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Hoch in dem gelben Waggon

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Seit 1888 fährt die Nerobergbahn gut geschmiert und geölt den Wiesbadener Hausberg hinauf und hinunter.
Seit 1888 fährt die Nerobergbahn gut geschmiert und geölt den Wiesbadener Hausberg hinauf und hinunter. © Stephan Morgenstern

Die Nerobergbahn startet am Montag in die Saison - und die ersten 40 Passagiere fahren gratis.

Von Mirjam Ulrich

Die gesamte Technik der Nerobergbahn ist in der Winterpause gründlich überprüft und sieben neue Fahrer sind ausgebildet worden. Morgen startet die Bahn um zehn Uhr wieder in die Saison – die ersten 40 Passagiere fahren gratis. Wie die Betreibergesellschaft Eswe Verkehr außerdem mitteilte, braucht bis zum kommenden Sonntag jeder 50. Passagier nichts zu berappen. An dem Tag steht um 15 Uhr die Führung „Der Neroberg – ein Kulturdenkmal“ auf dem Programm. Karten gibt es bei der Tourist Information am Marktplatz, im Preis von neun Euro ist die Fahrt bereits enthalten.

Die Fahrpreise sind gleich geblieben: Erwachsene zahlen für eine Berg- und Talfahrt 3,30 Euro, Kinder die Hälfte. Eine einfache Fahrt kostet 2,20 Euro, eine Familienkarte für zwei Erwachsene mit Kindern 7 Euro. Betrieb und Unterhalt der Bahn schlagen jährlich mit etwa 400 000 Euro zu Buche, zwischen 60 000 und 100 000 Euro schießt Eswe dazu.

Sechs Bahnmeister arbeiten im Schichtbetrieb und sorgen dafür, dass die Bahn sicher läuft. Dafür müssen sie sie täglich warten, beispielsweise die Bremsen nachstellen. Die nutzen sich auf den 483 Metern von der Talstation bis zum 245 Meter hohen Gipfel stark ab. 83 Höhenmeter überwindet die Bahn auf jeder Fahrt.

Die Achslager müssen ebenfalls täglich geölt werden, erläutert Peter Rauch, der stellvertretende Betriebsleiter. „Mit einer Fettpresse drücken wir Schmiermittel in die Buchsen.“ Einmal in der Woche machen die Bahnmeister eine Seilrissprobe – der Wagen muss dann stehenbleiben. Jeden Monat prüfen sie zudem, ob die Notbremsung auslöst, wenn der Wagen die übliche Geschwindigkeit von sieben Stundenkilometern überschreitet.

Die Bahnmeister bringen auch die Waggons wieder ins Rollen, falls die Absprache zwischen den beiden Fahrern einmal gehakt und der Fahrer des oberen Waggons an der Bergstation zu wenig Wasser als Ballast geladen hat: Dann bleiben beide Waggons unterwegs auf der Strecke stehen. Die Standseilbahn funktioniert mit Wasserkraft. Abhängig von der Zahl der Passagiere nimmt der talwärts fahrende Waggon etwa 7000 Liter Wasser an Bord. Er zieht an einem 28 Millimeter dicken Stahlseil über eine Umlenkrolle den Waggon von der Talstation den Berg hinauf. Unten wird das Wasser wieder abgelassen und bergauf gepumpt.

„Früher war das eine weit verbreitete Antriebsart“, erläutert Rauch. Heute ist es in Deutschland die letzte Standseilbahn, die noch mit Wasserballast fährt, alle anderen wurden elektrifiziert. „Unsere rumpelt so wie eh und je den Berg hoch und runter.“ 2013 feierte die Nerobergbahn ihr 125-jähriges Bestehen. Im Jubiläumsjahr beförderte sie mehr als 306 200 Passagiere. Die Bahnmeister hoffen, die Zahl der Fahrgäste konstant zu halten. Letztendlich sei das aber immer wetterabhängig, sagt Peter Rauch. „Wenn es ein ebscher Tag ist, merken wir das schon.“

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