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Thomas Zuromski vom Hochbauamt der Stadt Wiesbaden erläutert das Vorgehen.

Sanierung

Mit Mörtel wie vor 2000 Jahren

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Restauratoren bemühen sich um den Erhalt der Römermauer in Wiesbaden. Sie ist das älteste Bauwerk römischen Ursprungs in Hessen.

Den Steinen auf dem Haufen neben der Restaurierungsstelle ist ihr Alter nicht anzusehen. Römer bauten den Taunusquarzit im dritten Jahrhundert nach Christus in die Mauer ein, die noch heute quer durch Wiesbaden verläuft. Der Zweck des Bauwerks hat sich den Forschern fast 2000 Jahre danach noch nicht erschlossen. Verlief sie mitten durch die Römersiedlung? Eine Berliner Mauer der Antike? Oder trennte sie doch die Siedlung von der Außenwelt ab, als jenseits gelegene Bauwerke bereits aufgegeben waren? Egal was die Forschungen noch ergeben, die Mauer, die früher Heidenmauer hieß und jetzt in Römermauer umbenannt wurde, soll nicht verfallen.

Hinter einem mit einer Plane abgedecktem Gerüst arbeiten Restauratoren daran, ihren Status quo für die Nachwelt zu erhalten. Sie entfernen Pflanzen, die sich in den Ritzen festsetzten, fegen losen Mörtel herunter, heben lockere Steine ab. Mit neuem Mörtel, der dem typischen Gemisch der Römer aus Kalk, Sand und gebranntem Kalk gleicht, mauern sie die losen Steine wieder auf. Ziel ist es, dabei eine Arbeitsweise zu verwenden, die der der Römer möglichst nahe kommt.

„Die Römermauer ist das älteste Bauwerk römischen Ursprungs in Hessen“, berichtet Klaudia Hornung, Abteilungsleiterin beim Hochbauamt. „Und somit ein wahrer Schatz“. Gäbe es das Römertor nicht, wäre sie gänzlich unscheinbar. „Mit ihrer Sanierung soll auch die historische Bedeutung herausgestrichen werden“, sagt Hornung. Gleichzeitig muss die sanierte Mauer vor Wind, Wetter und Taubenkot geschützt werden, damit sie nicht schnell wieder verfällt. Ein Architektenwettbewerb soll ein geeignetes Konzept dafür ermitteln. „Wir denken da an einen offenen Witterungsschutz“, sagt Hornung. Gleichzeitig soll die als römisches Freilichtmuseum bekannte Fläche zeitgemäß umgestaltet werden.

Die innovative Arbeitsweise der Römer begeistert Thomas Zuromski immer wieder. Der Projektleiter aus dem Hochbauamt beschäftigt sich seit zehn Jahren mit dem Bauwerk. „In diesen Rüstlöchern befestigten die Römer Hölzer, die mit dem Baufortschritt zum Gerüst anwuchsen“, berichtet er.

Ein wahrer Schatz

Außerdem hätten sie eine stabile und arbeitsschonende Methode des Mauerns entwickelt, er zeigt auf die unterschiedlichen Steinschichten. An beiden Seiten mauerten die Römer ordentlich und gerade die Steine auf. In der Mitte füllten sie den Zwischenraum mit schräg geschichteten Steinen im Fischgrätmuster weniger exakt aufeinander. Das ergab ein stabiles Bauwerk.

In Wiesbaden ist hauptsächlich nur die Füllung, also der unordentliche Teil, zu sehen. Denn die Mauer ist schon lange nicht mehr vollständig. Im Verlauf der Jahrhunderte brachen sich Menschen immer wieder Baumaterial für ihre Häuser heraus, so dass hauptsächlich nur das Innenleben stehen geblieben ist. Oberhalb der Coulinstraße verbauten die Römer darin den Sockel einer römischen Säule.

Was heute an ordentlichem Mauerwerk zu sehen ist, stammt größtenteils nicht aus der Antike. Als die Wiesbadener Ende des 19. Jahrhunderts ihre Stadt erweiterten, ebneten sie den Hang ein. Damit die Mauer nicht rutschte, wurde das Fundament neu aufgemauert.

Ende des Jahres soll die Sanierung am unteren Mauerstück abgeschlossen sein. Zuromski hofft, dass dann auf dem oberen Stück, das bis zum Spielplatz auf dem Schulberg reicht, mit den Arbeiten begonnen werden kann.

Dort wird sichtbar, was passiert, wenn die Mauer nicht gepflegt wird: Gebüsch wächst am Fuß, Gras auf den Vorsprüngen, einige Steine sitzen so locker, dass sie herauszufallen drohen, und der Regen hat im Verlauf der Jahrhunderte Mulden ins Mauerwerk gewaschen.

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