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Wiesbadens Verkehrsdezernent Andreas Kowol.
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Wiesbadens Verkehrsdezernent Andreas Kowol.

Wiesbaden

In Wiesbaden steigt die Nachfrage nach Elekto-Tretrollern

Der Wiesbadener Verkehrsdezernent Andreas Kowol über die Sperrung der Salzbachtalbrücke, Busspuren und die Verkehrswende.

Die Landeshauptstadt hat in der Verkehrswende eigentlich die Nase vorn. Sonst hätte sie es nicht geschafft, das Dieselfahrverbot abzuwenden. Sie ist dabei, die gesamte Busflotte auf E-Mobilität umzustellen, baut Radwege und Busspuren und leitet den Verkehr von der Innenstadt auf äußere Bezirke um. Wegen der Sperrung der Salzbachtalbrücke sind jedoch plötzlich so viele Autos unterwegs wie nie. Auf den großen Einfahrtsstraßen staut sich der Verkehr. Denn der Hauptbahnhof wird nur noch von Zügen in Richtung Niedernhausen angefahren. Die Passagiere müssen auf Busse ausweichen. Zudem verstopfen die Fahrzeuge, die zuvor die A66 nutzten, die Stadt.

Herr Kowol, sind Ihre Bemühungen für die Verkehrswende jetzt für die Katz?

Nein, ich will ja nicht zynisch sein. Die Autofahrer, die jetzt Probleme haben, zu ihrem Ziel zu kommen, wollen dies auch gewiss nicht hören, aber jetzt könnte man für kurze Wege auch andere Verkehrsmittel ausprobieren. Es gibt unterschiedliche Verkehrsmittel im Angebot, damit die Leute sich überhaupt bewegen können.

Welche Verkehrsmittel?

Bei dem guten Wetter steigen viele aufs Fahrrad um und die Nachfrage nach Elektro-Tretrollern steigt. Das haben uns die Verleiher bestätigt. Die sind besonders für jüngere Menschen attraktiv. Mit 20 Kilometern pro Stunde ist man schneller als im Auto. Wir haben die Verleiher gebeten, weitere Tretroller anzubieten.

Glauben Sie, dass die Menschen massenweise umsteigen?

Nein, eher nicht. Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein, selbst wenn ein paar Hundert Tretroller dazukommen.

Bis jetzt nehmen die Menschen vor allem das Auto.

Seit dem Wochenende sind die Straßen voll. Seit Dienstag ist es etwas besser, einige Menschen nehmen die großräumige Umfahrung, auf allen Ausweichstraßen ist ein langsamer Rückgang des Staus zu spüren. Aber es gibt immer noch viele Stunden Stau. Die 80 000 Fahrzeuge, die täglich die Salzbachtalbrücke überquerten, fahren größtenteils woanders entlang und produzieren dort Staus. Auf vielen Straßen geht es sechs Stunden am Tag nur im Stop- und-Go-Modus vorwärts.

Das bedeutet viele Emissionen. Könnte es sein, dass die Deutsche Umwelthilfe wieder die Klage auf ein Dieselfahrverbot aufgreift?

Nein, damit rechne ich nicht, es sei denn, die Stickoxidwerte steigen wieder an. 2020 lagen wir deutlich unter den Grenzwerten. Momentan kommt uns das Wetter zugute, es weht etwas Wind, das sorgt für Durchlüftung. Wie es im Winter wird, werden wir sehen. Seit April verzeichnen wir einen steigenden Anteil an Radverkehr, wie wir das im Luftreinhalteplan versprochen haben. Es wäre verheerend, wenn durch die Brückensperrung die Anstrengungen zunichte gemacht würden.

Zur Person

Andreas Kowol (59) ist seit 2017 Dezernent für Umwelt, Grünflächen und Verkehr in Wiesbaden. Sein Erfolg war es, 2019 das Dieselfahrverbot verhindert zu haben.

Der Betriebswirt , der auch Chemie und Biologie studiert hat, war zuvor Verkehrsdezernent in Hanau.

Grünen-Mitglied ist Kowol seit demJahr 1984. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. mre

Was halten Sie von der Forderung, die Bus- und Radspuren für die Autos zu öffnen?

Das bringt für die Autos nicht viel und für die Passagiere in den Bussen bedeutet das eine längere Fahrtzeit. Das wäre kontraproduktiv, wenn sie auch aufs Auto umsteigen. Der begrenzende Faktor für die Leistungsfähigkeit einer Straße sind die Kreuzungen.

Verzögert sich die Verkehrswende jetzt?

Das eine oder andere müssen wir nachjustieren. Wenn mehr Menschen Rad fahren, müssen wir uns damit beschäftigen. Wir müssen aber auch prüfen, ob wir die in Planung befindlichen Busspuren zeitnah umsetzen. Die Verlagerung des Verkehrs vom ersten, inneren Ring auf den zweiten, äußeren Ring stockt. Der zweite Ring kann derzeit noch keinen weiteren Verkehr aufnehmen. Deshalb werden wir den für 2022 geplanten Bau einer zusätzlichen Fahrspur auf dem zweiten Ring im Bereich der Biebricher Allee vorziehen müssen, damit der Autoverkehr dort besser fließt.

Nochmal: Verzögert sich die Verkehrswende?

Nein, es geht weiter, wenn auch mit verschiedenen Anpassungen an die aktuelle Verkehrssituation.

Läuft die Beschaffung der Elektrobusse nach Plan?

Bis Anfang 2022 werden 120 Elektro-Solobusse im Einsatz sein, bis Ende 2025 sollen es 300 sein. Anders als wir das vorhatten, werden die ausrangierten Dieselbusse nicht verkauft. Wir brauchen sie jetzt zur Verstärkung einiger Linien.

Die Sperrung könnte ein Jahr oder länger dauern.

Die Fachämter, Eswe Verkehr, die Autobahngesellschaft und der RMV versuchen das Beste, um mehr Verkehrsleistung zu ermöglichen. Wenn die Südbrücke wenigstens so stabilisiert werden kann, dass einige Bahnstrecken fahren und eine Fahrspur auf der B263 öffnen kann, das würde schon mal weiterhelfen.

Interview: Madeleine Reckmann

Autos stehen im Stau, mit dem E-Tretroller geht es schneller voran.

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