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In Wiesbaden lässt die Verkehrswende auf sich warten

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Da war noch eitel Freude: Der Elektro-Bus eCitaro wird im November 2019 in Wiesbaden vorgestellt.
Da war noch eitel Freude: Der Elektro-Bus eCitaro wird im November 2019 in Wiesbaden vorgestellt. © Michael Schick

Die Landeshauptstadt wollte 2022 die erste Stadt Deutschlands mit emissionsfreiem Öffentlichen Nahverkehr sein. Daraus wird nichts. Die Industrie liefert die Elektro-Busse nicht.

Was waren das für hoffnungsvolle Aussichten, als die Landeshauptstadt 2019 hundert Millionen Euro für die Verkehrswende bereitstellte. Die ersten 110 der insgesamt 220 Elektrobusse für den Verkehrsdienstleister Eswe sollten davon bezahlt werden, zudem die passende Infrastruktur.

Die Stadt hatte sich vorgenommen, die erste Stadt Deutschlands mit emissionsfreiem öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) zu werden – im Jahr 2022. Bei der Vorstellung der ersten drei mit Strom betriebenen Busse im November 2019 überschlugen sich die Vertreter und Vertreterinnen der Bundes- und der Landesregierung und des Herstellers Daimler Buses vor Lob über den Mut und die Entschlossenheit, mit denen die Stadt die Umstellung der dieselbetriebenen Busflotte auf Elektroantrieb vorantreibe. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit versprach, die Umstellung auf E-Mobilität mit 44,8 Millionen Euro zu fördern. Wiesbaden, so hieß es damals, sei eine der Städte, die als erste die Chancen des Förderprogramms erkannt hätten.

Seitdem ist die Stadt auf den Boden der Tatsachen angekommen. Die Umstellung auf emissionsfreie Antriebe verzögert sich Jahr um Jahr. Heute rollen gerade mal 64 Elektrobusse durch Wiesbaden anstatt der damals versprochenen 220. Zehn Busse mit Wasserstoffantrieb wurden zuletzt für die langen Strecken angeschafft, zwei sind im Einsatz, an den anderen üben die Busfahrer noch. „Die Industrie ist noch nicht so weit“, sagt Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) der FR. Aber der emissionsfreie ÖPNV werde weiter verfolgt. Die restlichen Busse der ersten Bestellung von 2019 sollen noch in diesem Jahr geliefert werden, sagt ein Sprecher von Eswe-Verkehr.

Und die weiteren über 100? Für die längeren Strecken – um die ländlichen Stadtteile mit der Innenstadt zu verbinden – gebe es noch keine zufriedenstellenden technischen Lösungen, erläutert Kowol. „Der Batteriespeicher hat die Erwartungen nicht eingelöst“, sagt er. Und für eine größere Wasserstoffflotte fehle der Wasserstoff. Gegenwärtig bezieht Wiesbaden diesen Kraftstoff aus Mainz.

Wiesbaden musste eine weitere Schlappe auf dem Weg in die Verkehrswende im November 2020 einstecken. Bürger und Bürgerinnen erteilten der Citybahn, einer Straßenbahn von Mainz über Wiesbaden nach Bad Schwalbach, in einem Entscheid eine Abfuhr. Die Bahn sollte das Rückgrat für den emissionsfreien Nahverkehr bilden. Seitdem ist unklar, wie dieser wichtige Bestandteil der Verkehrswende kompensiert werden kann.

Die Planer in der Stadtverwaltung arbeiten daran, andere Schienenprojekte umzusetzen. Die Aartalbahn soll reaktiviert werden, die erfüllt aber nicht alle Vorteile der Straßenbahn, die durch die Innenstadt gefahren wäre. Und niemand weiß bislang, ob sie förderfähig ist.

Die Ländchesbahn soll in höherer Taktfrequenz laufen und einen Halt an der Mainzer Straße erhalten. Das erfordert aber noch einige sehr kostspielige Umbauten und kann viele Jahre dauern. Tatsache ist, dass die Stadt deshalb auf mehr als die damals 110 weiteren Busse mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb angewiesen sein wird. Wann die kommen könnten, steht allerdings in den Sternen.

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