Wiesbaden

Neue Hilfe für Leukämiekranke

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Die Uniklinik Mainz und die Horst Schmidt-Kliniken in Wiesbaden gründen ein gemeinsames Leukämie- und Stammzelltransplantationszentrum.

Für Menschen mit Leukämieerkrankungen ist dies eine gute Nachricht: Die Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden (HSK) und das Universitäre Centrum für Tumorerkrankungen in Mainz (UCT) vertiefen ihre Zusammenarbeit und gründen ein gemeinsames Leukämie- und Stammzelltransplantationszentrum. Dies ist kein neues Bauwerk. Vielmehr besteht es aus einer Kooperation an den beiden Standorten. 

Durch den Austausch von Wissen, durch eine größere Zahl von Patienten, die sich an Studien beteiligen, und eine höhere Auslastung der medizinischen Infrastruktur am UCT soll sich die Behandlung der onkologisch erkrankten Patienten verbessern. „Um Hochleistungsmedizin an der Spitze der Entwicklung zu betreiben, sind medizinische Netzwerke unabdingbar“, erklärt Norbert Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender und Medizinischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz. Bereits seit Jahresbeginn besprechen die Ärzte beider Kliniken in einer wöchentlichen Telefonkonferenz ihre Fälle. „Jeder wird besprochen. Selbst für Patienten, von denen wir früher dachten, man könne nichts tun, finden wir mitunter eine Therapie“, sagt Norbert Frickhofen, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie der HSK. Im August wurde der Kooperationsvertrag unterzeichnet. 

„Angesichts der Komplexität der Transplantation fremder Spenderzellen ist diese Kooperation von Bedeutung“, sagt HSK-Geschäftsführerin Sandra Henek. Nachdem das Zentrum für Blutstammzell- und Knochenmarktransplantation der Deutschen Klinik für Diagnostik 2017 in die HSK eingegliedert worden war, wurden in Wiesbaden keine fremden Spenderzellen mehr eingesetzt. Nur noch Transplantationen mit eigenen Stammzellen wurden angeboten. Jetzt erfolgt die Transplantation fremder Stammzellen zwar weiterhin in Mainz, aber die Ansprechpartner, die Vorbereitung und die Nachsorge für die Wiesbadener Patienten sind am HSK. „Die enge Zusammenarbeit gewährleistet, dass Patienten mit Leukämien und anderem Blutkrebs sicher sein können, dass sie unabhängig von ihrem Wohnort nach dem aktuellstem Stand der Wissenschaft behandelt werden“, sagt Frickhofen. Das UCT ist eines von 13 onkologischen Spitzenzentren; es ist das einzige in Rheinland-Pfalz, wo Fremdspenden transplantiert werden. Das Einzugsgebiet der HSK ist neben Wiesbaden der Rheingau-Taunus-Kreis und der Westerwald. Die Patienten profitieren zudem von Therapien, die in Mainz entdeckt wurden und die Frickhofen als revolutionär bezeichnet. Eigene Immunzellen werden genetisch so manipuliert, dass sie als „Immun-Killer-Lymphozyten“ die Krebszellen effektiv bekämpfen. Mit den sogenannten Car-T-Zellen kann ab Jahresende aggressiver Lymphknotenkrebs behandelt werden. Mainz ist eine der ersten deutschen Städte, wo dies möglich ist.

Nach Auskunft von Matthias Theobald, Direktor der Hämatologischen Klinik Mainz, ist dieses Modell der Kooperation einmalig in Deutschland. Dass eine Universitätsklinik als staatliche Einrichtung mit einem Maximalversorger in privater Trägerschaft so eng zusammenarbeite, gebe es sonst nicht. „Zum Wohle der Patienten“ sei dies aber notwendig.

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