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Holzhäuser dienen in Wiesbaden als Schlafplätze für Obdachlose

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Von: Diana Unkart

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Die etwa drei Quadratmeter großen Unterkünfte werden aus Spenden finanziert und von einem Wiesbadener Schreiner gefertigt. Ein Sozialarbeiter soll das Projekt begleiten.

In Wiesbaden gibt es Pläne, kleine Häuschen für Obdachlose bauen und im Stadtgebiet aufstellen zu lassen. Die Idee hatten Geschäftsfrau Betina Weiler, die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für Obdachlose und Bedürftige engagiert und unter anderem das Neujahrsessen für Obdachlose veranstaltet, und Matthias Röhrig, Leiter der Teestube des Diakonischen Werkes Wiesbaden.

Die Häuser sollen vor allem jenen obdachlosen Menschen zur Verfügung stehen, die alt oder krank sind, die auf der Straße übernachten, weil sie nicht in eine Gemeinschaftsunterkunft möchten. Es gebe immer mehr Menschen, die die Nähe zu anderen nicht aushielten, sagt Matthias Röhrig. Oft seien sie psychisch krank.

Finanziert werden können die einfachen Unterkünfte aus Spenden, die Betina Weiler und ihre Mitstreiter:innen gesammelt haben. Je nach Spendenaufkommen sollen weitere Häuschen gebaut werden. Ein Schreiner aus Wiesbaden wird sie fertigen.

Zunächst sind acht Häuser in Arbeit, berichtet Betina Weiler: jedes etwa 3,2 Quadratmeter groß, aus Holz, isoliert, abschließbar, ausgestattet mit einer Matratze und einer mobilen Toilette. „Die Häuser brauchen nicht mehr Platz als ein Autoparkplatz“, sagt Matthias Röhrig.

Wo sie aufgestellt werden, ist noch nicht geklärt. Dazu gibt es Gespräche mit der Stadt. Anders als in anderen Städten, in denen meist mehrere Häuser auf einem Platz stehen, sollen sie in Wiesbaden über das Stadtgebiet verteilt werden. Die Holzbauten werden mit Rollen versehen, so dass ihr Standort gewechselt werden kann.

Geplant ist, dass ein Sozialarbeiter oder eine Sozialarbeiterin das Projekt in Vollzeit begleitet. Um das Antragsprozedere für Fördermittel, die zur Finanzierung der Stelle notwendig sind, kümmert sich die Teestube. Zu den Aufgaben der betreuenden Person wird es gehören, mit den Bewohner:innen der Häuschen in Kontakt zu stehen oder Vorschläge zu unterbreiten, wem sie als Schlafplatz dienen könnten. Denn obdachlose Menschen sollen die Behausungen temporär nutzen. „Ich finde die Idee bestechend“, sagt Röhrig. Deswegen hoffen er und Betina Weiler auf einen positiven Antragsbescheid. Betina Weiler sagt über ihr ehrenamtliches Engagement, sie wolle den Menschen ihre Würde zurückgeben. „Die Welt kann ich nicht retten, aber ich kann diesen Menschen das Leben erleichtern.“

Wie viele Obdachlose in Wiesbaden leben, weiß niemand genau. Die Stadt lässt eine Statistik dazu erarbeiten. Mehr als 300 Menschen nutzen verschiedene Übernachtungsangebote. Es gibt jedoch auch 20 bis 25 Menschen, die diese Angebote nicht annehmen und auf der Straße übernachten. Die Zahl derer, die nicht über einen mietvertraglich gesicherten Wohnraum verfügen, liegt deutlich höher. Diese Menschen kommen bei Freunden oder Verwandten unter. Oft teilen sich dort mehrere Personen ein Zimmer.

Die Arbeit der Teestube ist duch die Corona-Pandemie eingeschränkt, berichtet Leiter Röhrig weiter. Seit sie wieder öffnen durfte, ist die Zahl der Besucher:innen limitiert. Den Aufenthaltsraum dürfen nur 20 statt wie sonst 60 Menschen nutzen, maximal für eine Stunde. Das Essen wird im Freien ausgegeben und mit Abstand eingenommen – unter einem Glasdach und einer Plane.

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