Wiesbaden

Hilfe für Flüchtling

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Der Biebricher Tischtennisclub sammelt für einen jungen Nigerianer, der nach Italien abgeschoben wurde. Die Hoffnung, dass er nach Deutschland zurückkehren darf, schwindet.

Der Tischtennisclub Rot-Weiß Biebrich sammelt Geld für einen jungen Nigerianer, den über den Sommer viele Mitglieder ins Herz geschlossen haben. 1000 Euro hat er schon beisammen. Oluwaseun „Seun“ Adeleye sei im Mai im Training aufgetaucht, berichtet der TTC-Vorsitzende Marc Köhler und sei rasch für den Verein aktiv geworden, habe beim Nachwuchstraining geholfen und in der zweiten Herrenmannschaft mitgespielt. „Sein Spielniveau entspricht der Bezirksoberliga/Verbandsliga in Deutschland“, sagt Köhler.

Doch der Flüchtling wurde im Oktober nach Italien abgeschoben. Dort habe er einige Tage auf der Straße gelebt, bevor er bei einer Frau unterschlupfen konnte. Für Kost und Logis verlange sie jedoch Geld, so Köhler. Der Verein möchte helfen. „Integration zählt zu unseren Grundwerten“, sagt er. Der Verein hofft, dass Seun wieder nach Deutschland kommen darf.

Der 24-jährige Flüchtling war mit einem Visum zuerst nach Italien und dann nach Deutschland eingereist. Seinen Erzählungen zufolge habe er das Visum samt Versprechen, in Deutschland einen guten Job zu finden, von einem einflussreichen Nigerianer als Hauptpreis für ein gewonnenes Tischtennisturnier erhalten, berichtet Köhler.

In Deutschland habe sich aber herausgestellt, dass er als Drogenkurier arbeiten sollte. Seun sei geflohen und habe Asyl beantragt. Da er zuerst in Italien den Schengen-Raum betreten habe, sei laut dem Dublin-Abkommen Italien für das Asylverfahren zuständig. Die Behörden hätten bereits signalisiert, dass sie ihn nicht haben wollten. Nach Nigeria traue sich Seun aus Angst vor dem einflussreichen Mann nicht zurück.

„Das ist ein klassischer Dublin-Fall“, erklärt Martin Nelte, Fachanwalt für Migrationsrecht, den der TTC für Seun ausfindig gemacht hatte. Die Chance auf Rückkehr nach Deutschland schätzt er gering ein. Dies gelinge nur, wenn Seun in Italien Asyl erhalte. Dann könne er sich 90 Tage ohne Visum in Deutschland aufhalten und einen Job suchen. Als junger Mann ohne Familie zähle er nicht zu den „vulnerablen Personen“ wie etwa Kinder oder alleinstehende Mütter, für die das deutsche Rechtssystem Ausnahmen mache.

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