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Hilfe für die Netten

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Studentin Stephanie Vogel (rechts) hilft Schülerinnen.
Studentin Stephanie Vogel (rechts) hilft Schülerinnen. © Renate Hoyer

Mit dem Pilotprojekt WiesPaten werden Schüler unterstützt, die oft durchs Raster fallen.

Von Gesa Fritz

Mit dem Pilotprojekt WiesPaten werden Schüler unterstützt, die oft durchs Raster fallen.

Wer lieb ist, hat leider Pech gehabt. Das passiert in Schulklassen mit vielen auffälligen Kindern ganz schnell. Besondere Aufmerksamkeit erhalten die Lauten, die Schwänzer oder die, die so gar nicht im Unterricht mitkommen. Die Netten, die immer ihre Hausaufgaben erledigen und im Unterricht mit einiger Mühe irgendwie mitkommen – die fallen viel zu schnell durch das Raster.

Diese Schüler werden in Wiesbaden mit dem Pilotprojekt WiesPaten unterstützt. „In Deutschland ist das einmalig“, sagt Projektleiterin Juliane Philipp-Lankes vom Amt für Soziale Arbeit. Mit WiesPaten wird seit 2009 motivierten Schülern geholfen, denen die Unterstützung fehlt. Oft, weil die Eltern selber gar nicht helfen können. „Das sind nicht die schlechtesten Schüler, sondern Schüler mit Schwächen“, sagt Philipp-Lankes. 90 Prozent von ihnen haben einen Migrationshintergrund. Häufig gibt es Sprachprobleme.

Yawen (17 Jahre), Nilay (15) und Thi (16) stehen für die inzwischen deutlich sichtbaren Erfolge des Projektes. Die drei Mädchen besuchen die neunte Klasse der Heinrich-von Kleist-Schule. Im Mai machen sie die Hauptschulprüfung. Und sie strotzen nur so vor Leistungswillen. Im Anschluss an den Hauptschulabschluss die Mittlere Reife? „Wir machen das Abitur“, sagt Nilay. Medizin will sie später studieren. Und so, wie sie es sagt, besteht auch kein Zweifel, dass sie ihr Ziel erreichen wird.

Seit der achten Klasse treffen sich die Mädchen einmal in der Woche zum Förderunterricht mit der Lehramtsstudentin Stephanie Vogel. Hier bereiten sie Referate vor, üben Aufsätze und büffeln für Arbeiten. Alles total freiwillig. Der Unterricht ist als Bonbon gedacht und wird von den Mädchen auch so angenommen. Das Besondere: In unregelmäßigen Abständen erhalten sie Besuch von der Junior AG der Eswe Versorgung. Ein eigenes Unternehmen der Eswe-Auszubildenden.

Die Schülerinnen und die Azubis gehen dann gemeinsam ins Theater, laufen Schlittschuh oder besuchen die Firma. „Da merkt man, dass die sich wirklich für uns interessieren“, sagt Nilay. Und bringt damit das pädagogische Konzept auf den Punkt: Die Schüler sollen Selbstbewusstsein entwickeln und den Mut gewinnen, zu sprechen. „Vorher habe ich mich gar nicht getraut, mit anderen zu sprechen“, sagt Thi, die vor sechs Jahren aus Vietnam nach Deutschland gekommen ist.

Aber auch bei den Noten sind die Erfolge deutlich sichtbar. „Die drei haben eine 1a Prüfung abgelegt“, sagt Klassenlehrerin Karin Tentz. Geradezu sensationell sei es, was für Fortschritte sie gemacht haben.

Derzeit nehmen rund 70 Schüler in 13 Gruppen an dem Projekt teil. Wenn es nach Philipp-Lankes geht, können es noch deutlich mehr werden. Interessierte Schüler gibt es zunehmend, gesucht werden aber auch noch Unternehmen, die bei dem Modell als Paten fungieren. Und auf Wiesbaden soll das Konzept auch nicht beschränkt bleiben.

Zurzeit laufen Gespräche mit einem angrenzenden Kreis, der das Pilotprojekt vielleicht für seine Schulen übernehmen möchte.

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