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„Ich wollte ihn verletzen“

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Von: Ute Fiedler

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21-Jähriger wegen versuchten Totschlags angeklagt.

„Keine Ahnung, weiß nicht.“ Das ist die Antwort, die G. gestern vor der 1. Strafkammer am Landgericht am häufigsten gab. G. ist angeklagt, weil er am 11. Februar 2014 dem Freund seiner Mutter mit einem Teleskopschlagstock so heftig auf den Kopf geschlagen haben soll, dass der Mann zu Boden ging und die Waffe sich verbog. G. gab die Tat zu. Warum er jedoch mitten in der Nacht mit zwei Freunden zum Haus des Mannes an der Blücherstraße gefahren war – beim Versuch einer Erklärung wand sich G. wie ein Aal.

Er habe sich den Laptop des Mannes, auf dem Bilder seiner Mutter gespeichert waren, holen wollen, sagte der 21-Jährige. „Ging es um Nacktbilder“, wollte die Vorsitzende Richterin wissen. „Weiß nicht, keine Ahnung“, antwortete der bullige Mann mit dem kahlgeschorenen Kopf, dem schwarzen Trainingsanzug und den zerrissenen Chucks.

In einer ersten Version erzählte G., dass er aus Reflex gehandelt habe. Der Mann habe ihn geschubst, angerempelt. Da habe er zugeschlagen. Der Mann erlitt zwei große Platzwunden am Kopf, Hämatome. Ein Mittelhandknochen brach, als er sich vor den Schlägen schützen wollte.

Nach einer Unterbrechung und einem längeren Gespräch mit seinem Verteidiger gab G. schließlich zu, dass er dem Freund der Mutter wehtun wollte. „Ich hatte den Schlagstock dabei, weil ich ihn verletzen wollte“, sagte er. Und er sei dem Mann gefolgt, als dieser vor ihm geflohen sei.

Schlagstock verbog sich

Seine beiden Kumpel, die ihn in die Blücherstraße begleitet hatten, versuchte G., weitestgehend aus der Geschichte herauszuhalten. Er sei alleine maskiert in die Wohnung gegangen, die beiden Freunde hätten vor der geschlossenen Wohnungstür gewartet. Was in der Wohnung passiert war, habe er ihnen erst erzählt, nachdem er aus der Untersuchungshaft entlassen worden sei.

Ob die beiden denn nicht gemerkt hätten, dass seine Kleidung mit Blut verschmiert gewesen war, fragte die Vorsitzende den 22-jährigen Mitbeklagten. „Ich habe nicht darauf geachtet. Wir sind einfach nur gerannt, als G. aus der Wohnung kam.“

Viele Fragen blieben gestern ungeklärt, unter anderem die, wie G. sich sein weiteres Leben vorstellt. „Keine Ahnung, weiß nicht“, antwortete er, als er danach gefragt wurde. Der 21-Jährige ist mehrfach vorbestraft, saß bereits im Gefängnis. Er hat keine Ausbildung, nie gearbeitet. Derzeit verbringt er seine Tage mit Computerspielen. Er lebt in einer fremden Stadt, Freunde habe er keine, sagte er. Er würde gerne in den Knast, betonte er gestern mehrfach. Da sei das Leben nicht so langweilig.

Der Prozess wird am Donnerstag, 15. Oktober, 9 Uhr, fortgesetzt.

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