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Nach den Grabungen soll das Gelände renaturiert werden. Der Schornstein bleibt stehen.
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Nach den Grabungen soll das Gelände renaturiert werden. Der Schornstein bleibt stehen.

Wiesbaden

Siedlung aus der Steinzeit an der Alten Ziegelei entdeckt

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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An der Alten Ziegelei in Wiesbaden haben vor 7000 Jahren schon Menschen gelebt. Ein archäologisches Grabungsteam findet auch Hinweise auf weitere Kulturen.

Wiesbaden – Auf dem Gelände der früheren Alten Ziegelei haben Jessica Höppner und ihr Team seltsame Figuren in den Boden geritzt: Kreise, Ovale, Vierecke, ein Fünfeck. Auch einige ein Meter tiefe Grabungen sind zu sehen, sorgfältig ausgeschachtet. „Ein Grubenhaus“, sagt Höppner, die im Auftrag des Landesamts für Archäologie die Grabungen an der Mainzer Straße leitet, und zeigt auf eines der Löcher. Dort haben Menschen vor vielen Jahrhunderten oder Jahrtausenden ihre Vorräte aufbewahrt. Die Ritzen im Boden verweisen auf Verfärbungen im Boden. Dort werden die Archäologen und Archäologinnen noch den Spaten in die Erde stoßen. Wer weiß, welche Schätze sie finden? Einige konnten sie schon aus der Erde buddeln.

Fest steht, dass lange bevor die Ziegelei 1900 gebaut wurde, Menschen dort lebten. Das Grabungsteam hat seit dem Frühjahr 2021 eine ausgedehnte Siedlung der Jungsteinzeit dokumentiert. Tonscherben von vor etwa 5000 Jahren vor Christi sind der Beweis. Erkennbar ist ihre Entstehungszeit an den sorgfältig mit einem Faden eingedrückten Linien auf den Gefäßen. Höppner zeigt eindrucksvolle Funde, größere und kleinere Scherben, die Linien mal geschwungen und mal gerade. „Die Menschen aus der Linienbandkeramik-Kultur waren die ersten, die sesshaft wurden, Ackerbau und Viehzucht betrieben und geschliffenes Steingerät benutzten“, erläutert Dieter Neubauer, Bezirksarchäologe beim Landesamt.

Wiesbaden: Jungsteinzeit-Siedlung auf Gelände der alten Ziegelei gefunden

Vor wenigen Tagen sind Höppner und ihre Mannschaft auf eine Überraschung gestoßen. Der Siedlungsplatz muss auch Jahrhunderte später von Menschen genutzt worden sein. Die Archäologinnen und Archäologen haben Tonscherben aus zwei weiteren Kulturen geborgen: solche aus der Eisenzeit im etwa achten bis fünften Jahrhundert vor Christi, als Kelten in der Region lebten. Typisch für ihre Keramik sind Ornamente aus Fingertupfen und die geschwungene Formen der Gefäße, die es zudem in unterschiedlichen Formen gibt.

Grabungsleiterin Jessica Höppner mit einer Scherbe der Linienbandkeramik.

Als besonderes Erfolgserlebnis kann Höppner zudem auch eine Scherbe mit eingeritztem Fischgrätmuster vorweisen, das von einem germanischen Stamm aus dem dritten oder vierten Jahrhundert nach Christi stammt. Die Gefäße sind feiner, härter gebrannt und haben dünnere Wände. Für Neubauer ist der Fund nicht verwunderlich. Bei Bauarbeiten in der wenige Hundert Meter entfernten Gernotstraße wurden kürzlich auch germanische Scherben gefunden.

Wiesbaden: Nach der archäologischen Untersuchung soll das Gelände renaturiert werden

Das Gelände, sagt Neubauer, sei ein idealer Siedlungsort gewesen. In der Nähe mündet der Wäschbach in den Salzbach, es gab also Wasser. An dem leicht abfallenden Südhang gediehen die Feldfrüchte gut, der Lössboden ist fruchtbar.

Seitdem 1850 im Zuge des Eisenbahnbaus archäologische Untersuchungen Siedlungsbefunde der späten Bronzezeit, der vorrömischen Eisenzeit, Gräber, eine Straße und ein römisches Aquädukt hervorbrachten, ist bekannt, dass das Areal begehrter Lebensraum war. Ob an der Ziegelei auch eines der für die Jungsteinzeit typischen Langhäuser stand, ist nicht bewiesen. Da die Arbeiter für die Produktion der Ziegeln reichlich Lößlehmböden abgetragen hätten, liege das Bodenniveau heute einen Meter tiefer als früher, schätzt Neubauer. Mögliche Beweise sind verschwunden. Nach Abschluss der Grabungen soll das Gelände renaturiert werden. Der Schornstein bleibt erhalten. Auf ihm haben Störche ein Nest gebaut. (Madeleine Reckmann)

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