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In Wiesbaden sollen Langzeitarbeitslose zu Hause besucht werden

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Während der Corona-Pandemie haben manche Menschen den Kontakt zum Jobcenter abgebrochen. Mit einem neuen Angebot sollen sie wieder für Beratungen gewonnen werden.

Weil Langzeitarbeitslose den Kontakt zum Fallmanagement abgebrochen oder ihn gar nicht erst aufgenommen haben, soll es ab Herbst für sie ein neues Hilfsangebot des Jobcenters geben. Dafür wird derzeit ein kreatives und innovatives Konzept gesucht.

Eine gesicherte Zahl, wie viele Menschen den Kontakt zum Fallmanagement verweigern oder abgebrochen haben, gebe es nicht, sagt Wiesbadens Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD). „Wir berufen uns daher auf Erfahrungswerte der Fallmanagerinnen und Fallmanager und gehen davon aus, dass sich etwa fünf Prozent der Menschen der Beratung entziehen.“

Schon vor der Corona-Pandemie hätten einige Personen die Brücken zum Kommunalen Jobcenter (KJC) abgebrochen. Das Problem gebe es nicht nur in Wiesbaden, sagt Manjura. „Alle 104 Kommunalen Jobcenter im Bundesgebiet berichten darüber, dass es seit mehreren Jahren zunehmend schwieriger wird, einen Teil der leistungsberechtigten Personen für eine aktive Beratung zu gewinnen“ – obwohl die Termine verpflichtend sind und bei Nichteinhaltung Kürzungen des Arbeitslosengeldes II drohen. Warum Menschen trotz der Sanktionen den Kontakt zum Jobcenter abbrechen, bleibt meist unklar. „In den wenigsten Fällen erhalten wir über die tatsächlichen Gründe eine Rückmeldung.“

Die Mitarbeiter:innen des Jobcenters vermuten, dass bei einem beträchtlichen Anteil dieser Personengruppe gesundheitliche – psychische – Einschränkungen vorliegen, die aus Sicht der Betroffenen einen Besuch beim Jobcenter unmöglich machen. Manche Menschen, die seit vielen Jahren Transferleistungen bezögen, und deren Situation sich auch nach Jahren nicht verbessert habe, zweifelten möglicherweise an der Sinnhaftigkeit. Das Fernbleiben, vermutet Sozialdezernent Manjura, könne als ein Schutzmechanismus vor weiteren Frustrationen interpretiert werden. Bei einigen Menschen spiele auch das Schamgefühl, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, eine Rolle. In wenigen Fällen passe das Thema Arbeit schlichtweg nicht ins Lebenskonzept. Die Folgen für Betroffene seien fatal: Die Arbeitslosigkeit verfestige sich, der Ausweg aus der ohnehin schwierigen Situation werde immer weniger möglich.

Für die kommenden drei Jahre stehen bis zu 720 000 Euro Bundesmittel für das neue Hilfsangebot zur Verfügung. Das Sozialdezernat ruft Träger auf, sich mit Projektideen zu bewerben, die niedrigschwellig und zugewandt arbeiten und in der Lebenswelt der betroffenen Menschen ansetzen. Das Besuchsprojekt soll die Arbeit der Fallmanager:innen unterstützen. Die Mitarbeiter:innen des Projektes sollen jene Menschen erreichen, die eine Kooperation verweigern und sie, kommt der Kontakt anders nicht zustande, zu Hause aufsuchen. Die Kontaktaufnahme im häuslichen Umfeld sei ein entscheidender Erfolgsfaktor des Projektes, erläutert Manjura. Dort könne auf Ängste, Befürchtungen und individuelle Hinderungsgründe eingegangen werden. Die maximale Laufzeit liegt bei drei Jahren.

Zunächst wird sie auf ein Jahr begrenzt, in dem Erfahrungen gesammelt werden und ausgewertet wird, ob das Vorhaben erfolgreich ist. Dann wird es jeweils um ein Jahr verlängert.

Wenn der Kontakt zum Jobcenter wieder hergestellt ist, sollen Betroffene noch einige Zeit von Projektmitarbeiter:innen unterstützt werden.

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