerbungen in die Runde der letzten 25 geschafft. Ob sie ins Finale kommt, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Egal, wie es ausgeht: Schon die Nominierung empfinden die Verantwortlichen als großen Erfolg. Angela Braner und ihre Kollegin Kaylina Galindo Hernandez hoffen, dass er auch andere Kitas in Sachen Nachhaltigkeit motiviert.

Jede der sechs Gruppen hat ein Patenhuhn und darf dessen Namen aussuchen.
Jede der sechs Gruppen hat ein Patenhuhn und darf dessen Namen aussuchen. Renate Hoyer (2) © Renate Hoyer

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