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Immer mehr kleine Waffenscheine

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Von: Arne Löffel

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Ein Beamter zeigt  eine Schreckschusswaffe 9mm PAK.
Ein Beamter zeigt eine Schreckschusswaffe 9mm PAK. © dpa

In Wiesbaden wollen immer mehr einen kleinen Waffenschein.Die Nachfrage nach Pfefferspray, Schlagstöcken und Schreckschusswaffen ist sprunghaft angestiegen.

In Wiesbaden ist die Zahl der beantragten kleinen Waffenscheine in den vergangenen Wochen sprunghaft angestiegen. Das bestätigt das Ordnungsdezernat unter der Leitung von Oliver Franz (CDU) auf Anfrage. Laut seinem persönlichen Referenten Ralf Wagner hat die Stadt im ganzen Jahr 2015 nur 55 kleine Waffenscheine ausgestellt. „Allein aus den Monaten Oktober bis Dezember des vergangenen Jahres liegen aber noch 80 Anträge zur Bearbeitung auf dem Tisch, in den ersten zwei Januar-Wochen kamen 20 Anträge dazu“, so Wagner zur FR.

Woran das liegt, kann Wagner nur mutmaßen. Offensichtlich liege alledem ein „erhöhtes Sicherheitsbedürfnis“ der Wiesbadenerinnen und Wiesbadener zugrunde, so Wagner. An Spekulationen, ob die Vorfälle zu Neujahr in Köln oder die steigenden Flüchtlingszahlen an sich der Grund für das erhöhte Sicherheitsbedürfnis sein könnten, will sich Wagner nicht beteiligen. Unstrittig sei indes der überproportionale Anstieg.

Diesen Eindruck bestätigt auch Thomas Gruber, Inhaber des Geschäfts „Okay Gravuren“ an der Wiesbadener Friedrichstraße. Hier sind neben Stempeln und Pokalen auch Waffen erhältlich. Gruber berichtet ebenfalls, dass die Nachfrage nach Pfefferspray, Schlagstöcken und Schreckschusswaffen im Oktober bereits angezogen habe und im neuen Jahr geradezu explodiert sei.

„Bei den genannten Gegenständen, die unter ,Security Equipment‘ laufen, haben wir einen Zuwachs von gut 400 Prozent“, so der 33-Jährige. Dieselben Kunden würden bei der Gelegenheit auch Ausschau nach anderen frei erhältlichen Waffen halten. „Zum Beispiel nach Armbrüsten, prinzipiell aber nach allem, was schießt“, sagt Gruber. Auch hier sei der Umsatz um das Drei- bis Vierfache gestiegen.

Die Gründe für das steigende Interesse der Wiesbadener an Waffen kann auch Gruber nicht mit Sicherheit benennen. „Die Kunden sprechen manchmal aber schon über ihre Beweggründe. Sie fühlen sich nicht sicher“, berichtet Gruber. Dabei gehe es nicht mal explizit um Angst vor Flüchtlingen. „Es ist sehr selten, dass einer hier reinkommt und sofort auf Flüchtlinge schimpft.“

Viel häufiger fehle offensichtlich das Vertrauen in die Polizei und deren Möglichkeiten, die Bürgerinnen und Bürger in Notsituationen zu schützen. „Die Polizei sagt immer wieder, dass man nichts, auch kein Reizgas, mitnehmen und im Notfall die Polizei rufen soll. Aber genau hier haben meine Kunden ihre Zweifel, dass das dann funktioniert.“

Während des kurzen Gesprächs mit Gruber warten bereits zwei Kunden im Laden. Direkt im Anschluss möchte ein junger Mann Pfefferspray kaufen. Ohne Erfolg. „Das ist leider ausverkauft“, sagt Gruber.

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